Vor rund zwanzig Jahren bestritt Dieter Runkel auf der legendären Zürcher Waid sein erstes Radquer-Rennen. Der damals 17-Jährige beendete seinen ersten Wettkampf, von Kurt Bürgi optimal betreut, gleich auf dem dritten Rang – es war der Traumstart in eine äusserst erfolgreiche Karriere. Die ersten grossen Titel sammelte Runkel 1992. Der gebürtige Obergösger gewann die Gesamtwertung des GP Tell, holte sich seinen ersten Schweizer Meistertitel sowie die Silbermedaille an der Cross-Weltmeisterschaft.

Im folgenden Jahr wechselte «Didi», so sein Rufname, als Berufsfahrer auf die Strasse. Beim holländischen Team «WordPerfect» engagiert, beendete er die Tour de France 1993, was er rückblickend als einen seiner schönsten Erfolge einstuft. «Und das ohne Doping!», fügt er an. Es sollte aber nur bei einem kurzen Intermezzo als Strassenfahrer bleiben. Zum Glück, denn 1995 errang er im Schlamm von Eschenbach mit dem Gewinn des Weltmeister-Titels seinen grössten Triumph. Nur wenige Wochen vorher hatte er sich bereits seinen zweiten SM-Titel gesichert. Im Jahr 1996 folgte der Dritte; dazu feierte Runkel Siege an diversen anderen Radquer-Rennen im In- und Ausland.

«Ich habe immer gesagt, dass ich aufhöre, wenn ich keine Rennen mehr gewinne», blickt Runkel auf sein Karriereende zurück. Den endgültigen Schlussstrich zog er im Jahr 2000; die WM in Holland war sein letztes Rennen. «Ich habe es wohl nicht einmal beendet», erinnert sich Runkel vage.

Hobby wird zum Beruf

Vorausschauend hatte Runkel bereits zwei Jahre zuvor damit begonnen, sich ein Standbein für die Zeit nach der Radkarriere aufzubauen. Er kaufte sich eine Industrie-Stickmaschine. Auf die Idee sei er gekommen, als er für ein Team fuhr, bei dem sämtliche Trainings- und Rennkleider bestickt waren. «Das sah sehr gut aus», habe er sich gedacht, «und bei uns hat es so etwas noch nicht gegeben.» Via Mund-zu-Mund-Propaganda baute er sich ab dem Jahr 2000, als er das anfängliche Hobby zum Beruf machte, einen Kundenstamm auf. Mit der Umstellung vom Spitzensport zum Berufsalltag habe er nie Probleme gehabt. «Nach 25 Jahren auf dem Velo hatte ich auch einfach mal genug davon», führt Runkel aus. Auch heute steige er nicht mehr oft in den Sattel, er vermisse das Radfahren überhaupt nicht: «Man muss auch mal etwas abhaken können im Leben.»

Seit 13 Jahren hat Dieter Runkel mittlerweile seine eigene Stickerei. Am Anfang habe ihm sein Name bei der Lancierung des Geschäfts schon geholfen, meint Runkel, «aber jetzt seicht kein Hund mehr an den Namen.» Entscheidend sei Qualität zu einem guten Preis. Der Absatzmarkt sei seit dem Ende des vergangenen Jahres allerdings etwas eingebrochen. «Früher war ich noch der Einzige, heute steht fast in jedem Dorf eine solche Maschine», begründet er. Über zu wenig Arbeit kann er sich dennoch nicht beklagen.

In seinem Laden in Neuendorf verkauft er nämlich auch noch Freizeit- und Velokleider sowie Outdoor- und Jagdbekleidung. Letzteres hat ihn in den letzten Jahren ziemlich in den Bann gezogen. So hofft Runkel, anfangs Mai die Jagdprüfung erfolgreich zu bestehen. Den praktischen Teil hat er bereits hinter sich, nun fehlt noch die Theorie. «Jeden Baum, Strauch, jedes Tier und dessen Paarungszeit, die Waffen und die zugehörige Munition», zählt Runkel auf, was er dafür alles kennen muss. So ist denn der 46-Jährige wieder vermehrt in der Natur und im Wald unterwegs, mittlerweile aber vorwiegend zu Fuss.