Wer als Gewerbebetrieb einen neuen Standort sucht, hat in Matzendorf keine Chance – der Gemeinde ist das Gewerbeland ausgegangen. Die Gemeinde will nun handeln und sich beim Kanton für die Einzonung neuer Gewerbeflächen einsetzen. Dies geschieht im Rahmen der neuen Ortsplanungsrevision, wie es in einem neuen räumlichen Leitbild festgehalten ist.

An der letzten Gemeindeversammlung wurde dieses verabschiedet. «Es kann momentan kein neues Unternehmen nach Matzendorf ziehen», stellt Baupräsident Patrick Infanger fest. Wie vergangene Anfragen gezeigt haben, sei allerdings Interesse an Gewerbeland vorhanden.
Matzendorf steht mit seiner Situation nicht alleine da.

So wird in Welschenrohr aktuell eine der letzten Parzellen überbaut. «Bei der nächsten Ortsplanungsrevision wird die Einzonung neuer Gewerbeflächen sicher zum Thema», so Baupräsident Rainer Germann. Wann diese ansteht, ist allerdings noch nicht klar.

Blockierte Gewerbeflächen

Verzwickt ist die Situation in Herbetswil und Aedermannsdorf. Beide Gemeinden verfügen über eine Parzelle, auf der ein ehemaliges Restaurant steht. In Aedermannsdorf ist es das ehemalige Restaurant Eisenhammer. «Einmal bestand Interesse an einem Teilkauf dieser Parzelle», so Bruno Born, Gemeindepräsident von Aedermannsdorf. «Der Besitzer möchte aber die Parzelle als Ganzes verkaufen. Wahrscheinlich ist das nicht attraktiv für potenzielle Käufer.» Es handelt sich dabei um die letzte unbebaute Parzelle in der Gemeinde. Ein Grossteil der gesamten Gewerbefläche im Dorf wird für die gewerbliche Pferdehaltung genutzt.

In Herbetswil handelt es sich um die Parzelle, auf dem das Restaurant Wolfsschlucht steht. «Natürlich wäre es möglich, auf der freien Fläche neben dem Restaurant noch etwas zu bauen. Ein Käufer müsste aber auch das Restaurant kaufen», stellt Gemeindepräsident Stefan Müller fest. Die Parzelle auf der gegenüberliegenden Strassenseite wird derzeit bebaut.

Eine dritte Parzelle ist blockiert: «Der Besitzer, ein Aargauer, ist verstorben. Nun ist in Abklärung, wer die Parzelle erbt, und kann momentan nicht verkauft werden.» Das missfällt Müller. «Das Ziel ist auf jeden Fall, dass diese blockierten Flächen genutzt werden können.» Fast täglich versuche er, mit der Witwe des Besitzers in Kontakt zu treten, um etwas in Bewegung zu bringen.

Dies sei momentan das Hauptanliegen und somit wichtiger als eine Ortsplanungsrevision und ein Antrag auf Einzonung neuer Gewerbeflächen. «Wir warten erst einmal den neuen Richtplan ab. Eine Ortsplanungsrevision ist noch nicht in Sicht.» Laut Lionel Leuenberger vom kantonalen Amt für Raumplanung wird es noch zwei bis drei Jahre dauern, bis der neue Richtplan rechtskräftig wird.

Ähnlich knapp wird das Gewerbeland in Laupersdorf. «Praktisch alles Gewerbeland ist bereits überbaut», so Gerhard Ackermann, Leiter der Bauverwaltung. Allerdings sei noch kein Bedarf nach mehr Land feststellbar. Gemeindeverwalter Stefan Schaad hält fest: «Momentan planen wir nicht, uns beim Kanton für mehr Gewerbebauland einzusetzen. Wir befürchten, dass es nichts bringt.» Eine Ortsplanungsrevision steht in den nächsten Jahren auch in Laupersdorf an.

Chancen der RAZ besser nutzen

Laupersdorf verfügt gemeinsam mit Balsthal seit Anfang 2013 über eine sogenannte Regionale Arbeitsplatzzone (RAZ) im Balsthaler Moos. Sie umfasst 2,5 Hektaren Land. Das Besondere daran ist, dass dafür 1,8 Hektaren Reservezone von Laupersdorf «verschoben» und in Gewerbefläche auf Balsthaler Boden umgewandelt wurde. Die entsprechende Fläche in Laupersdorf wurde zu einer Landwirtschaftszone. Gewerbebetriebe in der RAZ bezahlen Steuern an Laupersdorf und an Balsthal.

«Die regionale Arbeitsplatzzone ermöglicht die Ansiedelung grösserer Unternehmen, wie es sonst im Thal nicht möglich wäre. Das fördert den Standort Thal», so Schaad. Er betont: «Ich sehe das keinesfalls als Konkurrenz zum Gewerbe im Dorf an, eher als eine Ergänzung.»

Daneben ist es Ziel der RAZ, die Zersiedelung durch Konzentration des Gewerbes zu stoppen sowie den Verkehr in den einzelnen Dörfern zu vermindern. So sagt auch Lionel Leuenberger vom kantonalen Amt für Raumplanung, dass eine überkommunale Lösung im Thal durchaus Sinn ergibt. «Das Ziel der kantonalen Raumplanung ist klar, dass die Gewerbezonen von Wohnzonen getrennt sind und der Verkehr abnimmt. Das erreicht man durch eine sinnvolle Platzierung der Zonen.»

Leuenberger streitet nicht ab, dass kleinere Gewerbebetriebe ihre Daseinsberechtigung in den Dörfern haben. Schlussendlich hange es von der Art der Nachfrage ab, wie die Planung am besten erfolgt. Der Kanton wirke dabei koordinierend überlässt den Gemeinden hohe Entscheidungsfreiheit. Nach dem Inkrafttreten des neuen Richtplans werden einige Gemeinden eine Ortsplanungsrevision durchführen - «grundsätzlich stehen die Chancen, dass neues Land eingezont wird, aber eher schlecht», so Leuenberger.

Aktuell liegt die RAZ im Balsthaler Moos noch brach. «Wir wollen die RAZ demnächst breiter ausschreiben», so Roland Stampfli, Gemeindepräsident von Balsthal. Der Aufwand für die Vermarktung der neuen Zone hielt sich bisher in Grenzen, entsprechend gab es noch keine Interessenten. In Balsthal liegen neben der RAZ noch weitere Flächen frei, die gewerblich genutzt werden können. Auch gebe es einige leerstehende Anlagen, die Potenzial in sich bergen, so Stampfli.

Die Gemeinden Gänsbrunnen, Holderbank und Mümliswil-Ramiswil verfügen ebenfalls über wenig Gewerbeland. Sie sehen allerdings aufgrund mangelnder Nachfrage keinen Handlungsbedarf.