Ramona Probst und Michel Anken wurden ihrer Favoritenrolle an der Schweizer Meisterschaft im Aerobic am letzten Wochenende in Willisau wieder einmal gerecht.

Auf eindrückliche Weise sicherten sich die Laupersdörferin und der Kestenholzer ihren dritten Titel in Serie: Mit der Maximalnote 10, die von den Zuschauern mit einer stehenden Ovation honoriert wurde. «Wir waren zu Tränen gerührt nach dem Titelgewinn», beschreibt Ramona Probst den einmaligen Moment.

Die 27-Jährige zeigte sich vor allem ob der grossen Resonanz, die auf den Titel-Hattrick folgte, beeindruckt: «Es ist ein Video von unserem Wettkampf im Umlauf, das bereits über 20 000 Leute gesehen haben. Das ist der Wahnsinn und etwas ganz Neues für uns beide. Ich hätte gerne ein paar Tage frei gehabt, um dies alles noch mehr zu geniessen und zu verarbeiten.»

Schweizer Meister SM Aerobic 2015 (Paar): Ramona Probst und Michel Anken  (DTV Laupersdorf/STV Niederbuchsiten

Der Auftritt der beiden an den Schweizer Meisterschaften

Beim Rückblick auf die SM ist beim Duo aber auch Wehmut zu spüren. Denn es war für sie der letzte Wettkampf als Paar. «Deshalb war die SM, auf die man während eines ganzen Jahres hinarbeitet, dieses Mal natürlich noch ein bisschen spezieller für uns», sagt Michel Anken.

Erst Konkurrenten, dann Traumduo

Was den Aerobic-Sport betrifft, bezeichnet sich Anken selbst als Spätzünder. Als 25-Jähriger stieg er im Jahr 2005 beim STV Niederbuchsiten ein. Die ersten Erfolge liessen nicht lange auf sich warten. Mit seiner damaligen Turnpartnerin Anja Müller wurde er 2009 Vize-Meister, im Folgejahr reichte es erstmals zum Sprung auf den obersten Podestplatz.

Zusammen mit seiner Schwester Alexandra Hebeisen gelang 2011 die Titelverteidigung. Ramona Probst war zu dieser Zeit seine Konkurrentin. Vor etwas mehr als zehn Jahren startete sie mit dem Aerobic. Wie Anken gewann sie 2009 ihre erste SM-Medaille im Paar-Aerobic. Zusammen mit Selina Jakob wurde sie Dritte. Mit Silber 2010 und Bronze 2011 reicherte Probst ihre Medaillensammlung weiter an.

Michel Anken und Ramona Probst strahlen nach ihrem dritten Titelgewinn.

Michel Anken und Ramona Probst strahlen nach ihrem dritten Titelgewinn.

2012 war dann das Schicksalsjahr für Probst und Anken. An der Schweizer Meisterschaft in Aarau – Anken wurde zusammen mit Julie Alitiloh Zweiter, Probst war «nur» mit dem Team am Start – kam es zur ersten zaghaften Kontaktaufnahme. «So richtig kennen gelernt haben wir uns kurz darauf während der Ausbildung zum Wertungsrichter», schildert Anken. «Wenn Ramona nicht gekommen wäre, hätte ich wohl schon nach der SM 2012 genug gehabt vom Paar-Aerobic.»

Im Januar 2013 setzten sich die beiden Cracks zusammen, um ihre Pläne zu konkretisieren. Danach gings Schlag auf Schlag. Sie hatten erst ein knappes halbes Jahr gemeinsam trainiert, als sie im Juni 2013 am 75. Eidgenössischen Turnfest in Biel bereits mit dem Festsieg triumphierten. «Wir haben uns auf sportlicher, aber vor allem auch auf menschlicher Ebene von Anfang an sehr gut ergänzt», ergründet Anken das Erfolgsrezept des Duos.

Entscheidend sei zudem das Vertrauen ineinander, das Zusammenspiel müsse blind klappen. Wenn dies gegeben sei, könne man im Paar-Aerobic nicht nur viel voneinander lernen, sondern auch neue Seiten an sich selber erkennen, so Anken, der anfügt: «Auch äusserlich hat es offenbar sehr gut gepasst. Die Wirkung auf das Publikum ist schliesslich sehr wichtig. Es war wohl einfach unser Schicksal, eine schöne Fügung.»

Schönerer Abschluss nicht möglich

Mit dem dritten Meistertitel in Serie, dem Triumph an der SM in Willisau vor sechs Tagen, geht die Ära des Duos Probst/ Anken nun also nach drei medaillenreichen Jahren zu Ende. «Der alte Mann kann nicht mehr», begründet der 37-jährige Michel Anken lachend. Im letzten Jahr war er unter anderem wegen einer beruflichen Weiterbildung bereits beim Team des STV Niederbuchsiten ausgestiegen. «Im Herzen würde ich gerne noch hundert Jahre weitermachen. Aber ein schönerer Abschluss wäre ja fast nicht mehr möglich.» 

Ramona Probst ergänzt: «Wir haben unseren Abgang ein Jahr lang aufgebaut, deshalb haben wir die SM am letzten Wochenende auch noch einmal viel intensiver erlebt.» Das Duo kostete den dritten und letzten Titelgewinn so richtig aus.

Ramona Probst und Michel Anken werden dem Aerobic-Sport aber auch nach ihrer Paar-Ära erhalten bleiben. Einerseits als Wertungsrichter an den Wettkämpfen. «Mein grosses Ziel ist es, an einer SM auch mal auf der anderen Seite zu sitzen», erklärt Anken. Andererseits wollen die zwei ihre Erfahrung an den Turnnachwuchs weitergeben. Anken kann sich momentan zwar nicht vorstellen, ein Team zu übernehmen und alleine zu leiten. Auf seine Unterstützung kann der STV Niederbuchsiten aber auf jeden Fall zählen.

Gerade hilft er den anderen Leiterinnen und Leitern des Vereins bei der Vorbereitung auf die Gymotion 2016. Diese wird am 16. Januar im Hallenstadion in Zürich über die Bühne gehen. Probst leitet seit längerer Zeit die Aktiven und die Jugend des DTV Laupersdorf. «Ich habe weiterhin Lust, mit meinen beiden Teams Spitzenresultate zu erreichen», ist ihr Ehrgeiz ungebrochen.

Sie freue sich aber auch auf mehr Freizeit, da die Paar-Trainings nun ja wegfallen: «Es ist schön, dass ich jetzt endlich wieder einmal ausschlafen kann an einem Samstagmorgen. Und in den Ausgang zu gehen, wäre auch wieder einmal etwas.»

Beide haben jetzt auch wieder etwas mehr Zeit für ihre Liebsten. Ohne diese wäre der Erfolg nicht möglich gewesen, ist Probst überzeugt. Und Anken pflichtet ihr bei: «Nicht nur unseren Familien und Freunden wollen wir von Herzen danken, sondern auch unseren beiden Stammvereinen DTV Laupersdorf und STV Niederbuchsiten.»