Es ist Zufall oder gar Schicksal, dass der in Mümliswil aufgewachsene Warren Verboom zum Canyoning kam. Sein Element ist die Luft. Als Kind fuhr er Skate- und Snowboard. «Ich liess keine Gelegenheit aus, um zu springen – wollte immer in der Luft sein», erklärt Verboom. Naheliegend, dass er in der dritten Klasse mit Skispringen begann.

Doch ging der Reiz am geradeaus springen irgendwann verloren. Als 15-jähriger machte er seinen ersten Tandem-Fallschirmsprung. Dort erfuhr er, dass es im Militär die Fallschirmaufklärer gibt, und meldete sich gleich für die fliegerische Vorschule «Sphair» an. Derweil schloss Verboom die Lehre als Zimmermann ab. «Mich faszinierte es, wie jemand auf einem schmalen Holzbalken steht und arbeitet», erklärt der 35-jährige.

Immer in der Luft

Das Schicksal nahm seinen Lauf als der Mümliswiler für die Fallschirmaufklärer-Rekrutenschule ins Tessin ging. Doch nach vier Wochen war Schluss. «Dort wird stark selektioniert. Es nagt noch heute an mir», gibt er wehmütig zu. Er wechselte deshalb zu den Grenadieren in Isone. «Dort kam mir die Idee mit dem Bungee Jump im Verzasca-Tal», erinnert sich Verboom. Mit einer Absicht: Sein grosser Traum war Base Jumpen — Base für Building (Gebäude) Antenna (Antenne) Span (Brücke) und Earth (Erde). «Beim Bungee Jump übte ich den Ablauf, wie ich ihn mir beim Base Jumpen vorstellte», erläutert der Fallschirmspringer.

In der Luft muss man sich synchron verhalten, sonst gerät man ins Strudeln – wie ein Flugzeug mit nur einem Flügel. Er merkte, dass er im freien Fall die Kontrolle über seinen Körper behält. Es sei eine Bestätigung gewesen, dass Base Jumpen das Richtige ist. Er heuerte beim Bungee Jump-Anbieter an; machte dort einige Sprünge, um dem Ziel Base Jump näher zu kommen. Sein Arbeitgeber verlangte dagegen, dass er die Canyoning Guide-Ausbildung machte. Trotz anfänglicher Skepsis war er nach einer Tour völlig begeistert.

Präzisionssprung von Warren Verboom: 14 Meter hoch, 7 Meter lang

Präzisionssprung von Warren Verboom: 14 Meter hoch, 7 Meter lang

Von der Luft ins Wasser

Danach arbeitete er während sieben Jahren als Canyoning Guide bei diversen Anbietern. Drei Winter verbrachte er in den USA; bildete sich zum Tandem- und Fallschirm-Instruktor aus, absolvierte einen Base Jump-Kurs sowie die ersten Sprünge. Beim Base Jump hat man, anders als beim Fallschirmspringen, nur einen Schirm.

«Ich war nervös, ob ich ihn richtig gepackt hatte» gesteht der Sportler. Base Jumpen sei lange prioritär für ihn gewesen, doch holte Canyoning auf. «Beim Base Jump ging der Kick schneller verloren, immer wieder am selben Ort zu springen», legt Verboom dar. Beim Canyoning treffe man immer wieder auf eine andere Ausgangslage mit der Tiefe der Schlucht und der Grösse des Topfes. «Dort springe ich auch, wenn ich nicht zu 100 Prozent überzeugt bin. Im BASE Jumpen ist das ein fataler Fehler.

War ich mir nicht sicher, sprang ich nicht», erklärt Verboom. Die Faszination am Canyoning liegt wohl darin, dass mehr Varianten bestehen, wie man die Schlucht runterkommt.

Portrait von Warren Verboom - der Solothurner liebt Canyoning

Portrait von Warren Verboom - der Solothurner liebt Canyoning

Erste Canyoning-Marke

Im 2011 entschied Verboom, mehr aus Canyoning zu machen. So suchte er Leute, die mitziehen würden. «Ich wählte bewusst Personen, die besser waren als ich», erklärt er. So besuchte er ein Turmspringer-Training und fragte einige an. «Keiner von ihnen hatte das zuvor gemacht», weiss Verboom.

Ein Jahr später wurde der erste Film gedreht. Dieser erschien 2013 erschien als erster Film des deap Freestyle Canyoning Teams und hiess «The Beginning». Verbooms Ziel ist es mit «deap» – angelehnt an das englische Wort «deep» für tief – die erste Marke für Canyoning zu schaffen.

«Die Materialien wie der Wetsuit (Neopren), Helm und Schuhe sind stark verbesserungswürdig», beklagt sich Verboom. So will er mit «deap» Ausrüstung herstellen, die auf Canyoning zugeschnitten ist. Gemeinsam mit einem Hersteller habe er den Wetsuit entwickelt – gemäss den Anforderungen dieses Sports.

Der Wetsuit ist ab sofort erhältlich —- die ersten 30 Tage auf der Crowdfunding-Plattform «Indiegogo», danach auf der «deap»-Website. Momentan kann Verboom von seinem Hobby nicht leben, was allerdings sein grosser Wunsch wäre. Deshalb arbeitet er seit vier Jahren als Fallschirm-Instruktor im Para Centro in Locarno, wo er auch lebt.