Wolfwil
Ein Flohmarkt der Erinnerungen

Die Kulturkommission organisierte eine neue Auflage von «weisch no!». Der «Flohmarkt der Erinnerungen» rief beim Publikum Emotionen hervor. Zudem wurden Sagen und Anektoden erzählt.

Urs Amacher
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(v.l.) Hans Studer, Irène Zihler und Christian Schmid nahmen das Publikum mit in die Erzählwelt von Sagen und Anekdoten.

(v.l.) Hans Studer, Irène Zihler und Christian Schmid nahmen das Publikum mit in die Erzählwelt von Sagen und Anekdoten.

Urs Amacher

Das Rezept der Wolfwiler Kulturkommission für den Anlass von «weisch no!» passte auch bei der fünften Auflage bestens. Herbert Ackermann moderierte und übernahm auch einen aktiven Part. Aus dem «Museum» von alt Spenglermeister Paul Mäder hatte er ein paar Objekte ausgeliehen. In seinem «Flohmarkt der Erinnerungen» zeigte er Gegenstände, die heute nicht oder kaum mehr in Gebrauch sind, so eine Coiffeuse-Zange zum Ondulieren, eine Mausefalle oder ein Paar «Hufeisen» für Kühe. Ackermann liess das Publikum raten, wie sie heissen und wofür sie dienten. Dabei entspann sich eine lebhafte Diskussion. «Es ist verblüffend, welche Emotionen ein so kleines Ding auslösen kann», staunte Ackermann, als er ein Velonetzli vorzeigte. Auch beim Rosenküchli-Eisen hängen viele Rezepte, Erinnerungen und Geschichten daran, ebenso wie am
«Chluser Chesseli», dem zweistöckigen Speisekessel, mit dem die Arbeiter ihr Mittagessen in die Klus mitnahmen.

Von Wil zu Wolfwil

Irène Zihler erzählte die Sage, wie Wolfwil zum Dorfnamen kam. Junge Jäger aus dem Gäuer Dorf Wil, wie es damals genannt wurde, hatten einst einen Wolf erlegt. In der Folge hörte man nachts vom Born weitherum ein grausliches Heulen, und in jeder Vollmondnacht verschwand ein Mensch aus Wil – einzige Spuren waren tellergrosse Pfotenabdrücke. Erst der Zauber eines Kräuterweibs vermochte das Ungeheuer zu bannen. Die Leute aus der Umgebung hatten dem Dorf aber bereits den Namen Wolfwil angehängt.

Realere Dinge rief Hans Studer in Erinnerung. Wenn früher ein Kind aus dem Haus ging, nahm die Mutter einen Tropfen aus dem Weihwasserkrüglein an der Wand, machte dem Kind ein Kreuz auf die Stirne und verabschiedete es mit einem «B’hüetdigott!». Einmal musste er frisches Weihwasser holen, erinnerte sich Studer. In der Kirche war das Weihwasserfass aber leer. So füllte der kleine Hans seine mitgebrachte Flasche halt mit Brunnenwasser. Studer Hanse Hänsel war auch einer beiden Fuhrleute, welche 1977 die neuen Kirchenglocken bei Giesserei Rüetschi abholten. Die Fahrt mit dem Traktor von Aarau nach Wolfwil verlief nicht ohne Zwischenfall, in Gretzenbach verlor ein Reifen Luft.

Christian Schmid, langjähriger Redaktor bei Radio DRS (Schnabelweid) erzählte Wortgeschichten, so aus seinem neusten Band «blaas mer i d’Schue». Wie viele Redensarten stammt sie aus der Bauernwelt, etwa «es isch gnue Heu dunge» für es reicht jetzt dann, oder «Die git d’Milch scho no abe» für eine widerspenstige «Kuh», die noch wird nachgeben müssen. Diese Ausdrücke werden nur noch im übertragenen Sinn gebraucht. Früher fütterte man das Vieh, heute «füttert» man den Geldautomaten oder den PC. Oder bei «abfaare Züri füfzg» (für «geh schnell weg!») ging vergessen, dass früher «fahren» vielmehr «gehen» bedeutete und nur in der Alpabfahrt oder der Wallfahrt (die man ja zu Fuss unternahm) überlebte. Viele Redensarten funktionieren nur in Mundart. Und diese Bilder geben unserer Alltagssprache Saft und Kraft.

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