Geschichte

Ein Badehaus auf dem Heidenacker: Als die Römer im Thal badeten

Ein altes Grabungsbild von den Baderäumen einer römischen Villa.

Ein altes Grabungsbild von den Baderäumen einer römischen Villa.

Bereits 1934 wurden in Balsthal Überreste eines römischen Bades auf dem Heidenacker gefunden. Seither ruht die Grabung.

Dass die Römer einst auch in der Schweiz siedelten, lernt jedes Kind in der Schule. Wenn wir Schweizer allerdings an die römische Epoche in unserem Land denken, dann kommen uns zunächst nur die grossen Zentren wie Augusta Raurica oder Vindonissa in den Sinn. Doch auch an eher unscheinbaren Orten wie Balsthal zeugen alte Mauern von einer längst vergessenen Zeit.

1934 – fast 1500 Jahre nach den Römern, legte ein Bauer mit seinem Pflug bei der Feldarbeit unabsichtlich alte Steinstrukturen frei. Diese wurden daraufhin von einem gewissen Joseph Leopold Karpf teilweise ausgegraben. Hilfe erhielt er damals vom Kantonsschullehrer sowie Präsidenten des Historischen Vereins des Kantons Solothurn, Eugen Tatarinoff. Aber um was für eine Struktur handelt es sich bei den Mauern auf dem Heidenacker überhaupt?

Zuerst wurde vermutet, dass die Mauern zu einer Villa Rustica, einem römischen Gutshof, gehörten. «Der Grundriss und die Bauart mit teilweise beheizten Räumen, welche durch Boden- oder Hypokaustheizung erhitzt wurden, sind typisch für römische Bäder», sagt Andrea Nold. Sie ist Projektleiterin auf der Fachstelle Baugesuche und Fundstelleninventar des Amts für Denkmalpflege und Archäologie. Natürlich ist auch die Frage berechtigt, weshalb die Römer ausgerechnet hier ein Badehaus errichteten. Die Antwort hierauf liefert womöglich eine Fundstelle, nur 80 Meter vom Standort des einstigen Badehauses entfernt. Dort, südwestlich des Weilers St. Wolfgang, wurde bereits im Jahre 1906 ein Burgus, eine Art Kastell, freigelegt.

Laut den Kurzberichten des Amts für Denkmalpflege und Archäologie diente das Badehaus als Erholungsmöglichkeit für die Besatzung der kleinen Wehranlage. Seit der ersten Grabung bei den Ruinen des Badehauses sind mittlerweile 86 Jahre vergangen. «Das Badegebäude wurde 1934 nur teilweise ausgegraben. Seither fand keine Grabung mehr statt, da das Gebäude nicht in der Bauzone liegt», sagt Nold. Vergleichbar mit den gewaltigen Thermenbädern in Rom oder auf Sizilien ist das bescheidene Badehaus aber nicht. Das Bad misst höchstens sieben mal zehn Meter. Auch die Funde aus dem kleinen Badehaus waren eher überschaubar.

«Es gibt nur wenige Funde aus dem Bad, darunter sind vier Münzen, wovon drei bis ins vierte Jahrhundert nach Christus datiert werden konnten», sagt die Projektleiterin. Die Münzen wanderten ins Depot der Kantonsarchäologie. Weitere Funde aber würden fehlen. Die Schutzzone, auf der die Ruinen des Badehauses stehen, besteht seit 1940. Die Schutzzone galt jedoch auch auf Parzellen, die weit von der eigentlichen Fundstelle entfernt waren. «Wir haben 2018 die laufende Ortsplanungsrevision von Balsthal zum Anlass genommen, diesen Zustand zu bereinigen und zahlreiche der Parzellen aus dem Schutz zu entlassen», sagt Nold. Die jetzige Schutzzone befindet sich nur noch östlich des Rauracherwegs. In den Schutzzonen darf jedoch gebaut werden, allerdings müssen Artefakte, die zum Vorschein kommen, vor dem Bau untersucht und dokumentiert werden.

Auf dem Gebiet östlich des Rauracherwegs sind Mehrfamilienhäuser geplant. Das Badegebäude ist aber nicht in Gefahr, da es ausserhalb der Bauzone liegt. «Wir werden es in Zukunft nicht näher untersuchen können, da wir für «unnötige» Grabungen ausserhalb der Bauzonen keine Ressourcen haben», sagt Nold. Weniger Glück hingegen hatte der Burgus, der überbaut und somit zerstört wurde. Neue Erkenntnisse fanden die Archäologen aber nicht.

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