Egerkingen
Gemeinde kann «Neumatten» kaufen – wie die Pläne für die Parzelle aussehen, ist noch unklar

An der ausserordentlichen Gemeindeversammlung in Egerkingen nimmt das Stimmvolk die beiden Kredite an – mit je einer Gegenstimme. Dabei handelt es sich um vier Millionen Franken für eine Landparzelle und rund eine halbe Million Franken für 25 Schulcontainer.

Rahel Bühler
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Der Egerkinger Souverän hat entschieden: Die Gemeinde kann die «Neumatten» für vier Millionen Franken kaufen.

Der Egerkinger Souverän hat entschieden: Die Gemeinde kann die «Neumatten» für vier Millionen Franken kaufen.

Patrick Luethy

Am Montagabend, um 20.15 Uhr, dürfte einigen Egerkingern ein Stein vom Herzen gefallen sein. Dann war klar: Der Souverän genehmigt alle Kredite. Auf der Traktandenliste standen Ausgaben von 4,55 Millionen Franken. Vier für den Kauf einer Landparzelle bei der Neumattstrasse. 550000 Franken für Schulcontainer. Daraus sollen zwei Kindergärten entstehen.

Die beiden Abstimmungen waren mit Spannung erwartet worden: Noch im September lehnte das Stimmvolk den Neubau eines Schulhauses auf dem Mühlemattareal ab. Nun hat sich die Schulraumknappheit akzentuiert. Bereits ab Schuljahr 2021/2022 braucht das Dorf eine zusätzliche Kindergartenklasse. Deshalb hat der Gemeinderat dem Souverän eine Lösung mit provisorischen Schulcontainern vorgeschlagen. 25 Container sollen zwei Kindergärten, zwei Gruppenräume und WCs bilden. «Es ist wirklich nur ein Provisorium», versichert Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi (FDP). Man rechne bereits ab dem Schuljahr 2023/2024 wieder mit einem Rückgang der Schülerzahlen.

Gemeinderat Daniel Müller (FDP) ist verantwortlich für öffentliche Bauten. «Der Standort neben dem Zebra-Spielplatz ist optimal wegen der bestehenden Infrastruktur.» Die Kommission für öffentliche Bauten habe auch überprüft, ob man die Container besser mieten, statt kaufen oder bereits gebrauchte, statt neue Exemplare erwerben wolle. Man hat sich für den Kauf von neuen Containern entschieden. «Wir brauchen die Container schnell. Occasionen bekämen wir erst im Januar 2022.» Zudem liessen sich neue Modelle später besser verkaufen als mehrfach gebrauchte. In den Kosten inbegriffen sind auch Fundament, Strom, Wasser, Abwasser. «Das ist das absolute Kostendach. Wir sind bestrebt, durch Anpassungen den Preis zu reduzieren», sagt Müller. Nach einer kurzen Fragerunde stimmen die Anwesenden mit einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen für den Kredit.

Mit dem Landkauf will die Gemeinde das Wachstum eindämmen

Das zweite grosse Traktandum versprach nicht minder interessant zu werden: Denn die «Neumatten», die die Gemeinde zu kaufen gedenkt, könnte sie als Standort für ein neues Schulhaus nutzen. Diesen Spekulationen setzt Bartholdi bald ein Ende: «Die Schulstandorte Mühlematt und Kleinfeld sollen nicht verzettelt werden.»

Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi sagt an der Gemeindeversammlung, die Schulstandorte Mühlematt (im Bild) und Kleinfeld sollen nicht verzettelt werden.

Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi sagt an der Gemeindeversammlung, die Schulstandorte Mühlematt (im Bild) und Kleinfeld sollen nicht verzettelt werden.

Bruno Kissling

Sprich: Auf der Parzelle, die sich zwischen Neumatt- und Bannstrasse befindet, soll kein Schulhaus entstehen. Wichtig ist der Gemeinde denn vor allem, in das rasche Wachstum der Gemeinde einzugreifen. Man wolle eine Überbauung analog jener an der Einschlagstrasse, die bereits zu negativen Stimmen in der Gemeinde geführt habe, verhindern. Die Gemeindepräsidentin:

«Der Kauf der ‹Neumatten› ist eine Investition in die Zukunft. Wir behalten uns damit die Möglichkeiten offen.»

Im Fokus stehen jedoch öffentliche Bauten. So zum Beispiel eine polyvalente Halle für die Vereine. Zudem handle es sich bei der «Neumatten» um ein «strategisch wichtiges Grundstück». Einmal überbaut, werde sie für das Ortsbild prägend sein.

Auch das Egerkinger Stimmvolk sieht dies so. «Ich finde es richtig, dass die Ausweitung einer Betonbunkerwüste verhindert wird», meint ein Anwesender. Wiederum mit einer Gegenstimme sprechen sich die 73 Anwesenden für den Vier-Millionen-Kauf aus. Nun muss die Gemeinde die Parzelle in ihr Verwaltungsvermögen aufnehmen. Das heisst: Innerhalb von 40 Jahren muss der Kauf abgeschrieben sein. Damit wird die Erfolgsrechnung der Gemeinde jedes Jahr mit zusätzlichen 100 000 Franken belastet. Genauere Pläne, wie die Parzelle einst genutzt werden soll, stellt Bartholdi für nach Ostern in Aussicht.