Im kürzlich publizierten Bericht zum «Zustand der Schweizer Fliessgewässer» kommt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) zu folgendem Schluss: Die Belastung der Schweizer Fliessgewässer durch Nährstoffe ist zwischen 2011 und 2014 gesunken, die Mikroverunreinigungen hingegen nehmen zu und die biologische Gewässerqualität ist teilweise ungenügend.

Wie aber steht es um die Dünnern? Im BAFU-Bericht ist sie nicht explizit genannt. Wie Christoph Bitterli vom Solothurner Amt für Umwelt (AfU) festhält, verändert sich die Wasserqualität der Dünnern entlang ihres Verlaufs. «Die Dünnern ist kein naturnaher Fluss: Sie ist oft hart verbaut und verfügt über wenig natürliche Ufer», führt er aus. «Ausserdem nimmt sie gereinigtes Abwasser und Niederschlagswasser aus Siedlungsgebieten, von Landwirtschaftsflächen und von der nahen Autobahn auf.» Alle diese Faktoren belasten den Fluss.

Abwasseranteil ist zu hoch

Der erste dominante Einfluss auf die Dünnern, die vom Jura her kommend bei Olten in die Aare fliesst, erfolge in Welschenrohr. Hier steht die erste von drei Abwasserreinigungsanlagen (ARA) an der Dünnern. Weiter flussabwärts befinden sich die ARA Falkenstein in Oensingen und die ARA Gäu in Gunzgen. Das geklärte Abwasser wird an diesen Stellen in den Nebenfluss der Aare geleitet. Da die heutigen ARA Mikroverunreinigungen im Abwasser (zum Beispiel durch Haushaltschemikalien, Arzneimittel und Pflanzenschutzmittel) nur ungenügend eliminieren, belasten die drei ARA die Dünnern stark: Der Abwasseranteil in dem kleinen Gewässer ist im Verhältnis zu hoch.

Bereits die ARA Welschenrohr beeinflusst die Wasserqualität der Dünnern negativ. Zu hohe Konzentrationen an Nährstoffen (zum Beispiel Phosphor und Stickstoffverbindungen) im Auslauf der ARA gelangen hier ins Wasser. Das Ökosystem des Flusses wird hier empfindlich in Mitleidenschaft gezogen.

Zudem stammen 88 Prozent des Trinkwassers in der Region Gäu-Olten aus dem Grundwasserstrom unter dem Tal der Dünnern. Somit beeinflusst die Wasserqualität der Dünnern massgeblich diejenige des Grundwassers.

Mikroverunreinigungen im Visier

Gemäss Gewässerschutzgesetz soll nun bundesweit die Reinigungswirkung ausgewählter ARA optimiert werden. Die Kantone müssen dafür sorgen, dass die Umsetzung der Massnahmen bis spätestens Ende 2035 in Angriff genommen werden. Im Kanton Solothurn müssen neben der grossen ARA Emmenspitz in Zuchwil nur die Abwasserreinigungsanlagen im Einzugsgebiet der Dünnern Massnahmen bezüglich Mikroverunreinigungen treffen. Bei der ARA Welschenrohr wurde im Zusammenhang mit der nötigen Erneuerung der Anlage der grösste Handlungsbedarf festgestellt. «Sie wird bis Ende Jahr aufgehoben», so Bitterli vom AfU. Will heissen: Auf Ende 2016 wird die ARA Welschenrohr durch eine Leitung an die ARA Falkenstein angeschlossen. Die Gewässerbelastung wird dadurch stark reduziert.

Damit ist es an der Dünnern aber noch nicht getan. Das Ausbaukonzept zur Elimination von Mikroverunreinigungen im Kanton Solothurn ist derzeit in der Vernehmlassung. Eine der geplanten Massnahmen sieht vor, die ARA Falkenstein auf den neusten Stand zu bringen und ein Verfahren zur Elimination der Mikroverunreinigungen einzuführen. Hierbei kommen zwei Techniken infrage, wie Bitterli erklärt: einerseits die Behandlung des Wassers mit Ozon, wodurch die Stoffe «geknackt» und danach gefiltert werden. Andererseits die favorisierte Behandlung des Auslaufs durch Aktivkohle, die die Spurenstoffe bindet. Der Ausbau der ARA Falkenstein soll bis 2027 erfolgen. Die anschliessende Erfolgskontrolle entscheidet darüber, ob bei der ARA Gäu auf einen vergleichbaren Ausbau verzichtet werden kann.