Härkingen
«Ein guter Samichlaus macht den Kindern keine Angst, er verbreitet Freude»

Eugen Hauri von der noch jungen Chlausenzunft Härkingen besucht heute Abend als Samichlaus verkleidet Familien im Dorf. Hauri legt grossen Wert auf einen serösen Auftritt, um den Kindern möglichst ein schönes Erlebnis zu bieten.

Erwin von Arb
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Eugen Hauri als Samichlaus unterwegs.

Eugen Hauri als Samichlaus unterwegs.

Remo Fröhlicher

In vielen Schweizer Stuben herrscht heute Abend gespannte Ruhe, Kinder rutschen nervös auf ihren Stühlen herum oder halten es darauf schon gar nicht aus. Sie können es kaum erwarten, bis der Samichlaus endlich auch zu ihnen kommt, schliesslich haben sie ein schönes Versli auswendig gelernt. Wenn es dann so weit ist, pocht das Herz vieler Kinder fast bis zum Hals. So gross ist Ehrfurcht vor dem Mann mit dem langen weissen Bart, der jedes Jahr am 6. Dezember zu Ehren des heiligen St. Nikolaus die Kinder besucht, um sie zu beschenken.

Noch viel grösser sollte aber die Freude sein, wenn der Samichlaus ins Haus kommt, sagt Eugen Hauri von der Chlausenzunft Härkingen. Zusammen mit drei weiteren Samichläusen besucht er heute ab 18 Uhr im Dorf rund 30 Familien. «Unser Ziel ist, den Kindern zu zeigen, dass der Samichlaus ein lieber Mann ist und dass man vor ihm keine Angst haben muss», sagt der 56-Jährige.

«Seriöser Auftritt ist wichtig»

Dem Mitbegründer der noch jungen Chlausenzunft ist wichtig, dass der Samichlaus ein seriöses Auftreten hat und gute Arbeit leistet, wie er betont. Das beginnt bereits bei der Kleidung. Unter anderem wird darauf geachtet, dass der Samichlaus unter seinem Gewand dunkle Hosen trägt und Schuhe auswählt, die zum Erscheinungsbild passen. «Am besten sind Stiefel, in welche die Hosen gestopft werden können», so Hauri. Auch eine Uhr am Handgelenk sei natürlich völlig unpassend. «Kinder sind sehr aufmerksame Beobachter. «Die merken sofort, wenn etwas nicht stimmt, und werden dann misstrauisch.». Das sei schade, denn schliesslich stehe beim nur etwa 10 Minuten dauernden Samichlausbesuch das Kind im Vordergrund. «Ihm wollen wir ein schönes Erlebnis bieten, es für einen Moment in eine andere Welt entführen.»

Viele Kinder kennt Hauri bereits von früheren Hausbesuchen. Das sei vor allem dann ein Vorteil, wenn in der Wohnstube der Familie niemand das Wort ergreifen wolle. «Dann locke ich die Kinder über ihr Hobby, zum Beispiel Fussball, aus der Reserve. «Das funktioniert fast immer.» Am liebsten habe er ein volles Haus mit Eltern, Grosseltern, Göttis und Gotten. «Dann kommt es immer gut.»

Mass halten bei den Geschenken

Schade findet Hauri, dass bei den Geschenken nicht immer Mass gehalten wird. «Wenn wir vor der Tür riesige Mengen an Geschenken für die Kinder vorfinden, macht uns das schon ein wenig Sorgen. Er denke dabei an Kinder, welche in der Schule vom Samichlausbesuch berichten. «Da könnte schon der Eindruck aufkommen, der Samichlaus behandle nicht alle Kinder gleich, was natürlich nicht stimmt.» Weniger sei in diesem Fall mehr und zudem schenke der Schmutzli jedem Kind ein Chlausensäckli mit Nüssen, Lebkuchen und Süssigkeiten. Die Kosten für diese Chlausensäckli werden von der Chlausenzunft getragen. «Wir werden auch noch von der Einwohner-, Bürger- und Kirchgemeinde unterstützt», bemerkt Hauri dazu.

Das Positive zuerst

Gelegentlich komme es bei den Hausbesuchen auch zu Situationen, in welchen er froh sei, sich hinter seinen Bart verstecken zu können. So hätten ihm Eltern vorgängig aufgetragen, ihre Tochter dazu anzuhalten, dass diese nicht mehr so oft fluche. Die Kleine habe keck darauf geantwortet, dass sie das ihren Eltern abgeschaut habe. «Da musste ich schon ein wenig schmunzeln», so Hauri. Grundsätzlich erwähne er im Gespräch mit den Kindern aber immer zuerst die positiven Dinge, welche die Eltern auf einem Zettel notiert für ihn bereitlegten. Dann sei das Eis schnell geschmolzen und den Kindern falle es leichter, sich anzuhören, was sie alles noch besser machen könnten. Das Zimmer aufräumen führt die Hitliste der oft sehr langen Elternwünsche an.

Als Samichlaus erlebt der hauptberuflich als Polier im Tiefbau tätige Vater von zwei Kindern im Alter von 15 und 19 Jahren auch Momente, die ihm ans Herz gehen, wie er verrät. Zum Beispiel, wenn ihm Kinder ein kleines Geschenk als Dankeschön mit auf den Weg geben. «Das berührt einen schon und motiviert, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Eugen Hauri meint damit auch die im Februar 2009 gegründete Chlausenzunft Härkingen, welche sich nach der 2008 erfolgten Auflösung der IG Samichlaus für die Erhaltung dieses Brauchs im Dorf einsetzt. Dazu gehört auch der jeweils am letzten Sonntag vor dem 6. Dezember durchgeführte Chlauseneinzug. Über 270 Personen sind vergangenen Sonntag wieder zur Waldhütte gepilgert, um an diesem beliebten Anlass teilzunehmen.

Pflege des christlichen Brauchtums

Die Chlausenzunft hinterlässt auch in der Härkinger Kirche ihre Spuren. So schmückt seit Sonntag ein von Zunftmitgliedern selbst gefertigter Adventskranz den Altarraum. «Wir setzen uns insgesamt für den Erhalt des christlichen Brauchtums ein», führt Zunftmeister Eugen Hauri dazu aus. Dazu gehöre auch die Herstellung von Palmbäumen oder Basteltage mit Kindern an vor Ostern sowie in der Vorweihnachtszeit. Hauri hofft, mit diesen vielfältigen Tätigkeiten dazu beitragen, dass die Chlausenzunft weiter wächst. «Wir haben derzeit 25 Mitglieder und würden uns natürlich über Neuzugänge freuen, die uns aktiv unterstützen wollen.»