Härkingen

Ein Hauch poetischer Verlorenheit

Bilderkomposition von Nina Negreba (ohne Titel), Öl auf Leinwand, ergänzt mit einem Werk von Yuriy Musatov (vorne). Bruno Kissling

Bilderkomposition von Nina Negreba (ohne Titel), Öl auf Leinwand, ergänzt mit einem Werk von Yuriy Musatov (vorne). Bruno Kissling

Die Ausstellung in der Alten Kirche in Härkingen steht ganz im Zeichen osteuropäischer Kunst. Unter anderem stellt Oksana Mathieu ihre zeitgenössischen Kunstwerke aus.

Oksana Mathieu hat ukrainische Wurzeln, ist mit dem Schweizer Pascal Mathieu verheiratet und widmet sich mit ihm zusammen ganz der bildenden zeitgenössischen Kunst mit Schwerpunkten Ost- und Westeuropa. In ihrem Atelier und Ausstellungsraum an der Ringstrasse in Olten organisieren sie regelmässig Ausstellungen, wobei nebst der Malerei auch den Objekten, vor allem Keramikobjekten, grosse Bedeutung zukommt.

Zeichen auf den Grund gehen

Wenn man die Alte Kirche betritt, wird man sofort gefangen genommen von der langen Reihe ihrer farbintensiven Bilder, die da hängen, als hätte man, Seite um Seite, ein Bilderbuch aufgeschlagen, das nicht nur mit Formen und Farben variiert, sondern dem Betrachter Geschichten erzählt. Man erlebt liebevolle, spannende, humorvolle Begegnungen mit Bildinhalten über das Leben, wie es im Alltag spielt. Sie ist eine Malerin, die in Acryl malt, mehrere Schichten übereinander schiebt, Bildräume leidenschaftlich bearbeitet und ihre figurativen Motive, Menschen, Tiere, Interieurs, Blumen immer in einen Zusammenhang mit der erzählerischen Aussage bringt. Immer so, dass zugleich etwas Irrationales von einem Besitz ergreift. Die Perspektiven verschieben sich, Fragmente spielen mit dem Betrachter, einzelne Requisiten wie ein Krug, eine Tasse, ein Pferd oder ein kleiner König mit Krone bekommen Bedeutung, wobei die Fantasie angeregt wird.

Geschichte hinter Frauenbildnis

Von unglaublicher Intensität ist die Bilderreihe mit dem grossen Doppelbild im Chorraum. Sie entstand im Zeichen der Auseinandersetzungen in der Ukraine. Oksana Mathieu gab all ihre Ängste und Gefühle in diese Bildräume ein, malte abstrakte Kombinationen in feinen Grau- und Schwarzbetonungen. Das grosse Mittelbild zeigt helle Gesichter, umhüllt von dunklen Kleidern im helleren Grund und dahinter eine Landschaft, geprägt von wortloser Verlorenheit. Es ist dies ein Doppelbild, das unter die Haut geht.

Nina Negreba, die die Künstlerin seit vielen Jahren kennt und schätzt, ist ebenfalls eine berühmte und bekannte Malerin mit russischen Wurzeln. Oksana Mathieu hat viel von ihr gelernt und liebt ihre grossartige Malerei.

Nina Negreba zeigt einige Bilder in feinen Farbkombinationen. Viel Rot oder verhaltenes Gelb, helles Grün, aber auch dunkle, verhangene Töne sind auszumachen. Meist sind es Frauenbildnisse, die ebenfalls eine erzählerische Komponente haben. Ihre Malerei wirkt verwischter, abstrakter, da sie einzelne Formen auflöst und nur die Farben wirken lässt, aber immer so, dass man spürt, dass auch hier hinter jedem Frauenbildnis eine Geschichte steckt.

Yuriy Musatov aus der Ukraine ist ein begnadeter Keramikkünstler, der reliefartige Objekte schafft, die sich aneinanderreihen und aus denen fragmentartig Gesichter wachsen. Auch die anderen Objekte sind voller Kraft und stiller Schönheit. Die erdigen Farbtöne mit roten Markierungen verzaubern.

Die Ausstellung dauert bis zum 21. Dezember.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1