Thal-Gäu-Bipperamt
Ein Jahr nach Nein zum Energiegesetz: Gasnetzbetreiberin Sogas geht in die Offensive

Im Jahr nach der gewonnenen Energiegesetz-Abstimmung will die Sogas AG Forderungen stellen.

Yann Schlegel
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Die Sogas AG versorgt die Regionen Thal-Gäu-Bipperamt mit Erdgas. (Symbolbild)

Die Sogas AG versorgt die Regionen Thal-Gäu-Bipperamt mit Erdgas. (Symbolbild)

Keystone

Nach dem knappen Ja zur «Energiestrategie 2050» sagte der Kanton Solothurn im vergangenen Jahr wuchtig Nein zum ausgearbeiteten Energiegesetz. 70 Prozent lehnten die Vorlage ab. Die derart klare Absage an die strengen Richtlinien war überraschend gekommen.

«Jene, die gewonnen haben, müssten nun sagen, wie es weitergehen soll», sagt Alt-Ständerat Rolf Büttiker. Als Verwaltungsratspräsident der Sogas AG, welche die Regionen Thal-Gäu-Bipperamt mit Erdgas versorgt, macht er sich für die Gasnetzbetreiber stark. Die Sogas AG gehörte, wie Büttiker ein paar Monate nach der Abstimmung zum Energiegesetz betont, zu den «erbittertsten Gegnern» jenes Gesetzes, das zur Energiewende verhelfen sollte. Die Maxime weg vom Atomstrom – hin zu erneuerbaren Energien, wie sie das Gesetz verfolgte, hätte auch die Gasnetzbetreiberin betroffen und eingeschränkt. Nach Solothurn sagte zuletzt auch der Kanton Bern – jedoch nur hauchdünn – Nein zum Energiegesetz.

Büttiker will diese Pilot-Wirkung nun ausnutzen und Forderungen für die Ausgestaltung des neuen Gesetzes stellen. Umstritten waren beim gescheiterten Energiegesetz die Mustervorschriften der Kantone für den Energiebereich (MuKEn). Die Gasnetzbetreiber störten sich etwa daran, dass zwischen den fossilen Energieträgern Heizöl und Erdgas nicht differenziert wurde. «Gas erzeugt gegenüber Erdöl 25 Prozent weniger CO2-Ausstoss», wiederholt Büttiker mehrfach.

Guido Schenker neu im Verwaltungsrat

Die privatrechtlich organisierte Gesellschaft, welche die Regionen Thal-Gäu-Bipperamt mit Erdgas versorgt, hielt vergangene Woche ihre Generalversammlung am westlichsten Ende des betriebseigenen Gasnetzes ab: Im Hotel Al Ponte in Wangen an der Aare auf bernischem Boden konnte Geschäftsleiter Rolf Riechsteiner für das Jahr 2018 einen Gewinn von knapp 790'000 Franken ausweisen.

Die Sogas AG schüttete aufgrund des guten Jahresergebnisses eine Dividende von 208 000 Franken aus. Die Generalversammlung wählte Guido Schenker neu in den Verwaltungsrat. Durch die Wahl des Neuendörfer Architekten erhofft sich die Sogas AG gemäss Verwaltungsratspräsident Rolf Büttiker, in den kommenden Jahren das Gas-Anschlussnetz insbesondere in den Gemeinden Neuendorf, Niederbuchsiten, Kestenholz und Härkingen ausbauen zu können.

An der Generalversammlung war mit FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler hoher Besuch zugegen. Der Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes schloss die Versammlung mit einem Referat ab. (yas)

Auch möchte die Gasbranche, dass Biogas anerkannt wird. Dieses ist umstritten, weil das Potenzial in der Schweiz beschränkt ist und die entsprechenden Zertifikate aus dem Ausland kommen könnten. Die Mustervorschriften hätten zu viele Detailvorschriften statt klarer Zielvorgaben beinhaltet, kritisiert Büttiker.

«Zielvereinbarungen statt Zwang»

Der Sogas-Verwaltungsratspräsident bläst damit ins selbe Horn wie der Hauseigentümerverband und die Wirtschaftsverbände. Auch sie hatten sich vehement gegen das Energiegesetz eingesetzt und mit ihrer Kampagne gewonnen. Nach der Abstimmung erklärte sich die Handelskammer bereit, über alternative Modelle zu diskutieren. Sie könne sich ein Energiegesetz mit «Zielvereinbarungen statt Zwang» vorstellen, kommunizierte sie.

Ähnlich sind die Forderungen, welche Büttiker gemeinsam mit dem Schweizerischen Gasverband diskutiert und ausgearbeitet hat. Die Gasbranche möchte die Anforderungen an Einzelgebäude lockern und stattdessen als Gasversorger über ganze Perimeter wie Gemeinden oder ihr Versorgungsgebiet Zielvereinbarungen abschliessen, wie stark die CO2-Emissionen sinken sollen.

«Wir sind überzeugt, auch künftig eine Berechtigung zu haben», sagt Büttiker. Geht es nach der Sogas AG, soll der fossile Energieträger Gas im neuen Gesetz, das die Energiewende einläuten soll, noch immer seinen Platz finden. Die Gasnetzbetreiberin bereitet sich auf eine vom Bundesrat angekündigte Gasmarktöffnung vor.

In den letzten Jahren konnte das Unternehmen die Anzahl Gasbezüger stetig steigern und 20 bis 30 neue Anschlüsse erstellen. Ende 2018 verzeichnete sie in ihrem Gebiet Thal-Gäu-Bipperamt insgesamt 736 Kunden. Der Gasverkauf blieb seit 2014 in etwa stabil. Trotz des warmen Jahres verbuchte das Unternehmen 2018 einen guten Jahresabschluss. Dies, so Büttiker, weil ein Grossteil der Kunden der Sogas AG das Gas primär industriell für die Produktion nutze.

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