«Unser Kanton verfügt über einen reichen Schatz gelebter Traditionen und Bräuche, welche von Generation zu Generation überliefert werden», heisst es im Regierungsratbeschluss zu den diesjährigen Auszeichnungspreisen. Diese verleiht der Kanton alljährlich an Einzelpersonen sowie Organisationen.

Das Kuratorium schlägt dem Regierungsrat vor, einen Kunstpreis im Betrag von 20'000 Franken und acht Fachpreise von je 10'000 Franken auszurichten. In Ergänzung dazu verleiht der Kanton einen Anerkennungspreis in der Höhe von 10'000 Franken. Letzterer geht in diesem Jahr an die beiden Organisatoren der alle drei Jahre stattfindenden Sonnwendfeier in Oensingen.

Der Anlass diene laut Kanton dem Erhalt wichtiger Traditionen, weshalb der Vogelherdclub (VCO) und der Ravellen-Club (RCO) den Anerkennungspreis an der offiziellen Feier vom 19. Oktober in Grenchen empfangen dürfen. Die beiden Vereine blicken auf eine bald hundertjährige Geschichte zurück.

1912 entzündeten Oberdörfler auf der Ravelle westlich der Neu-Bechburg das erste Höhenfeuer, zehn Jahre später wurde der Verein gegründet. Die Unterdörfler wollten auf dem Vogelherd östlich der Neu-Bechburg das noch grössere Feuer entfachen und gründeten deshalb 1921 ihren eigenen Verein.

Auch heute noch ist die freundschaftliche Rivalität spürbar, wenn die beiden Vereine in fünf Bildern den Nachthimmel mit Feuerwerk erleuchten. «Beide Vereinigungen haben sich der Feier der Sonne, des Lichts und des Feuers als Symbole für Leben und Wachstum verschrieben», hält der Regierungsrat weiter fest. Dieser Brauch leiste folglich als immaterielles Kulturerbe einen wichtigen Beitrag zur kollektiven Erinnerung an den heidnischen Brauch der Höhenfeuer.

Anlass macht Gemeinde bekannt

«Uns ist schon bewusst, dass die Sonnwendfeier ein wichtiger Anlass für die Gemeinde ist», sagt RCO-Präsident Urs Ackermann. Der Anlass mache die Gemeinde bekannt und attraktiv. «Aber dass wir vom Kanton für diesen Brauch geehrt werden, kam total überraschend.» Auch für VCO-Präsident Hans Schnider kam der Preis aus heiterem Himmel. «Wir sind sehr stolz darauf, diese Tradition weiterzuführen.»

Seitens der Gemeinde ist die Freude über die überraschende Anerkennung gross: «Ich mag das den Organisatoren und allen Helfern sehr gönnen», sagt Gemeindepräsident Fabian Gloor. «Solch grosse Anlässe erfordern schliesslich auch immer viel ehrenamtliches Engagement.» Für Gloor beweist dieser Preis: Die Sonnwendfeier trägt eine grosse traditionelle Bedeutung für den gesamten Kanton.

Preisgeld nicht im Vordergrund

Die letzte Sonnwendfeier fand im März dieses Jahres statt. Doch die dreijährige Vorbereitungszeit verlor sich regelrecht im Nebel: «Eine Enttäuschung», lautete das Fazit. Es regnete, dicke Wolken und nicht abziehender Rauch versperrten die Sicht auf das Himmelsspektakel. «Die definitive Abrechnung haben wir zwar noch nicht», sagt RCO-Präsident Urs Ackermann. «Aber finanziell gesehen war das ein ganz schlechtes Jahr.» Da kommt der Zustupf des Kantons genau zum richtigen Zeitpunkt: «Nach so einem Flop kommt uns natürlich jeder Rappen gelegen.»