Welschenrohr

Droht das Projekt «Wisent Thal» zu platzen?

Die geplante Ansiedlung von Wisenten im Thal gab zu reden

Die geplante Ansiedlung von Wisenten im Thal gab zu reden

Im Gebiet Sollmatt in Welschenrohr sollen Wisente nach dem Modell des Deutschen Rothaargebirges auswildert werden. Das Projekt steht jedoch auf der Kippe: Waldbesitzer klagen vor dem deutschen Gerichtshof.

Die Idee des Vereins «Wisent Thal», oberhalb von Welschenrohr etwa 15 Wisente auszuwildern und weitere fünf bis sechs Tiere in einem Schaugehege zu halten, kam bei einer im Juni abgehaltenen Info-Veranstaltung nicht gut an. Insbesondere Landwirte, Jäger und Leute aus dem Forst kündigten ihren Widerstand an.

Vergangenen Freitag fand in Welschenrohr ein weiterer Info-Anlass zum Thema Wisente statt. Begrüsst wurden die rund 70 aufmarschierten Personen von Stefan Müller-Altermatt. «Wir möchten herausfinden, ob ein Nebeneinander von Wisent und Mensch im Thal möglich ist und das geht nur, wenn wir es ausprobieren», erklärte er im Namen des Vereins «Wisent Thal».

Jährlich 40 000 Besucher

Danach übergab er das Wort an Johannes Röhl, Forstdirektor in Wittgenstein-Berleburg am Deutschen Rothaargebirge, wo seit 2013 ausgewilderte Wisente leben. Der Beginn des Projekts sei schwierig gewesen. So grosse Tiere wie Wisente hätten Ängste und ein enormes mediales Echo ausgelöst, so Röhl.

Inzwischen habe sich das Projekt zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Jährlich nutzten etwa 40 000 Besucher die Gelegenheit, um die grössten Landsäugetiere Europas aus der Nähe zu erleben. Dies ist primär beim Schaugehege möglich, in dem derzeit elf Wisente untergebracht sind.

Die 22 frei durch die Wälder streifenden Wisente entziehen sich den Blicken der Öffentlichkeit aufgrund des mehreren Tausend Hektar grossen Gebiets am Rothaargebirge.

Die Gefahr für den Menschen bei einem Besuch des Waldes sei durch die Wisente nicht grösser geworden, bemerkte Röhl. Die Fahrt zum Parkplatz sei gefährlicher als einem Wisent zu begegnen.

Weil die Tiere den Mensch nicht als Gefahr sähen, komme es zu vielen Nahbegegnungen. Auch die anfänglich von Jägern formulierten Bedenken, die Wisente könnten den Jagdbetrieb beeinträchtigen, hätten sich nicht bewahrheitet.

Probleme räumte Röhl indessen bei der Abdeckung von durch Wisente verursachte Schäden an Buchen ein, welche die Tiere schälen. Dies geschieht längst nicht mehr nur im von Röhl betreuten Privatwald, sondern bei anderen Waldbesitzern. Diese geben sich nicht zufrieden mit dem vom Trägerverein angebotenen Geld für die beschädigten Bäume, sondern verlangen, dass die Wisente nicht mehr in ihre Wälder eindringen.

In zwei Instanzen haben die klagenden Waldbesitzer bereits recht bekommen. Wenn dies auch der deutsche Bundesgerichtshof als letzte Instanz so beurteilt, müsste das Projekt abgebrochen werden.

Gegner bleiben kritisch

Röhl bemerkte ferner, dass Wisente keine Waldtiere seien und sich in halb- offener Landschaft bewegten. Es sei damit zu rechnen, so Röhl auf die Frage eines Landwirts, dass sich die Tiere auf den Feldern der Bauern bedienen würden.

Auch die Überwindung des Berggrats und somit ein Wechsel auf die Südseite des Juras durch Wisente sei denkbar. «Ich habe Angst um meinen Wald», meinte ferner ein Förster. Im Namen des Solothurner Bauernverbandes sprach sich Edgar Kupper gegen das Projekt aus. Das kleinräumige Thal könne nicht mit dem Rothaargebirge verglichen werden.

Stefan Müller-Altermatt entgingen diese und weitere kritische Stimmen nicht. Als nächsten Schritt erwähnte er die Bildung einer Begleitgruppe mit allen Bedenkenträgern. Ein erstes Hearing mit Vertreten von Kanton, Forst, Jagd, Landwirtschaft, Naturschutz und Naturpark Thal sei ermutigend verlaufen.

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