Bruno Seitz

Eigenwillige Malerei in der Galerie Rössli: Dick aufgetragen mit Spachtel, Pinsel und Materie

Mit einer Auswahl seiner eigenwilligen Malerei ist Bruno Seitz in der Galerie Rössli vertreten.

Eins kann man den Werken von Bruno Seitz nicht absprechen: suggestive Momente und malerische Tiefen, plastisch und auch fiktiv in den Stimmungen. Diese Bilder sind abstrakte Farbmassen, frei von gegenständlichen Absichten, konkreten Motive. Landschaftliche Mutmassungen liegen hier eher auf der Seite der Betrachtenden, die gefordert sind, sich ein Bild zu assoziieren: landschaftliche, mikrokosmische Strukturen in der Natur, topografische Effekte, betont durch eher erdige Farbgebungen, durch gebrochene Nuancen.

Doch Seitz’ Arbeiten, ganz klassisch in Öl auf Leinwand, sind nichts anderes als reine Malerei. Will heissen, Farben in über 30 Schichten auf den Bildträger aufgetragen, mit dem Spachtel, mit dem Pinsel, ausgekratzt, übermalt, wieder aufgebrochen, verdichtet, mit unteren Schichten verrührt, darunterliegende Farbphasen verdeckend oder einbeziehend, so lange, manchmal über Monate, bis für den Künstler das Bild erreicht ist und nun der Betrachtende in dieser Malerei seine Schlüsse ziehen muss. Die Faszination liegt dabei nicht so sehr in der reinen Abstraktion, in den kompositorischen Effekten, als vielmehr in den sich reliefartig wie pastös auftürmenden, organisch wachsenden und brüchigen, über den Bildträger wuchernden Farbgeschehen.

Bei Bruno Seitz, er wurde 2019 mit dem Preis für Malerei des Kantons Solothurn ausgezeichnet, ist Malerei nichts anderes als Farben in ihrer bildbestimmenden Autonomie greifbar zu visualisieren, haptisch, geradezu körperlich, prozesshaft, ja auf eine gewisse Art konkret und kontrolliert im Bildaufbau und der dynamischen Gestik, in denen eine gewisse konzentrierte Emotionalität durchaus mitwirkt. Malerische Bildgestaltung ohne feste Bildabsichten, allein aus sich, den Farben und der künstlerischen Freiheit heraus, führt der intensive Farbprozess zum definierten Bild.

Bruno Seitz, 1955 in Solothurn geboren und aufgewachsen, lebt seit 40 Jahren in Basel, wo er auch die Kunstgewerbeschule absolvierte. Er hat sich in den letzten Jahren von seiner früheren impressionistisch-pointillistisch anmutenden Landschaftsmalerei, einer stillen, ­beinahe schon surreal zu empfindenden Poesie gelöst. Die Farben, auch hier pastös wie konzentriert gesetzt, formen greifbare Geschehen, die im Laufe der Jahre von der landschaftlichen Bildgestaltung in reine Malerei übergegangen sind, in der dennoch frühere Arbeiten anklingen, sei es durch die Farbpalette oder naturhafte Anspielungen.

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