Starrkirch-Wil

Ein Werk mit Anekdoten aus dem Emmental

«Brägu mit Peekli» Peter Lerch tauchte in seine Vergangenheit ein; Projektleiterin Heidi Rehberg-Lerch unterstützte ihn bei diesem Projekt.

«Brägu mit Peekli» Peter Lerch tauchte in seine Vergangenheit ein; Projektleiterin Heidi Rehberg-Lerch unterstützte ihn bei diesem Projekt.

Der in Starrkirch-Wil wohnende Autor Peter Lerch schrieb ein Buch mit Anekdoten aus dem Emmental, mit dem geheimnisvollen Titel «Brägu mit Peekli». Gemeint ist sein Vater, der Brägu hiess, und Peekli steht für seinen Sohn Peter, den Autor.

Der in Starrkirch-Wil wohnende Autor Peter Lerch schrieb ein Buch mit Anekdoten aus dem Emmental, mit dem geheimnisvollen Titel «Brägu mit Peekli». Gemeint ist sein Vater, der Brägu hiess, und Peekli steht für seinen Sohn Peter, den Autor. Peter Lerch studierte an der Uni Bern Germanistik und absolvierte das Sekundarlehrerdiplom, er war viele Jahre als Sportjournalist tätig. So war er Sportredaktor bei der Berner Zeitung. Einige Zeit wohnte er in Bern, dann in Ittigen, Olten und heute in Starrkirch-Wil mit Sohn und Freunden.

Anekdoten aus der Kindheit

«Brägu und Peekli» ist sein erstes Werk. An der Buchvernissage im heimischen «Löien» in Heimiswil BE feierte er am Donnerstagabend einen grossen persönlichen Erfolg. Viele kamen, kannten ihn von früher, verstanden die eigenwilligen Wörter und freuten sich an den Anekdoten. Sie erkannten sich oft selbst, ein bisschen älter geworden, denn dazwischen liegen sicher mehr als 30 Jahre. Die Zeit geht, doch manchmal gar nicht so schnell, wie man dies meint. Sein grosses Erstaunen war, dass so vieles in Heimiswil gleich geblieben ist; Häuser, Strassen und Plätze, aber auch der Rhythmus im Ort selber, und das berührte ihn tief. Diese Realität animierte ihn zu seinen Geschichten, alles Anekdoten aus seinem Leben, aus seiner Kindheit. Er ist 1958 geboren, und die Jahre, die nachher kamen bis in die 70er-Jahre und vielleicht etwas mehr, waren geprägt von seinen Erinnerungen.

Seine Mutter nannte er liebevoll Mudle. Sie war eine gescheite, tüchtige Frau. Ging zum Arzt, wie dies in der ersten Geschichte erzählt wird, weil ihr Herz seltsame Hüpfer machte, die sie beängstigten. Der Arzt Doktor Wampfler, sein Name wurde natürlich geändert, meinte lakonisch, sehr lange habe sie nicht mehr zu leben. Da zerbrach ihr Optimismus. Ihr Mann, ein schöner Mann, liebte das Leben, nicht im negativen Sinn, sondern in der Gemeinschaft, trank gerne einen Schluck Bier, vielleicht auch manchmal etwas zu viel, war aber voller Herzlichkeit, und seine Eltern liebten sich wortlos, wie der Autor meint, bis ins hohe Alter. Denn als der Arzt starb, ging Mudle zu einem anderen, und der sagte, dass sie kerngesund sei, und dies veränderte ihr Leben von Grund auf.

Dem Vater gab man den Namen Brägu, da er als Hufschmied arbeitete. Sein Vater sang im Chor, spielte Theater, und liebte das Leben auf eine besondere Art. Brägu, der Charmeur von Heimiswil, hiess es oft, und betrachtet man das entsprechende Foto muss man zugeben, dass dies stimmt. Interessant ist auch die Liebe zum Hornussenspiel, das fast von allen männlichen Bewohnern beherrscht wurde.

Das Dorfleben nachgezeichnet

In kleinen Kapiteln zeichnet der Autor ein Dorfleben auf, das vielen nach dem Krieg bekannt ist; man lebte gemütlicher, die Natur war immer Teil davon, und hatte man auch nicht all zu viel, so wusste man sich dennoch zu helfen. Der Leser lernt das Emmental, Heimiswil kennen, mit der Kirche, dem Dorfladen und natürlich mit dem Restaurant Löie. Viele alte Bräuche bekommen in diesen Geschichten Leben. An der Spinnet trafen sich die Frauen im Dorf, sie strickten und machten andere Arbeiten; wichtig war die gemütliche Kommunikation, das Gespräch, das zu einer Unterhaltung der besonderen Art wurde. Wenn man an unsere Gewohnheiten denkt in einer Stadt, könnte man ob dieses Dorflebens fast ein wenig neidisch werden.

Reizvoll ist auch die Geschichte mit dem «Heimholer», das war Peekli, der seinen Vater oft im Löien holen musste, weil Mudle das wollte, denn sie traute ihrem Mann nicht ganz, dass er merkte, wenn er mit dem Bier aufhören sollte. All die kleinen Festlichkeiten, die Ereignisse, die so spielten, wie sie dargestellt werden, sind heute vielleicht anders, weil das Leben sich geändert hat. Aber es ist ein einmaliges Vergnügen, in dieses Buch einzutauchen, das einem ein Stück Emmental erschliesst. Allein die Mundartwörter, die der Autor liebevoll ergänzend anordnete, sind ein Genuss, auch am Schluss des Buches, wo er vor allem den Tätigkeitswörtern nachgeht, dies in einer blumigen Vielfalt.

Dieses Buch hat es in sich und wird zu einem vergnüglichen Unterfangen. Es ist ein Stück Emmental, man denkt an Gotthelf, und er wird auf eine besondere Art lebendig. Man darf sich auf das nächste Buch von Peter Lerch freuen, im Gespräch mit ihm und seiner Projektleiterin Heidi Rehberg-Lerch spürte man, dass es in seinem Kopf langsam Form annimmt. Was, sei an dieser Stelle noch nicht verraten.

Das Buch kann beim Verlag Haller+Jenzer AG, Burgdorf, oder in jeder Buchhandlung erworben werden.

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