Herbetswil
Ein Stück Geschichte bleibt doch bestehen: «Wolfsschlucht» wird nicht abgerissen

Die neuen Besitzer verzichten nach Gesprächen mit der Gemeinde Herbetswil auf den geplanten Rückbau des Restaurants Wolfsschlucht. Anstelle des Rückbaus sei eine Art Hotelbetrieb geplant.

Erwin von Arb
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Das Restaurant Wolfsschlucht an der Thalstrasse in Herbetswil soll künftig als Wohn- und Geschäftshaus genutzt werden.

Das Restaurant Wolfsschlucht an der Thalstrasse in Herbetswil soll künftig als Wohn- und Geschäftshaus genutzt werden.

Bruno Kissling

Die Aufregung gross, als Mitte Oktober des letzten Jahres bekannt wurde, dass das Restaurant Wolfsschlucht in Herbetswil abgerissen werden soll. Weichen sollte das geschichtsträchtige Gasthaus an der Thalstrasse einer auf der Nordseite der Liegenschaft geplanten Autowerkstatt mit Lagerhalle. Vor allem Gemeindepräsident Stefan Müller-Altermatt konnte sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass die «Wolfsschlucht» abgerissen wird, weil damit auch Stück Geschichte der Gemeinde Herbetswil verloren gehe (siehe auch Kontext).

Restaurant Wolfsschlucht

Die «Wolfschlucht» in Herbetswil war früher neben dem Restaurant «Reh» ein Anziehungspunkt für Jung und Alt. Besonder beliebt war in Fasnachtszeiten der Maskenball, der jeweils freitagabends über die Bühne ging. Auch auswärtige Gäste waren oft in der « Wolfsschlucht» anzutreffen. So zum Beispiel Deltasegler, die sonntags auf der Tiefmatt starteten und danach auf der Wiese hinter dem Restaurant wieder landeten.

Das Restaurant war auch wegen der guten Parkmöglichkeiten ein beliebter Treffpunkt für Camionneure oder für einige Bauern aus dem Aargau, wenn sie im Frühling und im Herbst ihre Rinder ins Welschland zur Sömmerung brachten oder wieder abholten. Selbst einige Jura-Separatisten sollen sich in der «Wolfsschlucht» getroffen haben, bevor in Bern um ihr Anliegen für einen unabhängigen Kanton kämpften.

Vor rund 20 Jahren verkaufte das Wirteehepaar Ursula und Erich Eckert die Liegenschaft samt Umschwung Peter Meier aus Breitenbach. Das Restaurant kam danach nie mehr wirklich zum Laufen. Der letzte Wirt der «Wolfsschlucht» war Thomas Fuchs, welcher das Gasthaus Juni 2015 verliess. Letztes Jahr verkaufte Peter Meier die um 1900 erbauten Liegenschaft samt Umschwung an Besart Xhema aus Härkingen. Eine Wiedereröffnung des Restaurants ist nicht vorgesehen (siehe Artikel) (eva)

Gespräche führten zu Erfolg

Nun gibt es vonseiten des neuen Besitzers der «Wolfsschlucht» Besart Xhema aus Härkingen, Entwarnung. Nach Gesprächen mit Gemeindepräsident Stefan Müller-Altermatt sei entschieden worden, die Liegenschaft nicht wie geplant abzureissen, erklärt Gani Xhema stellvertretend für die Bauherrschaft. «Wir sind interessiert an einem guten Einvernehmen mit der Gemeinde», meint Xhema zu den Beweggründen für den Verzicht auf den Abriss. Auch der gute Zustand der Bausubstanz habe diesen Entscheid begünstigt.

Inzwischen wurden bereits das ehemalige Gasthaus im Erdgeschoss sowie die acht Gästezimmer im Obergeschoss saniert und die Fassade neu gestrichen. Geplant sei eine Art Hotelbetrieb, sprich die Vermietung der Gästezimmer im Obergeschoss. Allerdings ohne Restaurationsbetrieb, wie Gani Xhema klarstellt. Die Weiterführung des Restaurants sei kein Thema. Stattdessen sollen in der ehemaligen Gaststube die Büroräumlichkeiten für den Garagenbetrieb eingebaut werden.

Scheunentrakt wird zur Garage

Verworfen wurden inzwischen auch die Pläne für den von der örtlichen Baukommission bewilligten Abriss des Scheunentraktes. In diesen soll nun gemäss neuster Planung der Garagenbetrieb eingebaut werden. Einen leichten Eingriff gibt es lediglich auf der Nordseite der Liegenschaft, wo für die Wohnung im Obergeschoss Balkone vorgesehen sind. Das entsprechende Baugesuch soll in diesen Tagen eingereicht werden.

Pläne gibt es auch für den grossen Parkplatz auf der Westseite der Liegenschaft. Dieses Areal soll als Verkaufsfläche für die Autos genutzt werden. Dafür ist allerdings eine Umzonung nötig, welche nun bei der Gemeinde beantragt werden soll. Nach der Fertigstellung des Garagenbetriebs wolle man neben dem Auto-Export auch in der Schweiz mit Automobilen handeln, bemerkt Gani Xhema.

Gemeinde will Hand bieten

Gemeindepräsident Stefan Müller-Altermatt zeigt sich positiv überrascht über den Verzicht für den Abriss der Liegenschaft. Er freue sich, dass die «Wolfsschlucht» zumindest als Gebäude erhalten bleibe. «Die neuen Besitzer hätten die Liegenschaft abreissen können, die Bewilligung dazu hatten sie», sagt Müller-Altermatt. Die Gemeinde werde nun Hand bieten bei der Umgestaltung des Parkplatzes in eine Verkaufsfläche. «Wir stellen uns offene Carports vor.» Das letzte Wort für eine allfällige Umzonung habe aber der Kanton.

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