Oensingen
Ein Stück Dorfgeschichte geht zu Ende: Erich Mumenthaler schliesst «Wohnen plus»

Erich Mumenthaler schliesst das seit 1956 bestehende Einrichtungsgeschäft an der Solothurnstrasse in Oensingen.

Erwin von Arb
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Erich Mumenthaler in seinem Einrichtungsgeschäft «Wohnen plus», das sich in den nächsten Wochen völlig leeren soll.

Erich Mumenthaler in seinem Einrichtungsgeschäft «Wohnen plus», das sich in den nächsten Wochen völlig leeren soll.

Bruno Kissling

«Ich musste einfach noch einmal kommen, um mich bei Ihnen umzusehen», sagt die etwa ältere Frau zu Erich Mumenthaler. «Natürlich dürfen Sie das», entgegnet Mumenthaler, obwohl sein Geschäft jeweils am Montag eigentlich geschlossen wäre.

Die Frau zählt zum grossen Kundenstamm der Mumenthaler AG, welche unter dem Slogan «Wohnen plus» Möbel, Teppiche, Vorhänge, Lederwaren, Geschenkartikel sowie vieles anderes mehr verkauft. Damit ist aber offenbar bald Schluss, wie die vor dem Geschäft ausgespannten Transparente mit der Aufschrift «Räumungsverkauf» signalisieren.

«Einmal ist es genug», bestätigt Mumenthaler mit Verweis auf sein Alter. Er sei nun 65 Jahre alt und habe deshalb entschieden, sein Einrichtungshaus zu schliessen. Etwa fünf Jahre habe er vergeblich Ausschau nach einem Nachfolger gehalten und dabei fest daran geglaubt, einen solchen zu finden.

Dies nicht zuletzt wegen des guten Geschäftsganges mit einem Umsatz im oberen sechsstelligen Bereich. Dass daraus nichts wurde, nimmt Mumenthaler gelassen, schliesslich konnte er mit der Vermietung des an der Solothurnstrasse 78 ideal liegenden Geschäfts eine gute Nachfolgelösung an Land ziehen.

«Die Räumlichkeiten werden anfangs 2017 von der ggsnet schwängimatt bezogen», verrät Mumenthaler. Der Mietvertrag laufe bis 2026 mit der Option, dass die ggsnet den Laden kaufen könne.

Um die noch im Laden und im Lager befindlichen Waren zu verkaufen, hat Mumenthaler nach den Sommerferien sämtliche Kunden angeschrieben. Seither laufe der Ausverkauf auf Hochtouren. Auf weitere Werbung könne er getrost verzichten.

Rückblick mit Wehmut

Ein wenig Wehmut kommt mit Blick auf die Anfänge der Firma beim 65-Jährigen aber trotzdem auf. Das Unternehmen wurde 1947 von den Eltern des Geschäftsinhabers gegründet. Sein Vater Albert Mumenthaler habe damals die Sattlerei Lehmann auf der gegenüberliegenden Strassenseite betrieben.

1956 erwarb Albert Mumenthaler das Bauernhaus an der damaligen Hauptstrasse 78 und baute dieses in mehreren Schritten zu einem Möbelhaus mit Ausstellungsräumen aus.

Der erste grosse Ausbauschritt erfolgte 1971 mit der Vergrösserung der Ausstellungsflächen auf rund 500 Quadratmeter. Im selben Gebäudekomplex ist seither auch die Post untergebracht. Grössere Investitionen wurden zudem 1984 mit der Erweiterung östlich der Post getätigt.

Einen Abbau gab es hingegen im Thal. Dort wurde 1988 nach rund 18 Jahren die Filiale in Welschenrohr geschlossen. «Der Hauptgrund war die damals serbelnde Uhrenindustrie», bemerkt Mumenthaler.

Als 20-Jähriger eingetreten

In die Firma seines Vaters sei er 1971 im Alter von 20 Jahren als gelernter Sattler und Tapezierer nach der Rekrutenschule eingetreten, erinnert sich Mumenthaler. Fünf Jahre später kauften er und sein Bruder Hansjörg dem Vater das Geschäft ab und gründeten eine Aktiengesellschaft.

Die besten Zeiten erlebte das Einrichtungshaus in den 1990er-Jahren mit insgesamt zwölf Beschäftigten. «Danach spürten wir die in der Region entstehenden Einkaufszentren.»

Nicht gerne spricht Erich Mumenthaler über das Zerwürfnis mit seinem Bruder Hansjörg. 1990 trennten sich die Wege der beiden Brüder nach Streitigkeiten. Hansjörg Mumenthaler führte danach einige Zeit im Unterdorf einen eigenen Laden. Obwohl geschäftlich zwischen ihnen alles geregelt sei, beschäftige ihn diese Sache noch heute.

Nun möchte Erich Mumenthaler wieder nach vorne blicken, denn nach der Aufgabe seines Geschäftes will er auch im Pensionsalter nicht untätig bleiben. «Ich werde den Geschäftsbereich Bodenbeläge weiterführen und deshalb die Mumenthaler AG nicht auflösen», sagt er.

Zu diesem Zweck hat Mumenthaler kürzlich die Liegenschaft an der Solothurnstrasse 41 gekauft. Diese eigne sich bestens für sein Geschäft. Kündigungen wird es übrigens keine geben. Die jetzigen Angestellten möchte Mumenthaler übernehmen.