«Ich finde es bewundernswert, wie die Migros in zukunftsgerichtete Projekte investiert, meinte die Energieministerin bei ihrem Besuch am Gründonnerstag zur Fotovoltaik-Anlage, welche auf dem Dach der Migros-Verteilbetrieb Neuendorf AG (MVN) für 13,3 Mio. Franken realisiert wird. Die schweizweit grösste Anlage mit einer Gesamtfläche von 32 000 Quadratmeter soll ab August Strom für rund 1000 Einfamilienhäuser liefern. «Dieses Projekt macht deutlich, dass die Verantwortlichen der Migros nicht warten, bis klar ist, wie hoch die Subventionen für ihr Projekt ausfallen werden. Sie handeln und gehen damit ein finanzielles Risiko ein. Das ist echtes Unternehmertum, das Respekt verdient», meinte die Bundesrätin in Richtung von Herbert Bolliger, Präsident Migros-Genossenschafts-Bund und MVN-Geschäftsleiter Hans Kuhn.

Als vorbildlich bezeichnete Leuthard ferner die Rolle der Migros beim vom Bundesamt für Energie unterstützten Pilotprojekt FlexLast, an welchem auch die BKW Energie AG, die IBM Schweiz und die Swissgrid beteiligt sind. Bei diesem Projekt soll geklärt werden, ob Kühlhäuser während den Produktionsspitzen mehr Strom aufnehmen und die Innentemperatur absenken. Herausfinden will man insbesondere, wie lange während dieser Produktionsspitzen der Strom abgeschaltet werden kann, ohne dass die Kühlprodukte darunter leiden. Kühlhäuser könnten auf diese Weise als Energiepuffer für das Stromnetz dienen und durch den Ausgleich von Angebot und Nachfrage zur Stromnetzstabilisierung beitragen, wie erwähnt wurde.

Grosses Sparpotenzial

Durch vernetztes Denken und Handeln, wie dies die am Projekt beteiligten Unternehmen tun, könnte der Stromverbrauch für Kälteanlagen schweizweit um rund 20 Prozent gesenkt werden, rechnete Leuthard vor. Insgesamt verbrauchen Kälteanlagen jährlich rund 8 Mia. Kilowattstunden. «Das sind immerhin 14 Prozent des gesamten Stromverbrauchs», so die Energieministerin.

Leuthard zeigte sich in ihrer von Regierungsrätin Esther Gassler sowie weiteren Gästen aus der Solothurner Politik interessiert verfolgten Rede überzeugt, dass mit vernetztem Denken auch die vom Bund propagierte Energiewende herbeigeführt werden kann. Nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt. Etwa durch Effizienzsteigerung von Geräten und Maschinen im Alltag sowie in der Industrie und im Gewerbe.
Effizienzsteigerung sei der wichtigste Faktor überhaupt. Und Leuthard ist überzeugt: «Die Schweizer sind bereit für die Energiewende, die Frage ist nur, wie viel Staat es braucht, um diese auch herbeizuführen.» Gefragt sei nun auch die Wirtschaft.

Greifbares geschaffen

Gerade darum könne das Engagement der Migros nicht hoch genug eingeschätzt werden: «Es ist ein Leuchtturmprojekt, das ich gerne bewerben werde und sicherlich auch im Ausland von sich reden machen wird.» Auch weil das Projekt Impulse auf die Bevölkerung übertrage, die es brauche, um in der Sache weiterzukommen. Das sei auch ein Verdienst der Migros. «Sie hat es geschafft, etwas Greifbares zu schaffen», so Leuthard.