Bergsturz Bondo
Ein Dorf steht unter Schock: Die zwei vermissten Personen stammen aus Kestenholz

Innert Wochenfrist wird das Gäuer Dorf hart vom Schicksal getroffen: Eine Rentnerin stürzt in Pontresina in den Tod und auch die zwei in Bondo vermissten Personen stammen aus Kestenholz.

Erwin von Arb
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Schwer getroffen: Kestenholz

Schwer getroffen: Kestenholz

Bruno Kissling

Die nach dem verheerenden Bergsturz in Bondo GR vermissten acht Personen konnten auch am Freitag trotz intensiver Suche nicht gefunden werden. Inzwischen ist bekannt, dass die Vermissten aus Deutschland, Österreich und aus dem Kanton Solothurn stammen. Besonders betroffen aufgenommen wurde diese Meldung der Polizei in Kestenholz, stammen doch zwei Vermisste aus der 1800 Seelen grossen Gäuer Gemeinde.

Auf Anfrage bestätigte Gemeindepräsident Arno Bürgi, dass ein 41-jähriger Mann und dessen Lebenspartnerin zu den Vermissten von Bondo gehören. Näheres zur Identität der beiden wollte Bürgi nicht sagen.

Im Dorf sitzt der Schock tief, zumal bereits Ende letzter Woche völlig unerwartet eine Rentnerin aus dem Dorf in Pontresina bei einer Wanderung auf tragische Weise ums Leben gekommen ist. Die 78-Jährige war mit drei weiteren Frauen auf einem schmalen Bergweg unterwegs, als sie ausrutschte und 200 Meter in die Tiefe stürzte. Als sie gefunden wurde, konnte nur noch ihr Tod festgestellt werden.

Der Bergsturz von Bondo
18 Bilder
Am Piz Cengalo im Grenzgebiet zu Italien löste sich in der Nacht auf Freitag kein weiteres Gestein
Eine Schneise der Verwüstung zieht sich durchs Tal: Doch wie man sieht, ist das Dorf Bondo noch glimpflich davongekommen.
Der gewaltige Murgang streifte Bondo und überspülte die Hauptstrasse des Bergells.
Vier Millionen Kubikmeter Material waren am Mittwoch abgebrochen und in das Seitental Val Bondasca gestürzt, von wo aus ein Teil des Abbruchs bis ins Haupttal Bergell vor das Dorf Bondo geschoben wurde.
Eine weitere Million Kubikmeter soll am Berg in Bewegung sein, weshalb mit weiteren Bergstürzen gerechnet wird.
Wie die Polizei mitteilte, stammen die Vermissten aus dem Bundesland Baden-Württemberg in Deutschland, aus der österreichischen Steiermark und aus dem Kanton Solothurn.
Die Einwohner des Bergeller 200-Seelen-Dorf Bondo mussten nach dem Bergsturz und einem folgenden Murgang evakuiert werden.
Im Murgebiet, wo ein Alarmsystem installiert ist, arbeiten insgesamt 120 Einsatzkräfte.
Am Freitag, zwei Tage nach dem Felssturz, durfen einige der 100 evakuierten Bewohner zurück ins Dorf. Welche, das ging von der Gefahrenzone ab.
Andere durften am Freitag in Begleitung des Zivilschutzes oder der Feuerwehr vorübergehend in ihre Wohnungen gehen.
Am Donnerstag machte sich Bundespräsident Doris Leuthard persönlich ein Bild von der Lage in Bondo.
Der Bergsturz von Bondo ist einer der gewaltigsten in der Schweiz seit deutlich über 100 Jahren.
Mit einer Ausnahme handelt es sich sogar um den grössten Materialabgang seit dem Grossereignis in Elm im Kanton Glarus im Jahr 1881.
Der Bergsturz im Bergell hat viele Gebäude zerstört, wie Luftaufnahmen zeigen. Felssturz und Murgang zerstörten auch Felder und Weidegebiet, Strassen und Wege.
Wie hoch die Schäden wirklich sind, wird erst klar, wenn Schadenexperten das Gebiet betreten dürfen.
Bergsturz in Bondo: So sieht es im Ort aus Der Bergsturz bei Bondo im bündnerischen Bergell hat möglicherweise doch Opfer gefordert. Sechs Personen sind als vermisst gemeldet. Die Suche nach den Vermissten ist noch am Laufen. Dabei kommen auch Helikopter der Armee zum Einsatz. Der 200-Seelen-Ort bleibt evakuiert.

Der Bergsturz von Bondo

Miguel Medina

Diese zwei tragischen Ereignisse und die Ungewissheit, ob die zwei Vermissten aus Kestenholz in Bondo doch noch lebend gefunden werden, drückt spürbar auf die Stimmung im Dorf. So sehr, dass auch die alljährliche Serenade mit musikalischen Formationen und Chören aus Kestenholz und der Region von Freitagabend kurzfristig abgesagt wurde. «Wir fanden es einfach nicht passend, die Serenade unter diesen Umständen durchzuführen, auch aus Respekt gegenüber den betroffenen Angehörigen», sagt Anita Kaufmann.

Dies sei von der für die Durchführung der Serenade verantwortlichen Kulturkommission und der Fasnachtskommission, welcher Kaufmann angehört, so entschieden worden. Die von langer Hand geplante Serenade wurde ersatzlos gestrichen. Eine Neuauflage wird es erst wieder im kommenden Jahr geben, wie Marina Stawicki von der Kulturkommission erwähnt.