«Ja, der Standort unserer Firma ist verkehrstechnisch etwas abgelegen», gibt Peter Roth zu, er ist zusammen mit seinem Bruder Beat Inhaber der J. Roth AG, Zimmerei, Sägerei, Schreinerei, Bedachungen, Mümliswil. «Aber das hat auch Vorteile», betont Roth, «die Leute, die bei uns arbeiten, sind uns über Jahre treu, haben Freude an ihrem Beruf und identifizieren sich mit der Firma.» Das wiederum sei gut für die Kundschaft, die wisse, mit wem sie es zu tun hat.

Wer die Firma mit ihren aktuell 27 Mitarbeitern aus der Nähe kennenlernen möchte, kann dies morgen Samstag bei einem Tag der offenen Türen tun. Anlass ist das 60-jährige Bestehen des Unternehmens.

«Roth Schoosi» und die SVP

Gut einen Kilometer vom heutigen Standort entfernt, auf dem Hinter Hauberg, gründete Josef «Schoosi» Roth anno 1954 ein Baugeschäft und eine Sägerei, vorab tätig für Bauernhäuser. 1957 folgte der Wechsel an die Langenbruckstrasse mit gleichzeitigem Ausbau für Zimmerei und Schreinerei. Dort wurden Peter Roth (Jg. 1958) zum Zimmermann, Beat (Jg. 1959) zum Schreiner ausgebildet. 1992 übernahmen die Brüder die Firma je hälftig und wandelten sie in eine Aktiengesellschaft um, Peter Roth ist seither Geschäftsführer, Beat ist Leiter Schreinerei. Je nach Arbeitslage gehörten damals zwölf bis vierzehn Mitarbeiter dazu sowie vier bis fünf Lehrlinge als Zimmermann.

«Das Baugeschäft hat letztlich mein Vater bis etwa 2002 noch alleine geführt, 2009 verstarb er», berichtet Peter Roth. «Wobei er nicht nur baute, sondern auch zahlreiche Liegenschaften im Ort kaufte. Diese haben wir mittlerweile alle verkauft. Leider war die Wertschöpfung daraus nicht ganz so, wie der Vater es sich vorgestellt hatte.»

Der «Roth Schoosi» sorgte auch für Schlagzeilen: Als früher überzeugter CVP-Mann, half er im Jahr 2000 kräftig mit, dass die SVP in Mümliswil-Ramiswil eine Ortspartei gründen konnte. Peter Roth war ebenfalls politisch aktiv, er arbeitete zwölf Jahre im Gemeinderat mit – für die CVP allerdings.

Technik löst Handwerk ab

Ein entscheidender Schritt bildete die technische Aufrüstung der Zimmerei mit einer Abbundanlage samt zugehöriger Halle. Unter Abbinden versteht man das massgerechte Anreissen, Bearbeiten, Zusammenpassen und Kennzeichnen von Schnitt- und Rundholz für Tragwerke und Bauteile. So wird zum Beispiel ein Dachstuhl per Computer aufgezeichnet und dann zur vollautomatischen Ausarbeitung an die Abbundanlage weitergeleitet. «Es war eine notwendige Investition, um mit der Konkurrenz – vor allem aus dem Ausland – mithalten zu können», erklärt Peter Roth. Aber es sei natürlich nicht die einzige Massnahme gewesen, um zu Aufträgen zu kommen. «Bei einem Dachaufbau oder Innenausbau, sei es eine Renovation oder ein Neubau, schätzt es die Kundschaft, wenn alles aus einer Hand kommt.» Darum führt die Firma mittlerweile auch Dachdeckerarbeiten aus, agiert sozusagen als Totalunternehmer.

Die Sägerei will man auch weiterhin beibehalten, obwohl die Lagerung der Hölzer viel Platz beansprucht. Bei Renovationen wird vielfach Massivholz gewünscht, da sei es von Vorteil, das richtige Holz vorrätig zu haben, begründet Roth.

Dritte Generation steht bereit

Die Firma Roth ist im Raum zwischen Basel, Aarau und Biel aktiv. Etwa 60 Prozent der Kundschaft befindet sich im Baselland und dem Schwarzbubenland. Der Verbund Holzhandwerk Thal ist für Roth kein Thema mehr. «Es bringt zu wenig.»

Soeben hat der 25-jährige Raphael Roth sein Studium als Holzbautechniker abgeschlossen, er ist dafür vorgesehen, das Unternehmen später weiterzuführen. Peter Roth ist überzeugt, dass die Firma eine gute Zukunft hat. Was Material, Technik und Angebot angeht, so werde sich wohl noch einiges ändern. «Bleiben wird der Anspruch, beste Qualität zu liefern. Und der persönliche Einsatz als wichtigste Aufgabe, um Aufträge hereinzuholen. Weit über 90 Prozent der Aufträge laufen über persönliche Beziehungen.»