Eigentlich nichts Ungewöhnliches: Ein blaues Sofa, zweisitzig, die Kissen leicht abgenutzt. Und doch drehten sich die Gespräche in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Oensingen wenn...» während Tagen beinahe ausschliesslich um die Sitzgelegenheit. Denn sie steht nicht etwa im Wohnzimmer eines Einwohners, sondern auf einem Feld eingangs Oensingen.

«Ursprünglich stand das Sofa im Dorf», weiss Werkmeister Christian Wyss. «Es hatte ein Schild dran, auf dem ‹gratis abzugeben› stand.» Wie das Möbelstück dann aber auf die Wiese gelangte, weiss anscheinend niemand so richtig, weder der Werkmeister, noch die Facebook-User.

Am 14. Februar wurde das erste Foto des blauen Sofas in die Gruppe gepostet. Von weissem Raureif überzogen steht es einsam und verlassen im Nirgendwo, im Hintergrund ist die Gemeinde noch in frühmorgendlichen Nebel gehüllt. «Guten Morgen», lautet der Post, der 15 Kommentare nachzieht. Zwar gehen die Meinungen am Anfang etwas auseinander, dann aber wurde die Geschichte zum Renner.

«Wo ist der Denkmalschutz?»

Für Einige gibt das Sofa am Anfang Anlass, sich über die heutige «Wegwerfgesellschaft» zu beschweren, wütende Smileys verleihen den eigenen Gefühlen dazu Ausdruck. Man müsse sich ab der heutigen Gesellschaft fragen, meint ein Gruppenmitglied. Und wer stelle schliesslich ein Sofa einfach mitten auf die Wiese?

Mehrheitlich aber amüsieren sich die Gruppenmitglieder köstlich über die wundersame Aktion: «Ich hätte sonst noch einen passenden Couch-Tisch», schreibt beispielsweise ein Oensinger. «Das wird noch zur Kulturstätte», kommentiert ein Anderer. Ein weiterer Scherzkeks meint noch: «So ein Sujet würde doch in einer Kunstgalerie für viel Geld verkauft.» Klar ist auf jeden Fall: Die Oensinger nehmen die Sofa-Geschichte mit viel Humor.

Werkhof hat Sofa entsorgt

Dank dieser Kommentare entwickelte sich sogar noch ein weiterer Trend: Das Sofa-Selfie. Den Anfang machten zwei Berner Sennenhunde, die gemütlich auf und neben dem Sofa posierten. Dann setzen sich immer mehr Gruppenmitglieder auf das blaue Polster. Und sie alle posten ihre Fotos dieser etwas aussergewöhnlichen «Selfie-Challenge» in die Oensinger Facebook-Gruppe.

Zum Schluss der kurzen Geschichte zieren sogar Kissen und weitere Dekorations-Artikel das Möbelstück. In der Gemeinde wurde das Sofa folglich innert kürzester Zeit zur lokalen Berühmtheit. Und wer weiss, ob es nicht sogar noch den Sprung zur Touristenattraktion geschafft hätte, hätte es der Werkhof nicht über das Wochenende entsorgt.