«Aufgrund der Aufhebung der Postfachanlage an der Dorfstrasse 47 kündigen wir Ihnen Ihr Postfach per Ende Oktober 2014.» Mit diesem Schreiben der Schweizerischen Post, welches der Redaktion vorliegt, wurde der ehemalige Wangener Gemeindeschreiber Ruedi Leuenberger Ende September überrascht. Er ist sich sicher, dass er nicht der Einzige sei, der von dieser Nachricht überrumpelt wurde.

Recherchen dieser Zeitung haben ergeben, dass es nicht nur um den Standortwechsel, der in Wangen per Mitte November erfolgen soll, geht, sondern viel mehr um die Wirtschaftlichkeit dieser kostenlosen Fächer – und dies in der ganzen Schweiz: «Die Kunden nutzen die Postfächer immer weniger regelmässig und viele haben tendenziell immer weniger Sendungen. Dies hat zur Folge, dass nicht mehr alle Postfächer wirtschaftlich betrieben werden können», erklärt die Mediensprecherin der Post, Nathalie Dérobert Fellay. Die Mindestmenge für ein kostenloses Postfach wie jenes von Ruedi Leuenberger, beträgt durchschnittlich 15 adressierte Briefe pro Woche (Montag bis Freitag). «Es kann gut sein, dass ich weniger als 15 Briefe pro Woche erhalte. Ich habe nicht nachgezählt», meint Leuenberger, der das Postfach zuerst geschäftlich und später nur noch privat nutzte.

Weniger Fächer

Am alten Standort in Wangen gibt es 200 belegte Postfächer. Laut der Post steht jedes zweite Postfach in der Schweiz leer. Grund dafür sei die Geschäftskorrespondenz, die heute vor allem online stattfinde. Daher müsse sich die Post dem Wandel der Kundengewohnheiten anpassen. Wird es also am neuen Standort auf dem früheren Casino-Areal nur noch 100 Fächer geben? Die genaue Zahl ist noch nicht bekannt. Sie hängt vom «Nutzungsverhalten und von wirtschaftlichen Kriterien» ab. Es werden aber deutlich weniger sein. Auf jeden Fall können die Kunden, die genügend Briefe pro Woche erhalten, ihre Post in Zukunft am neuen Standort abholen.

Im Kündigungsschreiben, das Ruedi Leuenberger erhielt, heisst es weiter, dass als Alternative eine Hauszustellung angeboten werde. Dies bestätigt auch die Mediensprecherin: «Die Kunden können sich ihre Post an ihre Domiziladresse zustellen lassen. Die Post leitet die Sendungen, die noch mit der bisherigen Postfachadresse versehen sind, während zwölf Monaten kostenlos weiter.» Auch sei eine elektronische Zusendung möglich. Das kommt für den langjährigen Gemeindeschreiber aber nicht infrage: «Nun werde ich mir die Post halt normal zustellen lassen und habe sie statt um sieben erst um zehn Uhr.» Stören tue ihn viel mehr das Vorgehen der Post. Bedauern oder eine Entschuldigung ist in diesem Kündigungsschreiben nämlich nicht anzutreffen. In einem Brief wandte er sich deshalb an den Leiter der Briefzustellregion Olten. Heute Freitag soll jener sich bei Leuenberger melden. Dieser ist gespannt.