«Er lebte immer in seiner eigenen Welt und da liessen wir ihn auch», beschreibt Brigitte Spiegel ihren Ehemann, Künstler Cäsar Spiegel. Zu Lebzeiten war dieser ruhig, besonnen, beinahe in sich gekehrt. «In der Gesellschaft langweilte er sich, er liebte das Allein-Sein», weiss die Witwe. Wäre Cäsar Spiegel noch am Leben, würde er in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern. An seiner Stelle organisiert Ehefrau Brigitte Spiegel nun eine Ausstellung in der Alten Kirche in Härkingen. «Ich mache das aber weder für ihn, noch für mich», sagt sie. «Ich mache das einfach für alle Menschen, die seine Bilder schätzen.»

Zusammen mit dem Künstler-Kollektiv Lenz Friends, das der Künstler seinerzeit ins Leben rief, stellte Brigitte Spiegel die bedeutendsten Werke des Künstlers zusammen. Die Ausstellung ist folglich nicht retrospektiv, sondern soll die Besucher an den Künstler erinnern und ihnen etwas Schönes für das Auge bieten. Die Werke, welche vom 19. Januar bis 4. Februar zu bestaunen sind, stammen hauptsächlich aus Privatbesitz. Die meisten gehören Brigitte Spiegel selbst, andere hätten Freunde und Bekannte zur Verfügung gestellt. An der Vernissage am 19. Januar um 19.30 Uhr wird zudem Schriftsteller Alex Capus den vor 20 Jahren verstorbenen Künstler würdigen. Jedes Jahr machbar sei so eine Ausstellung aber nicht. «S isch e Chrampf», sagt die 79-Jährige. «Aber es lohnt sich.»

Werke von Leben beeinflusst

In der Ausstellung wiegen zwei Sujets vor: die Osterinseln und Till Eulenspiegel. «Die Osterinseln waren schon immer ein Traum von Cäsar», weiss seine Lebensgefährtin. Im Alter von 75 Jahren ging dieser Traum in Erfüllung und der Künstler und seine Frau bereisten die Insel vor Chile. «Er kannte alles schon in- und auswendig aus der Literatur und Geschichten», erzählt Brigitte Spiegel. Cäsar Spiegels Handschrift ist in der Alten Kirche stark präsent.

Immer wiederkehrende Symbole sind Kreis, Dreieck und Quadrat, die für Emotion, Geist und Körperlichkeit stehen. «Das spiegelt Cäsars Lebensauffassung», erzählt seine Ehefrau. «Er war stets der Meinung, dass es von allem etwas braucht, damit ein Mensch akzeptiert ist.» Diese Formen sind auch im öffentlichen Raum der Region stark vertreten, beispielsweise in der Marien-Kirche in Wolfwil oder im Gemeindehaus Dulliken.

Weitere beliebte Sujets sind Frauenkörper. Denn der Künstler war stets fasziniert vom Weiblichen. Vor allem Mutter und Kind haben es ihm angetan. «Die Mutter-Kind-Serie war sehr beliebt», erinnert sich Brigitte Spiegel. «Die Leute haben Cäsar gefragt, ob er nicht noch mehr solcher Bilder malen könnte.» Ab dem Moment beendete er die Serie aber. «Er kam zu mir und hat gesagt: ‹Es geht nur noch ums Sujet, nicht um die Kunst›», erinnert sich die 79-Jährige lachend.

Der Künstler als Mensch

«So war er, ein malender Philosoph, ein Denker», beschreibt Brigitte Spiegel ihren Ehemann weiter. «Die Augen hatte er immer halb geschlossen, deshalb wurde er immer wieder gefragt, ob er müde sei.» Aber auch wenn der Künstler in seiner eigenen Welt lebte, pflegte er regen Kontakt mit seinen Mitmenschen. Von diesen nahm er denn jeweils auch die Inspiration für seine Werke.

«Er lebte von und für die Menschen», weiss Ehefrau Brigitte. «Und er war ein guter Papi.» Obwohl hauptsächlich sie für Haus und Hof zuständig gewesen sei. «Ich hatte die typische Frauenrolle, aber so war das halt zu der Zeit.» Der Künstler hingegen blühte in der Männerrolle auf. «Cäsar hat mit seinen Werken das Geld nach Hause gebracht.» Aber es wird klar, dass Cäsar Spiegel mehr als nur ein guter Künstler war. Er war ein Menschenfreund, ein Mentor, ein Träumer.