Egerkingen
Ein Helikopter räumt auf: Nach 2 Tagen und 100 Flügen sind 50 Bäume abtransportiert

Heisse und trockene Sommermonate in den vergangenen Jahren hinterliessen viele dürre Baumstämme im Egerkinger Wald. Deshalb hat sie ein Helikopter diese Woche abtransportiert. Manche bleiben aber auch liegen.

Rahel Bühler
Merken
Drucken
Teilen
Im Egerkinger Wald, Richtung Blüemlismatt, hat diesen Mittwoch und Donnerstag ein Helikopter 50 Bäume transportiert.

Im Egerkinger Wald, Richtung Blüemlismatt, hat diesen Mittwoch und Donnerstag ein Helikopter 50 Bäume transportiert.

Bild: Bruno Kissling

Stefan Probst, blaue Fleecejacke, Brille, steht auf dem Parkplatz des Restaurants von Arx in Egerkingen und schaut Richtung Blüemlismatt. Hoch über dem Wald kreist ein Helikopter. Vor der grün-braunen Kulisse ist das rot-weisse Flugobjekt gut zu sehen. Probst ist Revierförster und Betriebsleiter des Zweckverbands Forst Mittleres Gäu, zu dem Boningen, Gunzgen, Härkingen und Neuendorf gehören. Am Donnerstag ist er etwas auswärts unterwegs. Egerkingen gehört nicht zum Zweckverband, Letzterer übernimmt aber die Forstarbeiten in der Gemeinde.

Viele Buchen und Eschen im Egerkinger Wald sind in einem schlechten Zustand. Die Eschen sind von der Eschenwelke, einer Krankheit, die zum Austrocknen des Baums führt, befallen. Die Buchen leiden unter den trockenen und heissen Sommermonaten der vergangenen Jahre. Auch sie sind vertrocknet. Deshalb haben Mitarbeitende des Forstreviers in den vergangenen zwei Wochen Bäume im Umfang von 240 Kubikmeter gefällt. Davon transportierte der Helikopter etwa 80 Kubikmeter ab. Das entspricht 50 Bäumen. Probst hat den Einsatz organisiert.

Revierförster Stefan Probst: «Man überlegt sich schon, ob auch alles gutgeht.»

Revierförster Stefan Probst: «Man überlegt sich schon, ob auch alles gutgeht.»

Bild: Bruno Kissling

Total fliegt der Heli 100 Mal zwischen dem steilen, sonst nicht zugänglichen Waldgelände und einer Lichtung beim Schiessstand Flühmatt hin und her. Die restlichen Bäume bleiben im Wald liegen. Und dienen so einem weiteren Zweck: Vom Juraausläufer ob Egerkingen lösen sich immer wieder Steine.

«Manche sind so gross, sie könnten die Menschen und Häuser gefährden»,

erklärt Probst. Deshalb ist der Wald ein Schutzwald: Die Bäume bewahren die unterhalb liegenden Quartiere vor Steinschlag. Liegen die gefällten Exemplare quer zum Hang, ist der Schutz noch höher. Probst: «Diese Bäume halten die Steine jahrelang fern.» Ausserdem ist der Wald Naturschutzgebiet. Dort ist es ohnehin nicht erlaubt, geschlagene Bäume zu entfernen.

Jene 50 Stück, die der Helikopter aus dem Wald zur Flühmatt geflogen hat, werden vor Ort zu Holzschnitzeln weiterverarbeitet. Sie landen im Anschluss in Heizungen in der Umgebung. Total kostet das Projekt etwa 65'000 Franken. Davon übernimmt der Kanton 80 Prozent. Der Rest geht zulasten der Gemeinde Egerkingen.

15 Personen haben beim Holztransport geholfen

Nachdem der Helikopter alle Bäume abtransportiert hat, hat er am gleichen Ort noch einen zweiten Einsatz: Im Auftrag der Bürger- und Einwohnergemeinde Egerkingen bringt er Kies auf den Wanderweg, der Richtung Blüemlismatt führt. Freiwillige Helfer und Mitglieder der Einwohnergemeinde flicken den Weg damit.

Hier transportiert der Helikopter Kies zu einem Wanderweg. Damit wird der Weg geflickt.

Hier transportiert der Helikopter Kies zu einem Wanderweg. Damit wird der Weg geflickt.

Bild: Bruno Kissling

Total hat der Helieinsatz zwei Tage gedauert. 15 Personen waren im Einsatz: Mitarbeiter des Forstreviers und der Firma Rotex, die sich auf Helikopterflüge spezialisiert hat. Für Probst haben die Vorbereitungen hingegen schon vor zwei Jahren angefangen. Zu seinen Aufgaben gehörten die Kostenzusammenstellung oder das Anzeichnen der zu fällenden Bäume. Er arbeitet seit Februar 2018 für den Zweckverband und hat zum ersten Mal ein Projekt mit einem Helikopter in dieser Grössenordnung auf die Beine gestellt. «Es hat Spass gemacht, mit so vielen Leuten in Kontakt zu stehen und das Projekt zu koordinieren.» Vor dem endgültigen Einsatz sei er aber schon etwas angespannt gewesen: «Man überlegt sich schon, ob auch alles gut geht.»

Nach dem Einsatz ist die Aufgabe für ihn noch nicht fertig. Er werde noch mit Aufräumarbeiten auf der Flühmatt beschäftigt sein. «Zudem werden wir noch die extra abgesperrten Wanderwege wieder öffnen.» Am Ende folgt die Schlussabnahme mit einem Vertreter des Kantons und die definitive Abrechnung.