Egerkingen
Die Kirchgemeinde Egerkingen erhält den grünen Güggel - und will damit Verantwortung übernehmen

Seit einem Jahr beschäftigt sich die katholische Kirchgemeinde mit ihrer Umweltpolitik. Abgeschlossen ist der Prozess noch lange nicht. Denn das Ziel ist Klimaneutralität.

Rahel Bühler
Drucken
Teilen
Das Pfarreiheim in Egerkingen verbrauchte 2020 30 Kubikmeter Wasser.

Das Pfarreiheim in Egerkingen verbrauchte 2020 30 Kubikmeter Wasser.

Bruno Kissling

Die Kirchgemeinde Egerkingen will mehr für die Umwelt tun. Ein grüner Güggel soll ihr dabei helfen. Der Güggel ist ein Umweltmanagementsystem, das Kirchgemeinden bei der Verbesserung ihrer Umweltleistung hilft. Es dient der Optimierung des Ressourcenverbrauchs und spart Betriebskosten. Seit einem Jahr beschäftigt sich die Kirchgemeinde Egerkingen damit. Morgen Samstag erhält sie das Zertifikat, das von «Oeku – Kirchen für die Umwelt» vergeben wird.

Dazwischen liegt viel Arbeit, wie Kirchgemeinderätin Gabriela Felber berichtet. Vor einem Jahr habe sie die Idee, beim «grünen Güggel» mitzumachen, in den Kirchgemeinderat gebracht. Dort sei sie auf positives Echo gestossen.

«Auch im Wissen, dass es zuerst etwas kostet. Aber dass wir langfristig Geld sparen können.»

Im Anschluss an den Kirchgemeinderatsentscheid vom Juni 2020 wurde ein Umweltteam gegründet. Es ist das zentrale Arbeitsgremium des Umweltmanagementsystems in der Kirchgemeinde. Dem Team steht die Umweltschutzbeauftragte vor. Gabriela Felber hat diese Aufgabe übernommen.

Katholische Kirche in Egerkingen.

Katholische Kirche in Egerkingen.

OLT

Zuerst hat das Team eine Bestandesaufnahme gemacht. Die katholische Kirche Egerkingen besitzt drei Liegenschaften: die Kirche St. Martin, das Pfarrhaus und das Pfarreiheim. «Wir haben uns verschiedene Fragen gestellt: Wie viel Strom und Wasser verbrauchen unsere Gebäude? Wie viel heizen wir? Macht das Sinn? Wo gibt es Verbesserungspotenzial», berichtet Felber. Die Ergebnisse der Bestandesaufnahme hat das Umweltteam im Umweltbericht festgehalten.

Der Bericht zeigt auf, welches Gebäude wie viel Strom und wie viel Wasser in welchem Jahr verbraucht, wie stark die Häuser geheizt werden. So wurden im Pfarrhaus 2020 beispielsweise 120 Kubikmeter Wasser verbraucht, im Pfarrheim 30. Darin sind auch Massnahmen enthalten, die die Kirchgemeinde in den nächsten vier Jahren umsetzen will.

«Wir werden zum Beispiel die Heizleistung in der Kirche optimieren»,

weiss Felber. Es sei geplant, an den Wasserhähnen im Pfarreiheim Wassersparer einzubauen. Oder man möchte die undichten Holzfenster in der Kirche abdichten. Zudem stehe die Sanierung des Pfarrhauses nach wie vor auf dem Programm. Felber: «Mit dem Einsatz von energieeffizienten Materialien werden wir nochmals zu unseren Zielen beitragen können.»

Die Kirchgemeinde will ein Vorbild sein

Der Bericht beinhaltet auch die Überlegungen, wieso die Egerkinger Kirchgemeinde dem Label beitreten will: Eine Kirche, die Sparsamkeit predige und Ressourcen verschwende, mehr Umweltschutz von Industrie und Politik einfordere und gleichzeitig im eigenen Bereich wenig sorgsam mit Gottes Schöpfung umgehe, erleide auf Dauer einen Glaubwürdigkeitsverlust. Konkret:

«Wir möchten als Kirchgemeinde der Bevölkerung auch zeigen, wir übernehmen Verantwortung für unsere Umwelt»,

sagt Felber. Anderseits möchte man schonender mit den Ressourcen umgehen.

Ein solches Zertifikat wird auch Egerkingen erhalten. Dieses Foto stammt von der katholischen Marienkirche in Olten.

Ein solches Zertifikat wird auch Egerkingen erhalten. Dieses Foto stammt von der katholischen Marienkirche in Olten.

Patrick Lüthy

Im März 2021 war der Bericht fertig. Im Juni 2021 folgte das Audit, die Abnahme des Berichts. «Ein Auditor schaute mit uns den Bericht an und akzeptierte ihn.» Nun ist die Kirchgemeinde Egerkingen, mit dem «Grünen Güggel» zertifiziert. Das Zertifikat bedeute aber keineswegs das Ende der Bemühungen, versichert Felber. «Wir stehen erst am Anfang. Unser Ziel ist es, unsere Gebäude CO2-neutral bewirtschaften zu können.»

Hinweis: Die Zertifizierung findet am Samstag, 11. September, um 17 Uhr in der kath. Kirche St. Martin in Egerkingen während eines Gottesdienstes statt.

Auch Kestenholz bekommt das Zertifikat

Die katholische Kirchgemeinde Kestenholz war die erste in der Schweiz, die klimaneutral wurde. Nun wird auch sie offiziell das Label des grünen Güggels erhalten. Damit ist Kestenholz die erste Gemeinde, die bei der Zertifizierung direkt eine CO2-Neutralität aufweisen kann. Die Übergabe findet am Sonntag, 12. September, um 10 Uhr in der Kirche Kestenholz ebenfalls im Rahmen eines Gottesdienstes, statt. (rab) 

Aktuelle Nachrichten