An der Generalversammlung des Jugendfürsorgevereins Thal wusste dessen Präsident, Oberamtvorsteher Stephan Berger, über ein interessantes Phänomen berichten. Es seien in den vergangenen Monaten vermehrt Anfragen von Personen eingegangen, welche einen früheren Bezug zum Thal hatten. Diese waren nicht selten als Kinder in Heimen oder Pflegefamilien untergebracht und wollen heute Nachforschungen über ihre Herkunft anstellen.

Berger vermutet, dass die vermehrten Anfragen im Zusammenhang mit der Abstimmung über die «Wiedergutmachungsinitiative» vom Dezember 2014 stehen. Bei den Menschen, die von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen betroffen waren, handelt es sich um Verding- und Heimkinder, administrativrechtliche Versorgungen, Zwangsadoptionen und auch Fahrende.

Sie setzen sich für Kinder ein: (v.l.) Stephan Berger, Präsident Jugendfürsorgeverein Thal, Hanni Jäggi, 34 Jahre Vorstand, Anja Kehm (neue Leiterin DKIZ) und Heinz Bläsi (Geschäftsleiter Adda Kita GmbH).

Sie setzen sich für Kinder ein: (v.l.) Stephan Berger, Präsident Jugendfürsorgeverein Thal, Hanni Jäggi, 34 Jahre Vorstand, Anja Kehm (neue Leiterin DKIZ) und Heinz Bläsi (Geschäftsleiter Adda Kita GmbH).

Es sei doch eine recht ungewöhnliche Situation für den Verein, meinte Berger. «Jahrzehntelang interessiert sich kein Mensch für unser Archiv, und mit einem Mal kommen gleich mehrere Anfragen.» Dem Verein komme zugute, dass das Archiv vor drei Jahren durch eine Fachperson erschlossen wurde und deshalb Protokolle und Kassenbelege bis ins Gründungsjahr 1898 zurückverfolgt werden könnten. «Für uns ist es eine moralische Verpflichtung und eine Selbstverständlichkeit, dass wir jede Anfrage mit grösstmöglicher Sorgfalt bearbeiten und versuchen, den betroffenen Menschen bei ihrer Spurensuche zu helfen.»

20 000 Franken als Beiträge

Im Berichtsjahr 2014 des Jugendfürsorgevereins wurden fünf Einzelfallgesuche mit einem Gesamtbetrag von 4452 Franken gutgeheissen. Weiter wurden Projekte von Itact Schweiz (6000 Franken), Kita Falkenburg Balsthal (6000), InKita Oensingen (3000 Franken als Anstossfinanzierung) unterstützt. Rechnungsführerin Margot Latscha musste wegen der ausserordentlichen Unterstützungen von einer Vermögensverminderung des Jugendfürsorgevereins berichten, was aber den Verein finanziell nicht in Schieflage bringt. Geehrt wurde das Vorstandsmitglied Hanni Jäggi, welches die Demission eingereicht hatte. Stephan Berger erwähnte in seiner launigen Laudatio, er habe Hanni Jäggi als sehr engagierte Frau erlebt, die während ihrer 34-jährigen Vorstandszeit immer wieder ihren gesunden Menschenverstand einbringen konnte.

Vernetzte Beratung

Anja Kehm ist die neue Standortleiterin von «Das Kind im Zentrum» (DKIZ) in Oensingen. Sie wird die Gründerin und bisherige Leiterin Helen Heutschi ab Juni dieses Jahres ersetzen. Kehm nutzte die Gelegenheit für eine Vorstellung. DKIZ sei ein Kompetenzzentrum, das Kindern, deren Eltern und Bezugspersonen pädagogisch-therapeutische sowie medizinisch-therapeutische Unterstützung anbiete. Man arbeite hauptsächlich in den Fachrichtungen Ergotherapie, heilpädagogische Früherziehung, Logopädie im Frühbereich, Physiotherapie und Psychomotorik. Die Angebote richten sich an Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr. Im Aufbau seien Fachstellen für Hör- und Sehbehinderte sowie die Zusammenarbeit mit dem Projekt InKita in der Region Thal-Gäu.

Um die Kita-Leiterinnen von zeitraubenden administrativen Aufgaben zu entlasten, bietet die Adda Kita professionelle Geschäftsleitung und Verwaltung an. Denn, so erklärte Geschäftsleiter Heinz Bläsi, die Kitas hätten sich von ihrem einstigen Pioniercharakter zum Kleinunternehmen gewandelt. Der Zusammenschluss der Kitas Falkenburg (Balsthal), Drachenburg (Oensingen), Zauberstern (Oberbuchsiten) und Chräienäscht (Egerkingen) habe sich nach anfänglichen Schwierigkeiten bewährt. DKIZ und das neue Projekt InKita seien wichtige Anlaufstellen.