Für den Oensinger Gemeinderat wäre es die Ideallösung gewesen. In der Halle der Brunner Transporte hätte die Gemeinde den Werkhof der Zukunft gesehen. An der Hirsackerstrasse 26 sollte Oensingen auf 4000 Quadratmetern einen zentralen Werkhof erhalten. Doch die Oensinger lehnten den Kauf der Liegenschaft vergangenen September an der Urne knapp ab.


Verloren hatte beim Urnengang nicht nur der Gemeinderat, sondern auch das Transportunternehmen, das seine Halle nach langwierigem Prozess nicht verkaufen konnte. Wenige Monate später hat Inhaber Thomas Brunner aber einen Abnehmer für seine Logistik-Halle gefunden. Wie das Grundbuchamt auf Nachfrage bestätigt, ist das Grundstück am 6. März offiziell an die Marstall AG übergegangen: Bis anhin war das Familienunternehmen in zweiter Generation in Oberbipp angesiedelt.

Ab Mai in Oensingen

Die Marstall AG beschäftigt dort 11 Mitarbeiter. Sie handelt vornehmlich mit hochwertigem Pferdefutter und produziert einen kleinen Teil spezifischer Ergänzungsfuttermittel im eigenen Betrieb vor Ort. Durch den Verkauf stehen die Brunner Transporte trotz dem geplatzten Deal mit der Einwohnergemeinde nun doch als Siegerin da.

«Die Firma Brunner hat die bessere Käuferschaft gefunden», kommentiert Inhaber Thomas Brunner. Mehr will er zum Verkauf nicht sagen. Wie diese Zeitung erfahren hat, soll auch die Bürgergemeinde Oensingen Interesse bekundet haben, die Liegenschaft zu kaufen. Die Bürgergemeinde war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Neue Käuferin ist nun die Marstall AG. Der Pferdefutter-Händler meldete sich, kurz nachdem das Transportunternehmen die Liegenschaft öffentlich ausgeschrieben hatte. «Wir versuchen bereits seit längerer Zeit, eine grössere Liegenschaft zu finden», sagt Simon Engeler, Inhaber und Geschäftsführer der Marstall AG. Am bestehenden Standort in Oberbipp musste Marstall immer wieder mit Platzengpässen zurechtkommen.

Dass die Oensinger Stimmbevölkerung den Kauf der Liegenschaft an der Hirsackerstrasse ausschlug, ist das Glück der Marstall AG. Die beiden Parteien seien schnell einig geworden, so Engeler. In den kommenden zwei Monaten verlässt der auf Pferde-Futter spezialisierte Betrieb den bisherigen Standort Oberbipp. Bereits am 6. Mai startet die Marstall AG in Oensingen das operative Geschäft. An der Brunner-Halle wird das neue Unternehmen nur kleinere Anpassungen vornehmen.

Oensingen sucht Lösung

Die Zukunft des Oensinger Werkhofs ist ungewiss. Die aktuellen Standorte an der Hauptstrasse im Unterdorf und jener in der Saeco-Halle hätte die Gemeinde aufgegeben. «Eine Zusammenlegung bedeutet eine Kostenersparnis und wäre in jeder Hinsicht eine Verbesserung», sagte Gemeindepräsident Fabian Gloor gegenüber dieser Zeitung vergangenen September. Der Gemeinderat tat nach fast zweijährigen Verhandlungen alles, um die Stimmbevölkerung für das Projekt zu gewinnen.

Sie lud etwa zu einem Tag der offenen Tür in die Brunner-Halle. Der Widerstand gegen das Projekt, den Werkhof für gut 2,9 Millionen Franken dort anzusiedeln, war zu gross. Am 23. September sprachen sich 52,9 Prozent der Stimmberechtigten gegen die Investition aus. Es war ein wegweisender Entscheid: Die Frage nach einem neuen Werkhof sei für die nächsten 10 bis 15 Jahre vom Tisch, sagte der Gemeindevizepräsident Georg Schellenberg nach der Abstimmung.

Wie diese Zeitung bereits berichtete, sucht eine Arbeitsgruppe nach möglichen Lösungen. Sie tut dies unabhängig davon, ob die Gemeinde ihre Liegenschaften im Unterdorf verkauft oder nicht. Darüber befindet am kommenden Montag die ausserordentliche Gemeindeversammlung. Gemäss Gemeindepräsident Gloor stünde der Werkhof bei einem Verkauf noch rund drei Jahre zur Verfügung, frühestens dann würde die Überbauung beginnen, wenn die Gemeinde dem Verkauf der Parzelle zustimmt. Eine Ersatz-Option wäre ein Werkhof-Neubau im Bereich der Saeco-Halle. Nach der Unterdorf-Abstimmung dürften die Weichen für die nächsten Werkhof-Entscheide fallen.