Oensingen
Dünnern-Korrektion: Seit 70 Jahren ist der Nebenfluss gezähmt

Werner Stooss arbeitete die Geschichte der Dünnern in seiner Schrift 70 Jahre Dünnern-Korrektion auf und wagt einen Blick in die Zukunft. Das Gewässer soll zwecks Hochwasserschutz und Attraktivät des natürlichen Flusslaufs erneut verändert werden.

Jonas Liniger
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Die Dünnern zwischen Oensingen und Niederbuchsiten damals und heute.

Die Dünnern zwischen Oensingen und Niederbuchsiten damals und heute.

Zur Verfügung gestellt

«Die Korrektion der Dünnern bleibt für die Region eine kulturtechnische Pionierarbeit, die zu den grössten Leistungen der neueren Zeit gerechnet werden darf», schreibt Werner Stooss in seiner Schrift 70 Jahre Dünnern-Korrektion. Warum die Zähmung der Dünnern nötig war, zeigt ein Blick zurück in die Geschichte.

Im Jahr 1888 forderte ein Hochwasser in Oensingen ein Menschenleben. Zwei 11-jährige Knaben wurden von der hochgehenden Dünnern fortgerissen, wobei einer in den Fluten ertrank. 1931 überläuft die Dünnern erneut und setzt in Oensingen das Bahnhofgebiet und den Schachen zwei Meter unter Wasser. Das Hochwasser in der Dünnern entstand, weil ein zu enges Flussbett im Unterlauf (Oensingen bis Olten), das geringe Gefälle, der gewundene Lauf des Flusses und Geschiebeablagerungen, welche das Flussbett erhöhten, bei grossen Wassermengen einen Rückstau bis nach Oensingen verursachten.

Willkommene Arbeit in der Krise

Grundstein für die Arbeit an der Dünnern war eine Abstimmung vom 11. September 1932. Das Volk stimmte dem Gesetzesentwurf für eine Korrektion des Flusses zu. Nach langer Uneinigkeit unter den Gemeinden und dem Widerstand der Landeigentümer war dies der Durchbruch. Die Kosten der Korrektion beliefen sich auf 8 Millionen und sorgten für heftige Diskussionen, da die Aufteilung umstritten war.

6 Millionen übernahmen Bund und Kanton, die Gemeinden 0,4 Millionen und die Grundeigentümer 1,6 Millionen, wobei der Kostenanteil der Grundeigentümer später weiter herabgesetzt werden konnte. Zu diskutieren gab auch der neue Lauf der Dünnern, da Wasserwerken, Mühlen und Sägereien in Oensingen und den Gäu-Gemeinden das Wasser abgegraben wurde.

Die Bauarbeiten dauerten zehn Jahre von 1933 bis 1943 und waren als Notstandsarbeit gedacht. Dass die Dünnerkorrektion zustande kam, gründet auf der Arbeitsmarkt-Krise von 1930 bis 1933. Der Kanton Solothurn zählte damals 5000 Arbeitslose und die beschlossene Korrektion galt als willkommene Arbeitsbeschaffung. Mit Beginn des dritten Teils der Bauarbeiten im Jahr 1938 gab es erste Anzeichen auf die kommende Kriegszeit. Nach einem Unterbruch im September 1939 wurde das Grossprojekt 1943 beschleunigt zu Ende gebaut.

Zurück zum idyllischen Gewässer

Die alte Dünnern sei ein idyllisches Gewässer gewesen, schreibt Stoos, doch die Absicht, gutes Landwirtschaftsland zu gewinnen und vor Überschwemmungen zu schützen, sei mit der Dünnern-Korrektion erreicht worden. Jedoch können die kanalisierten Teile der Dünnern, zwischen Herbetswil und Olten, als künstlich oder naturfremd bezeichnet werden.

Und da drei Abschnitte der Dünnern ein Jahrhunderthochwasser weiterhin nicht ableiten könnten, bestehen aktuell Pläne, die Dünnern erneut zu verändern. Diese sehen einerseits vor, die Attraktivität des Flusslaufs zu steigern, natürliche Gewässerstrukturen wiederherzustellen und einen ausreichenden Hochwasserschutz zu gewährleisten. Die Realisierung dieser Vorhaben ist ab 2020 möglich, da das Konzept erst den betroffenen Gemeinden vorgelegt werden muss.