Wenn die Sonne brennt, sind dies im tiefen Jura beste Arbeitsbedingungen. Zumindest was die Bodenbeschaffenheit anbelangt. «Jetzt können wir mit Volldampf dahinter», sagt Dieter Fux vom Amt für Verkehr und Tiefbau.

Denn der Anfang des Strassenbaus südlich des Guldentalbachs, wo der Verkehr sicher vor der akuten Steinschlaggefahr und den Lawinen sein wird, war insbesondere wegen der nassen Witterung zu Jahresbeginn schwerer, als die Ingenieure und Geologen sich dies ausgemalt hatten. Zwar war bekannt, dass der Untergrund am Schattenberg instabil ist und durch feuchte Gebiete führt, welche der Juraschutzzone angehören und teilweise geschützt sind. Der Kanton wollte den Eingriff in den unberührten Hang des Schattenbergs minimieren und entschied sich deshalb für eine Kombivariante, bei welcher nur jener Teil der Scheltenpassstrasse verlegt wird, wo die Gefährdung durch Naturereignisse am grössten ist. Im vergangenen Herbst begann die ausführende Baufirma damit, den 1100 Meter langen Abschnitt zwischen dem Mittleren Guldental und der Glashütte zu verlegen. Den westlichen Bereich in Richtung Abzweigung zur Passwangstrasse, sichert der Kanton über Schutznetze und den Schutzwald (wir berichteten). Das Kreisbauamt musste bisher die Strasse wegen der vielen Steinschläge zweimal wöchentlich von den liegengebliebenen Steinen befreien. Oftmals legten auch die Landwirte aus der Region selbst Hand an und räumten die Strasse.

Ein altes Entwässerungssystem

Die ersten Spuren der neuen Strasse ziehen sich durch die Landschaft am Schattenberg. Über ein kleines Brücklein wird die Passwangstrasse künftig abzweigen und bergaufwärts führen. Im Bereich unterhalb des Bauernhofs Mittleres Guldental warten die grössten Herausforderungen auf die Geologen und die ausführende Baufirma. Die Befürchtungen bestätigten sich, als der Kanton bei Baubeginn auf tonigen Untergrund stiess.

«Wir haben strenge Bedingungen, der Boden ist vielerorts zu nass und zu feinkörnig. Das ist für uns ein schlechter Baugrund», sagt Dominik Döbeli, der die Projektierung zur Schelten-Strassenverlegung geleitet hat. Dieter Fux, Leiter der Ausführung sagt gar: «Im Ostteil ist die Tragfähigkeit null.» Vor vier Wochen rutschten Teile einer neu erstellten Böschung ab, weil sie zu steil abgetragen war und der Regen kam. Die Baufirma musste einen Teil der Aushub-Arbeiten von neuem aufnehmen. Seither werden die Böschungen, wenn die Arbeiten stillgelegt sind, mit Plastikfolie abgedeckt, damit das Wasser nicht eindringen kann.

Die schon lange am Schattenberg heimischen Landwirte wussten, dass der Untergrund viel Wasser führt. Um den Boden erst fruchtbar zu machen, führten die Vorfahren des heutigen Landwirts im Mittleren Guldental das viele Wasser mit aus Ton gebauten Wasserrohren ab. Bei den Bauarbeiten der neuen Strasse stiessen die Arbeiter mit den Baggern an vielen Stellen auf diese Rohre. Auf diese Leitungen sei man angewiesen, sagt Fux, also wolle man sie wieder instand setzen, um die Entwässerung des Untergrunds aufrechtzuerhalten.

Um zu vermeiden, dass sich die Strasse später setzt, muss die Baufirma den instabilen Untergrund gleichwohl durch ein aufwendiges Verfahren stabilisieren. In den letzten Wochen transportierte das Bauunternehmen festeres Material, das es unterhalb der Glashütte entnehmen konnte, in den Bereich mit tonigem Untergrund. In der nächsten Etappe wird nun im Guldental das schlechte Material mit Kalk angereichert, bevor es dann wieder in den Boden eingebaut wird. Der Kalk dient dazu, dem Boden das Wasser zu entziehen. Besonders in den Wintermonaten ist dies entscheidend. Denn wäre zu viel Wasser im Untergrund, drohte die Strasse bei Frost angehoben zu werden. «Auf dem gesamten Abschnitt bauen wir eine ein bis zwei Meter dicke Stabilisationsschicht ein», erklärt Fux. An den heikelsten Stellen wird diese mit Kalkstein durchsetzte Schicht bis zu drei Meter dick sein und gewissermassen als Fundament der künftigen Scheltenpassstrasse dienen.

Bund mit Maximalanteil beteiligt

Die bestehende Strasse lässt der Kanton nach der Fertigstellung des neuen Abschnitts zurückbauen. Wie das Gesetz es verlangt, müssen gerodete Waldflächen kompensiert werden. Am Scheltenpass geschieht dies über den alten Strassenabschnitt, der zurückgebaut und dem Wald zurückgegeben wird. Somit könne gar eine grössere Fläche kompensiert werden, als für die neue Strasse gerodet wurde, sagt Döbeli. Im bergigen Juragebiet am Schelten sind die Strassenbauarbeiten mehr als üblich vom Wetter abhängig. Spielt dieses mit, soll der neu erstellte Strassenabschnitt voraussichtlich im Herbst 2020 abgeschlossen und somit die Sicherheit für den Verkehr verbessert sein. Trotz kompliziertem Stabilisationsverfahren geht der Kanton davon aus, die Gesamtkosten der Strassenverlegung von rund 4,5 Millionen Franken einhalten zu können. Der Bund beteiligt sich mit dem Maximalsatz von 45 Prozent am Kostenanteil Naturgefahren.