Revitalisierung
Dünnern bei Wangen bei Olten, ein Exempel für die Rückkehr der Natur

Die revitalisierte Dünnern in Wangen bei Olten übertrifft die Erwartungen des Kantons. Das Beispiel könnte im Gäu Schule machen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Durch die Aufwertung erhielt die Dünnern zwischen Wangen und Olten neues Leben. Weitere Abschnitte sollen auf dieses Beispiel folgen.

Durch die Aufwertung erhielt die Dünnern zwischen Wangen und Olten neues Leben. Weitere Abschnitte sollen auf dieses Beispiel folgen.

Patrick Lüthy

Das Dünnernbachbett muss Hochwasser abführen können, gleichzeitig soll es naturnaher werden. Das ist die Herausforderung, der sich Planer, Anstösser, Grundeigentümer und Naturschützer in Sachen Hochwasserschutz und Aufwertung Dünnern stellen müssen. Wie eine solche Revitalisierung aussehen könnte, ist in Wangen bei Olten im Bereich der Stirnimann AG heute schon ersichtlich. 2015 wurde dieser Flussabschnitt als ökologische Ausgleichsmassnahme für die Entlastungsstrasse Region Olten der Öffentlichkeit übergeben.

Die Dünnern erhielt in diesem rund 600 Meter langen Stück einen neuen, bis zu 60 Meter breiten Entwicklungsraum. Der alte, gradlinig verlaufende «Dünnernkanal» wurde insbesondere am rechten Ufer gänzlich aufgebrochen. So bekam der Bach eine neue Wasserrinne. Innerhalb des Gewässerprofils wurden Inseln geschaffen oder sogenannte Störsteine eingebracht. Als Erosionsschutz an den Ufern dienen eingebaute Astbündel, sogenannte Faschinen und eingebaute Tannen, Raubäume genannt. «Das Landschaftsbild orientiert sich an der traditionellen Kulturlandschaft: dem Wechsel von Gehölz und freier Flur», so die Devise, die man einem damals veröffentlichen Info-Blatt zur Revitalisierung entnehmen kann. Als neues Bauwerk wurde eine Holzbrücke über den Fluss für Fussgänger und den Langsamverkehr installiert, die sogenannte Dünnernbrücke Gheidgraben.

Blaue Blüten sind ein erfreuliches Zeichen

Heute, fünf Jahre nach den Baumassnahmen, präsentiert sich der Abschnitt so, wie man sich dies gewünscht hatte. «Gar noch besser», meint Ulrich Harder, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Umwelt und zuständig für den Gewässerunterhalt. Er besucht den ersten revitalisierten Dünnernabschnitt regelmässig und beobachtet, wie sich die Natur im betreffenden Gebiet ausbreitet. «Man kann aber nicht einfach alles wachsen lassen», sagt Harder. Alle zwei Jahre wird je eine Uferhälfte abgemäht, und viermal pro Jahr werden die Neophyten bekämpft. Das teilweise Mähen hängt mit dem Hochwasserschutz und dem Bestreben nach abwechslungsreichem Uferbewuchs zusammen. Dennoch sei erstaunlich, welche Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren sich hier in der kurzen Zeit angesiedelt hat.

Und man hofft auch, dass sich in Zukunft wieder mehr Fische in dem Gewässer wohlfühlen. «Das hat natürlich auch mit dem Uferbewuchs, der Schatten spendet, und den Unterschlupfmöglichkeiten im Wasser zu tun.» Entscheidend ist für die Fische auch die Wassertemperatur. Sehr eindrücklich ist beispielsweise das Kiesinseli oberhalb der Brücke geworden. Jedes Jahr wird hier etwas mehr Kies abgelagert, damit wachsen die Pflanzen auf dem Inseli. Dennoch müssen auch dort – aufgrund des Hochwasserschutzes – grosse Bäume wieder abgeholzt werden. Harder freut sich vor allem an Blumen. «Auf einen einfachen Nenner gebracht: Alles, was blau blüht, zeigt, dass wir sehr naturnah unterwegs sind.»

Dieser neu geschaffene, intakte Naturraum zieht auch die Menschen an. «Wir sind hier in einem Naturschutzgebiet», sagt Harder. «Dennoch haben wir nichts dagegen, wenn sich der Mensch hier aufhält.» Einige Regeln gelte es aber einzuhalten: auf Wegen bleiben, Hunde an der Leine führen, Wildtiere nicht stören, keine Abfälle liegen lassen und sich nur an den dafür vorgesehen Sitzplätzen aufhalten. «Im Grossen und Ganzen klappt es hier in Wangen sehr gut», resümiert Harder. Die Natur werde gut respektiert. «Hingegen verstehen die Leute oft nicht, warum jetzt eine grosse, schöne Weide gefällt wird.»

«Der Biber ist bisher in diesem Gebiet noch nicht gesichtet worden», sagt Harder. Doch er meint, es sei nur eine Frage der Zeit. «Und dann müssen wir uns sehr gut überlegen, wo wir ihn gewähren lassen können und wo nicht.» Grundsätzlich sei die Schaffung solcher Naturräume immer auch ein Lehrprozess, denn die Natur lässt sich nicht vollumfänglich von einer Planung leiten. Dass es richtig ist, die Revitalisierung der Dünnern weiter voranzutreiben, und dass der ganze Flusslauf natürlicher werden soll, davon ist Harder überzeugt. «Wer will den vorherigen Kanal noch?», fragt er lächelnd und lädt alle ein, mal beim Musterbeispiel in Wangen vorbeizuschauen.