Oensingen
Drei Wochen lang flechten sie jeden Abend Zwiebelzöpfe

Kurz vor dem Beginn des jährlichen «Zibelimäret» wird fleissig an den «Zibelizöpf» für den Verkauf gearbeitet. Die Arbeitsstunden häufen sich bei den verschiedenen Vereinen.

Fabian Jäggi
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In Oensingen laufen die Vorbereitungen für den «Zibelimäret»
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Ursula Meise präsentiert stolz die verschiedenen Variationen.
Pirmin Bobst vom Vogelherdclub baut Zwiebeln an und verkauft sie.

In Oensingen laufen die Vorbereitungen für den «Zibelimäret»

Fabian Jäggi

Auf den Oensinger Strassen laufen die letzten Vorbereitungen für den alljährlichen «Zibelimäret». Die Stände, die Festzelte und auch der Lunapark werden aufgebaut. Währenddessen wird in den Oensinger Häusern Hand an die erlesenen Zwiebeln gelegt: Die letzten «Zibelizöpf» für den Markt müssen geknüpft werden.

Der katholische Kirchenchor Oensingen ist einer der ansässigen Vereine, welcher die «Zibelizöpf» immer noch selber herstellt. Die Präsidentin des Kirchenchors, Ursula Meise, weiss mehr über dieses Handwerk zu berichten.

Aller Anfang ist schwer

«Unsere Zwiebeln bekommen wir vom lokalen Bauern Pirmin Bobst», erzählt die eifrige Zopfknüpferin. Brauchbare Zwiebeln müssen aber erst aussortiert werden, bevor sich die wackeren Chorsängerinnen ans Werk machen können. Das dauere manchmal eine Weile, sagt Meise: «Normalerweise sind wir zwei bis drei Abende nur am Zwiebeln aussuchen. Dann erst geht es an die ‹Chnübliarbeit›». Dabei habe jeder Verein so seine Eigenheiten. Der Trachtenverein etwa habe aus Steckzwiebeln kleine Ansteckkränze geknüpft.

Der Kirchenchor stelle vor allem klassische Zöpfe mit spiralförmig angeordneten Zwiebeln her. Ausserdem einige Spezialitäten, wie etwa Zwiebelkränze und Zöpfe mit Kochlöffeln drin. Ihr sei dieses Handwerk von den älteren Frauen aus Oensingen beigebracht worden, erinnert sich Meise. Der Ursprung dieses Handwerks liege wahrscheinlich irgendwo im Mittelalter. Damals sei das wohl noch wegen der längeren Haltbarkeit gemacht worden.

Früher waren es mehr Vereine

«Mittlerweile stellen nur noch sehr wenige Leute die Zöpfe selbst her», bedauert Meise. Viele Vereine hätten für eigene «Zibelizöpf» nicht mehr genug Mitglieder. Der Trachtenverein etwa mache dieses Jahr zum ersten Mal seine Zöpfe nicht mehr selbst: «Der Trachtenverein wollte nicht auf auswärtige Helfer angewiesen sein. Deshalb haben sie die Fertigung der kleinen Kränzchen mit den Anstecknadeln an uns übergeben.»

Der katholische Kirchenchor ist schon seit 1968, dem Entstehungsjahr des «Zibelimäret», eifrig am knüpfen. «Gute drei Wochen lang sind wir eigentlich jeden Abend an der Arbeit, um pünktlich fertig zu sein», schätzt Meise die Arbeitszeit.

Nicht alle knüpfen selbst

Auch der Vogelherdclub Oensingen verkauft jedes Jahr seine «Zibelizöpf». Vorstandsmitglied Pirmin Bobst erzählt, woher die Zöpfe des Vogelherdclubs kommen. «Wir haben die Zöpfe gar nie selbst gemacht, das war eigentlich immer ein Aussenstehender. Aktuell beziehen wir sie von einem Bauern aus dem Seeland. Der baut die Zwiebeln selbst an und knüpft dann mit seiner Familie die Zöpfe. Auch er hat schon ans Aufhören gedacht, hat sich dann aber zum Glück anders entschieden», freut sich Bobst.

Zwiebeln in verschiedenen Grössen zu züchten, sei eine Kunst: «Je kleiner die Abstände beim Setzen, desto kleiner werden auch die Zwiebeln. Auf einem Feld müssen alle so gesetzt werden, dass alle benötigten Grössen heranwachsen. Das ist maschinell fast unmöglich. Für uns ist ausserdem die Form wichtig: Unsere Zöpfe bestehen eher aus flachen als aus runden Zwiebeln», erklärt der 39-Jährige.

Der lokal ansässige Bauer weiss, wovon er redet: Auch er erntet jedes Jahr Zwiebeln. Mit einem Teil seiner Ernte dient er dem katholischen Kirchenchor zum Knüpfen von «Zibelizöpf».

Andere Art als beim Kirchenchor

Die Zöpfe vom Vogelherdclub bestünden aber nicht nur aus Zwiebeln: «Unsere Zöpfe enthalten auch eine Reihe Knoblauch aus Frankreich. Wir benutzen ausserdem mehrere Zwiebelsorten. Die roten Zwiebeln sind als ‹Einheimische› bekannt, die Weissen als ‹Oensinger›. Auch werden unsere ‹Zibelizöpf› mit einer anderen Technik hergestellt: Während der Kirchenchor die Zwiebeln spiralförmig um ein Stäbchen ordnet, machen wir vier gerade Reihen.»

Oensingen war die «Zibeliburg»

Schon vor 1968 war der Zwiebelanbau in Oensingen sehr verbreitet: Viele Familien hätten sich mit diesem Nebenverdienst beispielsweise Häuser finanziert, erinnert sich Bobst. Die Männer seien arbeiten gegangen, die Frauen und Kinder hätten Zwiebeln geerntet. Seine Gattin ergänzt: «Früher sagten böse Zungen: Oensingen ist da, wo die Frauen im Frühjahr und Sommer ihr Hinterteil in der Höhe haben.»