Die Gemeinde Kestenholz widmet den Platz oben am Rain ihrem Ehrenbürger, Maler und Bildhauer Cäsar Spiegel. Am Donnerstag, exakt am hundertsten Geburtstag des am 8. November 1918 geborenen Künstlers, wurde der Cäsar Spiegel Platz feierlich eingeweiht.

Der Ort hoch über dem Gäu ist mit Bedacht gewählt. Hier münden die Rain- und Allmendstrasse in die Neue Wolfwilerstrasse und bilden eine Einbuchtung mit zwei Ruhebänkchen. Bisher hatte dieser Platz keinen Namen, stellte Gemeindepräsident Arno Bürgi bei der Begrüssung fest. Die nahe Bushaltestelle der Linie 127 von Oensingen nach Wolfwil heisst schlicht «Rain». Seit genau sechzig Jahren steht hier der Brunnen mit einem flötenspielenden Knaben. Die Figur dieses Rainbrunnens, der am 1. August 1958 der Bevölkerung übergeben wurde, ist ebenfalls ein Werk von Cäsar Spiegel.

Familie enthüllte Namenstafel

Im Rahmen einer abendlichen Feier enthüllten Arno Bürgi und Brigitte Spiegel, die Witwe des 1998 verstorbenen Cäsar, gemeinsam die metallene Namenstafel, die inskünftig den Cäsar Spiegel Platz prominent bezeichnen wird. Musikalisch eingebettet wurde der festliche Anlass durch die örtliche Musikgesellschaft Eintracht. Unter der Leitung von Thomas Maritz eröffnete sie ihr Ständchen mit dem schmissigen «Solothurner Marsch» und schloss es mit der Instrumentalversionen von «Firework» von Katy Perry sowie «All Night Long» von Lionel Richie ab.

Anschliessend begaben sich die Festgäste ins Atelier Spiegels an der Gäustrasse. In diesem ehemaligen Bauernhaus und Geburtsstätte des Künstlers würdigte Künstlerkollege Edy A. Wyss Leben und Werk von Cäsar Spiegel. Wyss, der 1991 mit Spiegel im Kreuz Wolfwil die Gruppe «Lenz Friends» gegründet hatte, redete in seiner Laudatio seinen Freund direkt mit «Du» an, gerade so, als ob Cäsar Spiegel nach wie vor anwesend und sein Geist in den Räumen des zum Atelier umgebauten Bauernhauses schweben würde. Dem jungen Cäsar, Sohn einfacher Bauern, war es vorerst nicht vergönnt, seinem Wunsche gemäss die Kunstgewerbeschule zu besuchen. Statt dessen absolvierte eine Lehre als Schriftsetzer.

Erst nach dem Aktivdienst im 2. Weltkrieg und der Verbüssung der Gefängnisstrafe wegen Dienstverweigerung schaffte er 1946 doch noch den Sprung an die Kunstgewerbeschule der Stadt Zürich. Durch seinen Lehrer Johannes Itten wurde Spiegel dort nachhaltig geprägt. Nach Abschluss der Grundausbildung gelangen Spiegel erste freie grafische Arbeiten, bevor er sich in Paris und auf Reisen nach Spanien, Nordafrika und die Kanarischen Inseln weiter entwickelte.

Ein bewegtes Leben

Nach und nach konnte er sich mit seiner Malerei, Grafik und Bildhauerei durchsetzen. Unter seinen Händen entstanden Gemälde, Drucke, Wandbilder, Holzreliefs, Sgraffiti, Brunnenfiguren, Kirchenfenster und Glasbilder. Spiegel beschäftigte sich vorwiegend mit den drei geometrischen Figuren Kreis, Quadrat und Dreieck, mit den Grundfarben rot, gelb und blau, den drei Elementen Körper, Geist und Seele sowie den drei Archetypen Till Eulenspiegel, Gäuer Fabelwesen und Steinstatuen der Osterinseln.

1985 erhielt er den Kulturpreis des Kantons Solothurn für Malerei, 1988, zu seinem siebzigsten Geburtstag, ernannte ihn Kestenholz zu ihrem Ehrenbürger. Edy A. Wyss würdigte Spiegel als grossartigen, feinen Familienmensch, als tollen Freund und künstlerische Integrationspersönlichkeit, als einen Menschen, der bei allen in lebender Erinnerung bleibt. Den feierlichen Abend rundeten Katja Imoberdorf (Violine) und Aleksandar Novoselac (Klavier) mit «Speak Softly, Love» dem Thema aus dem Film «The Godfather» ab.