Oensingen

Ein Praktikum als Einstieg ins Berufsleben für Flüchtlinge

Michael Laubscher und Mohammad Belshad auf dem Dach der Vebo in Oensingen.

Michael Laubscher und Mohammad Belshad auf dem Dach der Vebo in Oensingen.

Auf dem Dach der Vebo in Oensingen wird eine Solaranlage installiert. Mohammad Delshad, Flüchtling aus Syrien, arbeitet mit – nachdem er im Rahmen eines Integrationsprojekts erfolgreich ein Praktikum absolviert hat.

Acht Flüchtlinge aus dem Durchgangszentrum in Büren an der Aare erhalten eine Chance: ein Praktikum. Zwei Solothurner Firmen für Solaranlagen bieten im Rahmen des «Solarprojekts für Flüchtlinge in der Schweiz» Praktikumsplätze an (siehe Box «Integrationsprojekt: Zwei Solothurner Firmen Vorreiter»). Nach einem neuntägigen Vorbereitungskurs geht es los.
Das war im Sommer. Einer der Flüchtlinge ist Mohammad Delshad, 20-jährig, aus Syrien. Das Praktikum hat er mittlerweile abgeschlossen. Heute lebt er in einem Zentrum in Biel – und arbeitet noch immer bei der Firma, die ihn im Rahmen des Integrationsprojekts versuchsweise angestellt hat.

Vom Praktikum in die Vorlehre

Das Firmenlogo prangt auf der Arbeitskleidung des jungen Mannes; auf der schwarzen Jacke und der Kappe: ISP – für ISP Electro Solution AG, Tochter der BKW, mit Sitz in Solothurn. Für die Montage von Solarzellen arbeitet der 20-Jährige jeweils auf dem Dach; an diesem Tag auf dem Dach der Kantine der Vebo in Oensingen. Ein Kiesbelag liegt auf dem Dach, darauf sind bereits einige Gerüste gelegt, in denen später die Solarpanels montiert werden. Delshad hantiert mit dem Schraubenzieher, arbeitet mit den Teamkollegen auf dem Dach, montiert Platten – ganz selbstverständlich.

Drei Monate lang versuchte es die Firma mit ihm, nachdem Delshad den Vorbereitungskurs des Integrationsprojektes absolviert hatte und zusammen mit sieben anderen in einer der beiden Firmen einen Praktikumsplatz erhielt. Das funktioniert gut. Delshad konnte bei der Firma bleiben, eine einjährige Vorlehre beginnen. Diese dauert ein Jahr, nun besucht Delshad im Berufsbildungszentrum in Biel zu 40 Prozent noch die Schule. Das sei schwierig, sagt Delshad lächelnd in gutem Hochdeutsch. Mit dem «Schaffe» hingegen habe er gar keine Mühe. Als Glücksfall bezeichnet ihn der Projektleiter, der ebenfalls auf dem Dach in Oensingen steht.

Wichtiger Schritt auf dem Weg zur Integration

Michael Laubscher ist einer der 15 Mitarbeitenden im Solothurner Team, das den Flüchtling betreut hat. «Für manche Arbeiten braucht es schlicht keine höhere Ausbildung», so Laubscher. «Dafür aber gute Leute, die mitanpacken können.» Und gute Leute zu finden sei, wie überall, schwierig. Delshad aber habe man Arbeitsschritte zeigen können – dann hat er sie selbst ausgeführt. Als «Teamplayer» bezeichnet Laubscher den 20-Jährigen, als «fleissigen jungen Mann mit Potenzial».

Schwierigkeiten habe man etwa damit gehabt, dem Syrer den «Schweizer Groove» näher zu bringen, gewisse Regeln. Wie die, dass man sich abmeldet, wenn man krank ist. Das habe aber vielleicht zweimal für Diskussionen gesorgt, und dann sei es klar gewesen, so der Projektleiter.

Die Firma ist zufrieden mit dem Projekt, mit dem Mitarbeitenden, den sie daraus gewonnen hat. «Es ist toll, wenn man jemandem die Chance bieten kann – und diese Person sie dann auch packt.» Das sei nicht selbstverständlich und hänge immer von der Person ab, es sei wohl nicht immer so einfach wie mit Delshad.

Der Schritt in den Arbeitsmarkt soll auch ein Schritt auf dem Weg zur Integration des ganzen Menschen in der Schweiz sein, ist auch Laubscher überzeugt. Momentan lebt Delshad noch im Flüchtlingszentrum, hat kein Handy-abo, um Kontakte zu pflegen. Dafür hat er ein Ziel: «Ich will eine Lehre machen.» Die Lehre als Montage-Elektriker.

Meistgesehen

Artboard 1