«Das Sterben des Dorfes ist unausweichlich. Oensingen verliert langsam seine Identität.» So schreibt Lokalhistoriker Werner Stooss in seiner neuen Publikation mit dem Titel «Geschützte Bauten 2015».

Auslöser für die Dokumentation ist, dass im Zuge der laufenden Ortsplanungsrevision mehrere Häuser von Oensingen neu unter kommunalen Schutz gestellt – oder auch entlassen – werden sollen. Rechtskraft bekommt diese Massnahme jedoch erst, wenn der revidierte Ortsplan genehmigt sein wird. Dessen öffentliche Auflage ist im Verlauf des nächsten Jahres zu erwarten.

«Mehr oder weniger glücklich»

Stooss erklärt: «Vom einstigen Strassendorf mit bäuerlicher Prägung entwickelte sich das Dorf ab der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zu einem Ort mit urbanem Charakter. Die Standortgunst durch die Eröffnung der Autobahn führte zu einer ungeahnten Entwicklung.»

Die Behörden hätten zwar in der Vergangenheit versucht, mit Zonenplänen die Entwicklung in den Griff zu bekommen, jedoch «mehr oder weniger glücklich». So sei die bauliche Situation des ehemaligen Strassendorfes oberhalb der Hauptstrasse in grossen Zügen noch erkennbar und erhalten, unterhalb der Hauptstrasse jedoch weniger. Hier seien, so hält Stooss in seinem Bericht fest, seit 1988 mehrere kantonal und kommunal geschützte Bauten verschwunden. So das ehemalige Bauamt und das Postgebäude, ferner die Schlosserei Bruder und das Restaurant Neu-Bechburg, die dem Bau des heutigen Roggenparks weichen mussten. Im Unterdorf wurde der markante Gallihof abgebrochen im Zusammenhang mit dem gleichnamigen Projekt, das jedoch nicht realisiert wurde.

Neu ist die Parzelle der Planungszone Unterdorf zugeteilt mit dem Ziel, im Dreieck Hauptstrasse, Kronengasse, Kestenholzstrasse ein Quartier entstehen zu lassen, eines, das als Ganzes gestaltet ist. Bestandteil dieses Quartiers bleiben wird das ehemalige Schulhaus Unterdorf, es wird neu als kommunal schützenswert erachtet. Aus dem kommunalen Schutz entlassen werden soll hingegen die ehemalige «Krone» samt Wohnteil (Hauptstrasse 90 und 92).

Zum Ensemble gehört ferner mit der Nummer 94 der ehemalige, vom Volksmund genannte «Egge». Dafür sei noch kein Entscheid gefällt worden, sagt Markus Flury als Präsident der Planungskommission. Bezüglich der erwähnten Planungszone Unterdorf sagt er, dass diese momentan nicht mit erster Priorität behandelt werde. Es gebe Probleme, deren Lösung dringender sei, so wie die Entlastungsstrasse.

Die Dokumentation von Werner Stooss stützt sich auf die aktuellen Angaben, welche die Gemeinde zusammen mit der Firma Metron sowie den kantonalen Behörden erarbeitet hat. Obwohl die Unterschutzstellung noch keine Rechtskraft habe, sei es bereits jetzt angebracht, die baulichen Kulturobjekte des Dorfes festzuhalten und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen, begründet Stooss. Wobei er sich in der nun erschienenen Dokumentation nur auf die neu in die Kategorie «schützenswert» und «erhaltenswert» eingestuften Bauten beschränkt.

Stooss selber betroffen

Werner Stooss selber ist Besitzer eines Hauses, das neu auf der Liste als «schützenswert» eingestuft ist. Erstmals erwähnt wird es 1827 als «Brüderhaus», ab 1870 gehörte es zum Schloss Neu- Bechburg, 1897 liess es Eduard Riggenbach neu erstellen als Dienstgebäude Schloss Bechburg. Als «kommunal schützenswert» einzustufen sind laut Bericht das Restaurant Cartier, die reformierte Pauluskirche und das katholische Pfarrhaus, als «erhaltenswert» mehrere Häuser an der Schlossstrasse, am Burgweg und der Gasthof Post.

Die Dokumentation liegt auf der Gemeindeverwaltung auf oder kann hier heruntergeladen werden: