Aaregäuer Nachhilfe

Ein «Me-Arm» fürs Schachspielen – zu Besuch im Sommerkurs Robotik

Anja Hinder unterstützt die Kinder dabei, dem «Me-Arm» die Arme korrekt anzubringen.

Anja Hinder unterstützt die Kinder dabei, dem «Me-Arm» die Arme korrekt anzubringen.

Wenn Schüler sich erstmals mit Robotik auseinandersetzen. Besuch im Sommer-Förderkurs Aaregäuer Nachhilfe.

Es ist fast ein wenig wie Legobauen. Aber doch eine Spur komplexer. Bei den beiden Oltnern Keneth und Elia will die Schraube nicht rein. «Seid ihr sicher, dass sie richtig rum angebracht ist?», fragt Jan Hinder die Kinder. Ein Blick auf die Anleitung verrät: Die Schraube, welche den Arm des Roboters zusammenhält, muss andersrum eingedreht werden. «Me-Arm» heisst er, der Roboter. Oder hiesse zumindest das Original. Denn beim Modell, das die Schulkinder im Schulhaus Fulenbach zusammenbauen, handelt es sich um eine Kopie aus China. «Ich habe ihn in einem chinesischen Onlineshop bestellt», erklärt Kursleiter Hinder. So konnte er die Kurskosten tief halten. Die Kopie des «Me-Arm» steht kurz vor ihrer Geburt.

«Ich werde ihn fürs Schachspielen brauchen», sagt Colin voller Vorfreude, während sein Kollege eine Schraube anbringt. «Spielst du oft Schach?», fragt Hinder. Colin nickt. «Dann könntest du ihn auch Programmieren, dass er für dich spielt», sagt ETH-Student Hinder lachend. Colins Augen leuchten: «Kann ich auch die Schach-App draufladen, die ich habe?». «So einfach ist’s nicht», erwidert Hinder.

«Wie können Ferien zu lang sein?!»

Sechs Schüler haben sich zum Robotikkurs der Aaregäuer Nachhilfe eingeschrieben. Mädchen sind bei diesem Premiere-Kurs keine dabei, wie Hinder bedauert. Im eintägigen Kurs bauen die Kinder ihren eigenen Roboter, den sie auch mit nach Hause nehmen können. Wie der Name des «Me-Arm» erahnen lässt – ein simpler Roboter, der über einen Greifarm leichte Gegenstände anheben kann. Gesteuert wird der Roboter über zwei Joysticks. «Es geht in erster Linie darum, in die Robotik einzutauchen», sagt Jan Hinder. Den programmierten Code, der den Robotern erst Leben einhaucht, lädt Kursleiter Hinder auf den fertiggebauten Roboter. Er selbst würde sich im Studium zum Maschinenbau-Ingenieur mehr praktische Übungen wünschen. Ein einjähriges Projekt, bei dem er in einem Team einen Laufroboter fürs Weltall baute, blieb ihm besonders haften.

Der Kestenholzer befindet sich im Masterstudium. Nachdem er das Sprachprofil an der Kantonsschule in Olten besucht hatte, entschied er sich für einen technischen Beruf. Auf die Frage, ob er es richtig fände, die Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu fördern, sagt Hinder. «Ich finde es wichtig, auch andere Fächer zu lernen. Wer investiert, kann jedes Defizit aufholen», sagt er aus eigener Erfahrung. Hingegen sei es richtig, nun bereits in den ersten Schuljahren mit Computer und Informatik zu beginnen. «Ich habe noch immer Mühe damit, weil ich mich erst an der ETH begann, damit auseinanderzusetzen», so Hinder. In der Region blieb er verankert – auch dadurch, dass er übers Jahr hindurch beim Verein Aaregäuer Nachhilfe Unterricht gibt. So auch seine Schwester Anja, die vor dem Abschluss der Pädagogischen Hochschule steht und ihn an diesem Nachmittag unterstützt.

«Findet ihr, dass die Sommerferien zu lang sind?» Colin und Michael protestieren gleichzeitig. «Wie können Ferien zu lang sein?!» Einzig Keneth pflichtet bei: «Nach den Ferien habe ich jeweils Mühe zu schreiben», sagt der Sek-P-Schüler. Die Schüler stehen kurz vor dem Übertritt in die 1. Sek oder haben das erste Jahr in der Mittelstufe bereits hinter sich. Alle sechs lassen in Zweiergruppen konzentriert ihren «Me-Arm» entstehen. Anhand der ikea-ähnlichen Anleitung sind die Bauschritte vermeintlich selbsterklärend. Aber eine falsch angebrachte Schraube kann entscheidend sein.

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