Kestenholz

Ein Dorf packt mit an: Das St. Peter at Sunset sorgt für den Ausnahmezustand

Kestenholz steht zum achten Mal kurz vor dem Ausnahmezustand: Nächste Woche steigt das St. Peter at Sunset mit grossen Stars.

Wenn Roland Suter ruft, kommen sie herbeigeeilt. Der 78-jährige Hanspeter Studer trägt die schweren Zeltstangen heran, obwohl das Thermometer die 35 Grad-Marke überstiegen hat. Um fünf Uhr abends brennt die Sonne stärker als üblich. Studer ist einer der ältesten unter den rund 180 freiwilligen Helferinnen und Helfern, die für achte Ausgabe des St. Peter at Sunset-Festivals wiederum schuften und den Weltstars der Musikszene die Bühne bereiten. «Es ist einzigartig, wie wir im Dorf Helfer rekrutieren können», sagt Festival-Chef Suter. Als Lohn gibt es für sie Eintrittskarten und ein T-Shirt.

Die Bescheidenheit der flinken Helfer steht im Kontrast zu dem, was ein Veranstalter für grosse Namen wie etwa Mark Knopfler alles zu bieten hat. Doch Roland Suter mag einem, der über 120 Millionen Alben verkauft hat, die hohen Ansprüche verzeihen. Denn der Mitgründer der Ende der 1970er-Jahre gegründeten Band «Dire Straits» wirkt als Publikumsmagnet. «Wir waren noch nie so schnell ausverkauft wie bei Mark Knopfler», sagt Suter. Bereits vor ungefähr vier Monaten waren die 4000 Karten für das Konzert des gebürtigen Schotten weg. Kein Wunder: Knopfler spielte dieses Jahr bereits im Hallenstadion in Zürich vor vollen Rängen. Und: «Im Hallenstadion hat er gesagt, in Kestenholz gebe er sein letztes Konzert in der Schweiz», sagt Suter.

Wie aber gelingt es einem kleinen Festival, solch grosse Namen nach Kestenholz zu locken? Auf seiner Tournee durch Europa gibt der 69-jährige Knopfler zwischen April und Juli rund 80 Konzerte. «Entscheidend sind die Kontakte, die Gage und der Termin», sagt Suter. Das St. Peter at Sunset vertraut auf dieselbe Agentur, die Knopfler schon fürs Hallenstadion-Konzert gewinnen konnte. Knopflers Management habe alles vorgegeben, verrät Suter. So wollte er auch keine Vorband haben. Dem Kestenholzer ist dies recht: «Dafür gibt er ein zweieinhalbstündiges Konzert.» Weil Knopfler mit einer riesigen Entourage nach Kestenholz kommt, mussten die Organisatoren den Backstage-Bereich im Vergleich zu den vormaligen Festivals verdoppeln. Auch das IP Orchestra, das Foreigner begleitet, hat grossen Platzbedarf. «Es stehen über 50 Personen auf der Bühne», erklärt Suter. Knopfler wird nach seinem Konzert gleich Richtung Leipzig weiterziehen, wo er das nächste Konzert gibt. Er habe einen Nacht-Bus, weiss Suter.

Grösseres Getränkeangebot

Abgesehen vom Backstage-Bereich ist das St. Peter at Sunset in diesem Jahr in zwei Sparten gewachsen. Die Organisatoren erweiterten das Gastronomie-Angebot durch zusätzliche Stände, nachdem vor zwei Jahren vor allem die Getränke-Ausgabe an ihre Kapazitätsgrenze stiess. Neu ist etwa die «Sky-Bar» hinzugekommen, die hinter den beiden Festzelten über dem Boden schwebt. Nochmals zugelegt habe das Festival zudem im VIP-Bereich. Die Tickets, die uneingeschränkten Zugang zur Gastronomie gewähren, seien sehr beliebt, sagt Suter. Insgesamt konnten für die fünf Festival-Tage 1900 VIP-Tickets abgesetzt werden, wobei viele an Sponsoren gehen. Pro Abend gab es 430 VIP-Tickets im Verkauf. Gleich geblieben ist die Gesamtkapazität, die Platz für 4000 Konzertbesucher gewährt. Abgesehen vom Mark-Knopfler-Konzert sind noch Tickets für alle Abende erhältlich. Demnächst werde der Schlagerabend ausverkauft sein. «Wir sind auf Kurs, aber als Veranstalter bist du erst zufrieden, wenn alles ausverkauft ist», sagt Suter. Das Ziel des Vereins sei es, wiederum keine roten Zahlen zu schreiben. «Wir reiten permanent auf einer Rasierklinge.» Wachsen wollen die Festival-Organisatoren nicht mehr. Nach rasanter Entwicklung blieb das St. Peter at Sunset nach 2011 auf konstantem Niveau. Nur so bleibe es ein Festival «in gediegenem Ambiente», als das es sich einen Namen gemacht hat. Um ein solches Ambiente zu schaffen, müssen Hanspeter Studer und die weiteren Helfer aus Kestenholz und der Region bis nächsten Mittwoch noch einige Festzelt-Stangen in die Hände nehmen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1