Oensingen

Ein Önziger hat das «Pöstli» übernommen

Sie führen den Gasthof Post: Oliver und Christina Zwahlen; Sabine Wyss (links) ist für den Service zuständig.

Sie führen den Gasthof Post: Oliver und Christina Zwahlen; Sabine Wyss (links) ist für den Service zuständig.

Oliver Zwahlen hat zusammen mit seiner Frau Christina den Gasthof Post in Pacht genommen. Das «Pöstli» soll eine Dorfbeiz bleiben. Wie stehts eigentlich mit den anderen Restaurants in Oensingen?

Wohl kaum jemand hatte in Oensingen damit gerechnet, dass wieder einmal ein Einheimischer ein Restaurant übernimmt, und erst noch einer aus einer Familie, die jahrzehntelang ein solches geführt hat. Es ist Oliver Zwahlen, Enkel von Fritz und Anny Zwahlen, die seinerzeit auf dem Restaurant Neu Bechburg bzw. Bächi gewirtet hatten; die Liegenschaft wurde 2011 abgerissen. «Wir selber haben am wenigsten damit gerechnet», sagt der 38-jährige Oliver Zwahlen. «Vor fünf, sechs Jahren hätte ich noch gesagt: Niemals selber eine Beiz.»

Denn er und seine Frau Christina seien sich bewusst, was es heisst, ein Restaurant zu führen. «Man ist von morgens früh bis abends spät dran.» Doch nun haben sie Mitte letzten Jahres den Gasthof Post in Pacht übernommen; Besitzer ist seit 2013 Kemal Cifci bzw. seine Bahnhöfli.CH AG.

Von Onkel und Gotte

Christina und Oliver Zwahlen haben in mehreren Ländern Erfahrungen in der Gastronomie gesammelt. Sie hätten davon gehört, dass das «Pöstli», wie es im Dorf genannt wird, zugehen soll, «und auf einmal hatten wir beide das Gefühl: Das wäre jetzt aber etwas für uns.»

Zudem stellten sie erst noch fest, dass ihnen das frühere Wirtepaar nahesteht: Martin Bossi ist der Onkel von Oliver, Anita Bossi die Gotte. Schnell sei klar gewesen, dass sie am Konzept nichts ändern wollten. «Das ‹Pöstli› soll eine Dorfbeiz mit herzlicher und gemütlicher Atmosphäre bleiben, in der sich auch zu fairen Preisen gut speisen lässt», sagt Oliver Zwahlen.

Vier sind sich treu geblieben

Das Stichwort «Dorfbeiz» gibt Anlass für einen Überblick: Wie stehts um die Gastronomie-Szene von Oensingen, der Zentrumsgemeinde mit mittlerweile mehr als 6000 Einwohnern? In der Gemeindebroschüre von Oensingen aus dem Jahr 1992 sind 13 Betriebe als Restaurant/Hotel aufgeführt. Und heute? Sieht man von den Verkaufsstätten ab, die Pizza, Kebab oder Ähnliches anbieten, so sind es noch deren neun, die im gängigen Sinn als Restaurant gelten. Was auffällt: Alle Restaurants bewegen sich in Angebot und Preis im mittleren Segment, Qualität und Preis stimmen. Wer aber ein Lokal sucht, das in einem der Gastronomieführer wie Guide Michelin oder Gault Millau aufgeführt ist, so wie seinerzeit Mario Derungs mit dem «Frohsinn», wird in Oensingen nicht fündig. Diese Lokale befinden sich in der Umgebung.

Ein Strukturwandel hat ebenfalls stattgefunden. Einige Restaurants haben den Namen geändert, andere mit einer zusätzlichen Bezeichnung oder einem Namen ergänzt. Aus Kreuz wurde zuerst Lindemann zum Kreuz, dann Chrüz bzw. Arcadia, das Stampfeli mutierte zur Pizzeria Stampfeli, das Bad Klus erhielt den Zunamen Dal Toscano. Aus dem Frohsinn wurde das Spezialitätenrestaurant zur Lotus. Ihrem ursprünglichen Charakter treu geblieben sind Rössli, Knaus, Roggen und Post.

Fasnacht und Klang-Menü

«Wir sind überzeugt, dass der Bedarf an einer traditionellen Beiz in Oensingen da ist», sagen Oliver und Christina Zwahlen wie mit einer Stimme. Eine Bestätigung gab ihnen, als sie mit Erfolg beim Zibelimäret 2014 Spezialitäten anboten: Wie anno dazumal im Restaurant Neu Bechburg wurden Riesencrevetten mit Chili sowie Saucisson auf Lauch serviert.

Eine weitere Tradition soll im Februar wieder aufleben: die Beizenfasnacht mit Pyjamaball. Doch auch Neues will das Wirtepaar wagen: Am Samstagabend, 31. Januar, wird ein Klang-Menü geboten mit Live-Musik von Daniel Meister, ebenfalls ein Oensinger.

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