Wolfwil
Ein Lob auf das Unvollkommene: Slam-Duo begeistert in der Pfarrschür

Die neuformierte Wolfwiler Kulturkommission holte das Slam-Kabarett-Duo Kilian Ziegler und Samuel Blatter auf die Bühne, denen der «Ausbruch aus dem Strauchelzoo» glückte.

Urs Amacher
Drucken
Teilen
Slam-Poet Kilian Ziegler (l.) und Keyboarder Samuel Blatter in der Pfarrschür.

Slam-Poet Kilian Ziegler (l.) und Keyboarder Samuel Blatter in der Pfarrschür.

Urs Amacher

«Ich mache mehr falsch als richtig», bilanzierte Kilian Ziegler auf der Kleinkunstbühne in der Pfarrschür, welche ihm die neuformierte Wolfwiler Kulturkommission zur Verfügung stellte. Zusammen mit dem Keyboarder Samuel Blatter zeigte der Slam-Poet sein aktuelles Programm «Ausbruch aus dem Strauchelzoo». Dabei sind die Fehler bei Killian Ziegler durchaus gewollt.

Indem er einen Laut austauscht oder hinzufügt, kreiert er witzige Wortspiele und klopft die Sprache auf ihre Feinheiten ab. So redet er vom Europa-Park Frust oder eben vom Strauchelzoo, der von Plapperschlangen bevölkert wird. Dazu gehört auch, dass «Kili» sich Wasser aus einer gläsernen «Giraffe» mit Fellmuster einschenkt.

Über Wortspiele straucheln

Manchmal genügt aber schon eine andere Betonung, um das Publikum zum Lachen zu bringen. So in der Geschichte, wo der Samichlaus einen neuen Esel braucht, das Grautier aber zu teuer ist und ihn deshalb der Schmutzli animiert: «Sami, klau’s!» Musikalisch wurde der Wortgewandte durch den Hägendorfer Musiker Samuel Blatter unterstützt, der mit Zwischenspielen am Piano und eigenen Songs auf Ziegler reagierte.

Zwei rote Fäden ziehen sich durch das Programm des Duos. Im Zoo sind Tiere immer dankbare Opfer für Wortspiele und ganze Fabeln, wie die Geschichte vom Otter und dem Menschen, seinen Ausr-Otter. Das andere Hauptthema ist eben das Straucheln.

Vieles misslingt, geht schief. Dabei streben wir doch nach dem Ideal, sei es durch Krafttraining im Fitnesscenter oder mit Photoshop. An diesen Äusserlichkeiten können wir nichts als ständig scheitern.

Muskelcouvert statt Muskelpaket

Dem setzen Ziegler/Blatter das Lob des Unvollkommenen gegenüber. Muskelcouvert statt Muskelpaket à la Cristiano Ronaldos Modellkörper für ein Unterwäsche-Label, lautet ihr Credo. Oder das Knistern und Kratzen der Nadel auf der Schallplatte statt der perfekte, seelenlose Sound ab digitalem MP3-Player.

Die Slam-Poeten reden einer neuen Kultur des Stolperns und Scheiterns das Wort. Sie fordern auf, Fehler zu machen, und dies mit Lust. Im Verein der Frohnaturen sollen wir mehr darüber lachen, dass wir niemals perfekt sind, statt Miss-mus mehr Optimismus. Hierzu passten die Zugaben, ein Zahlengedicht als Einmaleins der Liebe und der Liebelei.

Kommissionspräsidentin Birgit Kölliker verband den Dank an die Künstler mit der Gelegenheit, die Kulturkommission in der neuen Zusammensetzung dem Publikum vorzustellen.

Aktuelle Nachrichten