Warum muss am erst 2013 neu gebauten Perron wieder gewerkelt werden? Offenbar wurde nicht sauber gearbeitet. Im östlichen Teil des Perrons ist die Höhe für einen schrankenlosen Einstieg in die Zugkompositionen, welche auf diesem Bahnabschnitt verkehren, gewährleistet.

Doch im westlichen Abschnitt fehlen einige wenige Zentimeter. Oder wie es in der Mitteilung heisst: «Dieser Mangel wird nun im Rahmen von Garantiearbeiten behoben.» Deshalb wird nun der Perron eineinhalb Monate zur Baustelle und kann nicht mehr benutzt werden.

Der damalige Umbau hatte zur Folge, dass zumindest auf Gleis 1 der schrankenlose Zugang zu den Zügen ermöglicht wurde. Ganz anders sieht dies auf Gleis 2 aus. Ein Zugang beispielsweise mit einem Rollstuhl ist praktisch nicht möglich. Eine fehlende Rampe unter den Gleisen durch verhindert den direkten Zugang für Rollstuhlfahrer.

Wer aussen rum will, muss einen enormen Umweg eingehen. Zudem ist der stufenlose Einstieg auf dem südlichen Perron nicht möglich. Für Rollstuhlfahrer also ein fast unüberbrückbares Hindernis. Für Familien mit Kinderwagen zumindest mühsam.

Die SBB selbst teilen diese Ansicht, wie sie auf Nachfrage erklärt. «Per 31.12.2015 sind 54 Prozent der 747 SBB-Bahnhöfe behindertenkonform umgebaut worden», so Franziska Frey von der SBB-Medienstelle. Damit würden 72 Prozent aller Reisenden momentan abgedeckt werden. Doch in Egerkingen konnten diese Anpassungen noch nicht erledigt werden.

«Damit die SBB alle Bahnhöfe bis Ende 2023 behindertenkonform gestalten önnen, hat sie im Jahr 2014 ein entsprechendes Arbeitsprogramm gestartet. Bis Ende 2016 wird innerhalb des Programms ein Detailkonzept erarbeitet», erklärt Franziska Frey.

Ab 2023 behindertenkonform?

Darin werde definiert, wie und wann in den nächsten zehn Jahren die verbleibenden rund 340 Bahnhöfe mit baulichen oder organisatorischen Massnahmen behindertenkonform gestaltet werden können. Dabei würden die Finanzierung und die notwendigen Zeitfenster im Zusammenhang mit den anstehenden Bahnhofsumbauten die grössten Herausforderungen darstellen, so Frey weiter.

Für den Bahnhof Egerkingen heisst das: Voraussichtlich im Jahr 2023 wird der Umbau umgesetzt. Dabei sollen ein treppenfreier Zugang und eine Perronerhöhung gebaut werden, damit der ebene Einstieg in die Niederflurkompositionen der SBB möglich wird.