In den seit September 2013 im Pastoralraum Gäu zusammengeschlossenen Pfarreien Härkingen, Egerkingen, Oberbuchsiten, Neuendorf und Fulenbach kommt die neue Körperschaft nicht durchweg gut an. Zum Ausdruck kam das an der Kirchgemeindeversammlung im November 2015 in Egerkingen. Diese verwarf aus Unzufriedenheit über den Pastoralraum das Budget und sorgte damit für einen Eklat.

Hintergrund war damals die Vereinheitlichung des Alters der Firmlinge, sprich, die Einführung der «Firmung 17+». Dieser Vorfall, der in der Gemeinschaft der Egerkinger Katholiken tiefe Wunden hinterliess, bewog das Führungsteam des Pastoralraums Gäu dazu, eine Informationsversammlung einzuberufen. Dies, um den Angehörigen der fünf Pfarreien die Möglichkeit zu bieten, sich zur Entwicklung des Pastoralraums zu äussern.

Schriftliche und mündliche Voten

Rund 50 Personen aus den fünf Pfarreien, vornehmlich Funktionäre der Kirchgemeinden, versammelten sich am Donnerstagabend im Pfarreisaal in Egerkingen, um dort zu erfahren, wie es um den Pastoralraum steht und wo ihren Kollegen aus den Nachbargemeinden der Schuh drückt. Vor dem von allen Beteiligten mit Interesse erwarteten Gedankenaustausch stellte sich das Seelsorgerteam vor. Es sind dies der leitende Priester Kenneth Ekeugo, Pastoralraumleiter Adrian Wicki, Pastoralassistentin Beatrice Emmenegger, Jugendseelsorger Kuba Beroud und Religionspädagoge Simon Spielmann.

Die Vorstellung des Teams und dessen Aufgabenbereiche beanspruchte fast eine Stunde, was nicht bei allen Beteiligten auf Verständnis stiess. «Wir wollen über den Pastoralraum diskutieren und nicht auf ein Blatt Papier schreiben, was uns am Pastoralraum gefällt und was nicht», meinte ein Anwesender zu Beginn des zweiten Teils der Veranstaltung. Priester Kenneth Ekeugo verteidigte diese Vorgehensweise, weil sich damit die Gläubigen anonym einbringen könnten.

Dass diese Einschätzung richtig war, zeigte sich, nachdem die von den Anwesenden auf roten und grünen Zetteln geschriebenen Voten ausgewertet wurden. Die Farbe Grün stand dabei für positive und stärkende Eindrucke, rot für negativ bewertete Aspekte. Beide Farben hielten sich bei den total etwa 60 aufgefüllten Zetteln etwa die Waage. An der anschliessenden Diskussion kam es dann aber zu deutlich weniger Wortmeldungen.

Kommunikation in der Kritik

Zweischneidig fiel die Bewertung des Seelsorgerteams aus. Einerseits wurde es von einem Teil der Anwesenden als sehr angenehm und kompetent empfunden, während andere diesem offenbar mit Misstrauen begegnen. Am meisten bemängelt wurde von den Befragten die Kommunikation. Dies etwa im Zusammenhang mit der Einführung der «Firmung 17+» oder mit dem in Neuendorf zuerst nicht geplanten Gottesdienst an Fronleichnam. Dazu wurde zudem erwähnt, dass auf Traditionen in den Gemeinden generell zu wenig Rücksicht genommen werde.

Daran schuld sei die fehlende Nähe des Seelsorgeteams zur Basis. Dieses müsse vermehrt den Kontakt zu den Gläubigen suchen, um mehr über den Eigenheiten zu erfahren. Dem wurde entgegengehalten, dass dies umgekehrt auch Aufgabe der Gläubigen sei.

Moniert wurde auch der Autonomieverlust in den Pfarreien und damit über deren Köpfe hinweg gefällte Entscheide. Bei diesen teils sehr emotional geführten Diskussionen war deutlich spürbar, dass es bei den Katholiken zwei Lager gibt und dass diese noch immer nicht sehr gut aufeinander zu sprechen sind. Dennoch bemühten sich alle Beteiligten um eine sachliche Diskussion. «Schliesslich ist es ja der Glaube an Gott, der uns vereint», so eine Stimme aus der Versammlung.

Begrenzte Ressourcen

Pastoralraumleiter Adrian Wicki zeigte sich trotz der teilweise harschen Kritik an sich und dem Seelsorgerteam zuversichtlich, dass der Pastoralraum auf dem richtigen Weg ist. Mit nur einem Pfarrer und zwei Pastoralassistenten sei es halt nicht möglich, auf alle Wünsche einzutreten oder diese gar zu erfüllen. Das Seelsorgerteam werde nach der Auswertung der Voten versuchen, eine noch gezieltere Auswahl als bisher zu treffen. Und wenn Fehler gemacht würden, so hoffe er, dass es zu entsprechenden Rückmeldungen komme, damit diese korrigiert werden könnten.

Wicki versprach, auch künftig regelmässig solche Foren abzuhalten, um den Puls der Gläubigen stärker fühlen. Entgegenwirken will der Pastoralraum auch der Abkehr der Bevölkerung vom Glauben und von der Kirche. Dies nicht zuletzt mit Blick auf die 70 Kirchenaustritte, welche letztes Jahr im Pastoralraum Gäu zu verzeichnen waren. Um dem zu begegnen, werden im Herbst der Glaubenskurs «Komm und sieh» sowie verschiedene weitere Angebote im Bereich der Erwachsenenbildung durchgeführt.

Von der geäusserten Kritik will sich Wicki nicht entmutigen lassen. «Das gehört dazu, ich blicke nach vorn», so der 43-Jährige. Darin gestärkt wurde der Pastoralraumleiter bei der Verabschiedung der Besucherinnen und Besucher, die ihm zahlreich ihr Vertrauen aussprachen.