Die Genugtuung ist ihm sichtlich anzusehen. Strahlend geniesst er das Bad in der Menge, grüsst hier einen Bekannten, schüttelt da einem Freund die Hand. Guido Fluri, umringt von Kameramännern und Fotografen, hat das geschafft, was viele hier im Dorf nicht mehr für möglich gehalten haben: Er hat den einzigen Dorfladen erhalten, nein, er hat den Detailhändler Coop sogar dazu gebracht, langfristig am Standort festzuhalten, auszubauen und sogar zwei bis drei neue Leute anzustellen.

Als Unternehmer und Matzendörfer liege ihm die Region Thal am Herzen, dies hatte er in den letzten Monaten mehrfach betont. Den Worten sind nun Taten gefolgt – endlich, dürfte manch einer erleichtert gedacht haben.

Eigentlich hätte der Neubau schon vor einem Jahr stehen sollen. Ein abgelehnter Gestaltungsplan, Landabtausch, interne Neuerungen bei Coop und Fragen zur angrenzenden Zivilschutzanlage verzögerten das Projekt spürbar. Die bestehende Coop-Verkaufsfiliale liegt gleich neben dem Baugelände des ehemaligen Landgasthofs Sonne. Davor sammeln sich bei prächtigem Frühlingswetter mehr und mehr Menschen, begutachten die Holzkonstruktion, die immer noch ein Stahlgerüst kleidet.

Im Innern gleicht der Neubau eher noch einer hölzernen Lagerhalle, die aufgestellten Festtische und Bänke füllen sich, das ganze Dorf scheint anwesend zu sein. Schnabuliert Salate, Würste, gönnt sich einen Kuchen. Alles offeriert von der GF Group Holding AG, deren Fluri Real Estate AG das ganze Bauprojekt erst möglich gemacht hat. Auf acht Millionen Franken soll sich die Investitionssumme belaufen.

Mit Herzblut für mehr Lebensqualität

Fluri selber sagt, es gehöre nicht nur Geld zum guten Gelingen, sondern auch die professionelle Fachkraft. «Alle Unternehmen aus unserer Region haben qualitativ wirklich gute Arbeit geleistet», lobt er. Beim Coop-Neubau, wie auch bei der Rennovation des traditionsreichen Landgasthofs Sternen, der fortan der Gemeinde für den symbolischen Betrag von einem Franken vermietet wird.

Kein Wunder, freut sich ob solch «kulturellem Engagement», wie es genannt wird, einer am meisten: der neue Gemeindepräsident Marcel Allemann. «Es zeigt uns, dass hier wirklich jemand Verantwortung übernimmt und Herzblut investiert hat.» Vom Neubau profitiere die ganze Gemeinde, die nun zu dessen Werterhaltung Sorge tragen müsse. «Denn was wir jetzt haben, ist die beste Lösung für unser Matzendorf.»

Selbst der Kanton Solothurn hat sich für dieses Richt- und Dorffest von höchster Amtsebene aus ins Thal begeben. Regierungsrätin Esther Gassler betont, wie gerne sie jeweils in diese Gegend komme. Einer Insel der Ruhe und Erholung. Sie lobt die Investoren, deren Projekt ein klares Bekenntnis zu Matzendorf und dem Naturpark sei. «Eigentlich», sagt Gassler, «wünsche ich jedem Dorf einen solchen Laden.» Denn dieser sei nicht bloss eine Versorgungsstätte, sondern vielmehr ein Begegnungszentrum. Gleichzeitig würdigt sie Unternehmer Fluri, der als Thal-Kind seine Heimat nicht vergessen habe.

Ja zum Standort unterstützen

Dass die Voten der Referenten nicht bloss Worthülsen sind, beweisen sie vor ihren Reden. Angeregt diskutiert Gassler mit der regionalen Verkaufsleiterin von Coop, Yvonne Müller. Näher sei sowieso immer besser, und da müsse man ja auch nicht das Auto für die Einkäufe nehmen. Müller ihrerseits entgegnet, dass sie sich gewaltig über den Neubau gefreut habe und hoffe, damit ein Zeichen zu setzen.

Auf dem Podium tönt das bei ihr dann so: «Hier, wo wir jetzt sind, können Sie in ein paar Wochen einkaufen gehen.» Die versammelte Festgemeinde applaudiert. Nun liegt es an ihr, zu beweisen, dass das Ja zum Standort Matzendorf der richtige Entscheid war.