Alt Nationalrat Daniel Müller aus Balsthal ist kurz vor seinem 91. Geburtstag verstorben. Er war eine bekannte Persönlichkeit, die eine nach dem für die damalige Zeit typische Karriere im Netzwerk von Wirtschaft, Armee und Politik aufzuweisen hat. In allen drei Bereichen besetzte Daniel Müller wichtige Ämter. In der Wirtschaft etwa als Präsident des kantonalen Gewerbeverbandes oder im Verwaltungsrat der damaligen Vogt-Schild AG sowie im Bankrat der Solothurner Kantonalbank, deren Niedergang ihm sehr zu schaffen machte.

Händler, Oberst und Nationalrat

Darüber hinaus wurde der ausgebildete Kaufmann 1958 Inhaber des väterlichen Getränkehandels mit rund 30 Mitarbeitenden. Militärisch brachte es Daniel Müller bis zum Rang eines Obersten und kommandierte das Infanterieregiment 49, einen Landwehrverband.

Politisch machte Daniel Müller in der FDP des Kantons Solothurn, die er von 1973 bis 1981 präsidierte, Karriere. Zuerst noch als Kantonsrat (1965 bis 1973), dann als Nationalrat (1967 bis 1983). In der Grossen Kammer präsidierte er die Militär- und später die Geschäftsprüfungskommission. Versagt blieb Daniel Müller der Sprung in den Ständerat: 1979 unterlag er in der parteiinternen Ausmarchung gegen Max Affolter aus Olten.

Daniel Müller war nie ein Mann der Konfrontation und der markigen Worte. Vielmehr wirkte er als Vermittler, der nach Kompromissen und Harmonie strebte. Er konnte aber sehr wohl hartnäckig und bestimmt sein, wenn es um die grundsätzlich liberalen Werte ging: Freiheit, Chancengleichheit und Toleranz. Sein liberales Grundverständnis, zu dem insbesondere auch die Meinungsfreiheit zählte, galt für ihn ebenfalls im Umgang mit Andersdenkenden, denen er stets mit Respekt begegnete. Sein tolerantes Wesen wurde auch beim politischen Gegner geschätzt. Hinzu kamen seine konziliante Art und ausgesprochene Empathie sowie sein feiner Humor, womit er andere Menschen für sich und seine Ideen zu gewinnen vermochte.

Regional verbunden

Sein Herz schlug zeitlebens und in besonderem Masse für seine Region, das Thal und «sein» Dorf, Balsthal. Mit grossem Engagement setzte er sich in den 1970er-Jahren für den Erhalt der Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) ein und war in diesen wirtschaftlich angespannten Jahren Gründungspräsident der Regionalplanungsgruppe Thal, heute unter dem Namen Verein Region Thal aktiv.

Daniel Müller erkannte schon vor über vierzig Jahren, dass es für die Dörfer im Thal unumgänglich sein wird, in Zukunft vermehrt zusammenzuarbeiten, und dass dafür gemeinsame Strukturen geschaffen werden müssen. Heute ist der Verein Region Thal aus der politischen Agenda des Thals nicht mehr wegzudenken. Der Naturpark Thal, aber auch das schon seit Jahren bestehende Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft des Kantons Solothurn sind nur zwei jener Projekte, die dank Müllers regionaler Pionierarbeit auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Daniel Müllers Talent war es von Anfang an, die richtigen Personen an den passenden Stellen zu platzieren.

Eine immer gern gehörte Stimme

Bis in die jüngste Vergangenheit war es möglich, von Daniel Müller eine pointierte und stichhaltige Analyse zu politischen Themen zu erhalten. Und stets war man verblüfft, seine im Alter noch immer jugendlich wirkende Stimme am Telefon zu hören.

Früher als Politiker und Geschäftsmann viel unterwegs, war es in den letzten Jahren möglich, Daniel Müller beim morgendlichen Gang zur Post zu beobachten und mit ihm einen kurzen Schwatz über das Dorf- und Weltgeschehen zu halten. Noch im vergangenen Sommer gab Daniel Müller dieser Zeitung ein kurzes Interview zum 1050-Jahr-Jubiläum von Balsthal, war er doch ganz alleine in die Dorfgasse zum Feiern gekommen.

In den letzten Monaten verschlechterte sich Daniel Müllers Gesundheitszustand immer mehr. Am vergangenen Donnerstag verstarb er.