Der Geschäftsführer eines deutschen Transportunternehmens, der für eine Niederlassung im Kanton Aargau verantwortlich zeichnet, musste sich vor Amtsgerichtsstatthalterin Barbara Steiner wegen mehrfachem Betrug und mehrfachem Wucher verantworten. Der 48-jährige Schweizer P. Müller * soll zwischen Dezember 2007 und Juli 2008 einem aus dem Gäu stammenden Mann gegen Entgelt lukrative Frachtverträge in Aussicht gestellt haben. Im Vorfeld fanden zwischen P. Müller und dem damals 32-jährigen Mann mehrere Treffen in Restaurants statt, unter anderem auch in Egerkingen, Balsthal und Trimbach. P. Müller soll bei diesen Treffen immer wieder Geld für abzuschliessende Versicherungen entgegen genommen haben. Die Höhe der mitzubringenden Beträge seien ihm jeweils von einem Arbeitskollegen mitgeteilt worden, wie der damals frisch ins Transportgeschäft eingestiegene Vertragsfahrer vor Gericht ausführte. Insgesamt sollen auf diesem Weg 60 000 Franken den Besitzer gewechselt haben. Er habe in der Folge zwar einige Aufträge bekommen, dann sei ihm aber gekündigt worden, worauf er sein Geld zurückverlangt habe. Wirklich zurückbekommen habe er aber lediglich 15 000 Franken.

«Das Spiel zu spät durchschaut»

Warum er denn immer wieder so viel Geld für angebliche Versicherungen bezahlt habe, obwohl er selbst eine Haftpflichtversicherung gehabt habe, wollte Amtsgerichtsstatthalterin Barbara Steiner vom als Privatkläger auftretenden Geschädigten wissen. Dieser sagte, er sei zu unerfahren gewesen, um abzuschätzen, ob diese Zahlungen gerechtfertigt gewesen seien. Deshalb habe er erst spät Verdacht geschöpft.

P. Müller bestritt diese Darstellung, er habe lediglich 30 000 Franken entgegengenommen. Das Geld habe er nicht verlangt, vielmehr sei es ihm vom angeblich Geschädigten zugesteckt worden, um ihn zur Vergabe guter Aufträge zu bewegen. Dass er das Geld behalten habe, bezeichnete P. Müller als Dummheit. Es sei für ihn aber klar gewesen, dass er die über Monate im Firmensafe deponierte Summe zurückzahlen werde. Und das habe er schliesslich auch getan. Dem Privatkläger sei er nichts mehr schuldig, versicherte er.

Tonaufnahmen nicht zugelassen

Dass P. Müller auch das restliche Geld wie von der Staatsanwaltschaft behauptet entgegen genommen hatte, konnte nicht bewiesen werden. Die vom Geschädigten illegal gemachten Tonaufnahmen, in welchen P. Müller unter anderem zugegeben haben soll, dass er nur 15 000 Franken statt der erwähnten 30 000 zurückbezahlt habe, wurden vom Gericht für die Beweisaufnahme nicht zugelassen.

Die Staatsanwaltschaft stützt sich aber in wesentlichen Teilen der Anklage auf eben diese Tonaufnahmen. Der Tatverdacht werde mit diesen erhärtet, heisst es in der Anklageschrift. Weiter wird ausgeführt, dass eine Überprüfung von P. Müllers Konten ergeben habe, dass dieser im fraglichen Zeitraum bedeutend mehr ausgegeben habe, als er verdiene. Trotzdem habe er in der Dominikanischen Republik auf einem 2007 erworbenen Grundstück mit dem Bau eines Hauses beginnen können. Dass P. Müller regelmässig Geld von seinem Bruder bekomme, der dieses teilweise auch im Casino gewonnen haben will, ist für den Staatsanwalt zwar eine Möglichkeit, aber nur die halbe Wahrheit. Wegen seiner angespanten finanziellen Situation habe P. Müller das vom Geschädigten ertrogene Geld gut gebrauchen können.

Kein unbeschriebenes Blatt

Weil der wegen Vermögensdelikten vorbestrafte Beschuldigte innerhalb der Probezeit wieder straffällig geworden sei, beantragt die Staatsanwaltschaft die Widerrufung der 2004 vom Strafgerichtspräsidenten Basel-Stadt bedingt ausgesprochen Strafe von drei Monaten und zehn Tagen Gefängnis.
P. Müller soll ferner mit einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu je 130 Franken unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs mit einer Probezeit von drei Jahren bestraft werden.

Auf Fragen von Rechtsanwalt Peter F. Siegen, Baden, dem juristischen Vertreter des Geschädigten, gab der im Kanton Baselland wohnhafte Angeklagte auf Anraten seines Anwalts, Marcel Buttliger, Aarau, keine Antworten. Siegen forderte Müllers Verurteilung sowie die Rückzahlung von 60 000 Franken zuzüglich der seit 9. März 2009 angelaufenen Zinsen.

Anwalt plädiert auf Freispruch

Rechtsanwalt Buttliger betonte in seinem Plädoyer, dass lediglich bewiesen sei, dass sein Mandant 30 000 Franken entgegen genommen habe. Und weil er dieses Geld wieder zurückbezahlt habe, könne er strafrechtlich weder für Betrug noch für angeblichen Wucher belangt werden. Das Urteil wird den Parteien in den nächsten Tagen schriftlich eröffnet.

* Name von der Redaktion geändert