Salzlecken
Dieser «Schleckstängel» vermag es, Wildtiere von den Strassen wegzulocken

Der Unterhalt von Salzlecken gehört zu den Arbeiten aller Jäger. Salz ist vor allem für die vegetarisch lebenden Tiere notwendig. Viele Rehe lecken deshalb im Winter das Salz von den Strassen - teilweise ein gefährliches Unterfangen.

Roland Büttiker
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Pächter Bruno Aerni mit seinem Springerspaniel Mira bei der Kontrolle der Salzleckstellen im Revier Gäu. zvg

Pächter Bruno Aerni mit seinem Springerspaniel Mira bei der Kontrolle der Salzleckstellen im Revier Gäu. zvg

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Wie der Mensch benötigt auch Schalenwild, Hase, und Federwild Salz. Salz enthält Mineralstoffe. Der Organismus kann Mineralstoffe nicht selbst herstellen und bestimmte Wildtiere müssen diese Stoffe über die Nahrung aufnehmen.

Mineralstoffe wirken an vielen physiologischen Abläufen im Tierorganismus mit. Bei der Verwertung der Nahrung, Verhinderung von Stoffwechselerkrankungen und zur Steigerung der Widerstandskraft ist es wesentlich beteiligt. Während der Bast-, Trage-, Säugezeit und des Haarwechsels des Rehwildes besteht ein erhöhter Bedarf.

Erstellen einer Salzleckstelle

Bei der Platzierung von Salzleckstellen wählt man Orte im Revier, an denen sich das Wild von Natur aus gern aufhält. Ausser den Tageseinständen kommen vor allem geschützte Stellen auf Waldwiesen und stillen Schneisen infrage.

Für das Erstellen einer Salzleckstelle wird ein stärkerer Baumstamm genutzt, der auf etwa 1,2 m Höhe abgesägt und entrindet wird. Darauf wird der Salzzylinder gut verankert. Das Rehwild kann jetzt direkt die Salzlecke verwenden. Bei Regen läuft das Salz den Stamm hinunter, sodass auch die kleineren Wildtiere an das Salz gelangen können.

Die Bestückung der Salzleckstellen erfolgt im Frühling. Das Salz steht dann den ganzen Sommer über zur Verfügung und ist im Spätherbst meist verbraucht und wird dann aber nicht mehr ersetzt. Das ins Holz eingedrungene Mineral wird das Wild ohnehin noch längere Zeit beschäftigen. Wichtig ist, dass die Salzlecken im Frühling überprüft und wenn nötig ersetzt werden. Im Revier Gäu mit seinen knapp 400 ha Wald sind es 30 Salzlecken, die im Wald des Reviers verteilt sind. (rb)

Die Tiere nehmen dabei nur so wenig gelöstes Salz auf, wie sie es brauchen. Deshalb kann dem Wild über das ganze Jahr Salz angeboten werden. Führende Rehgeissen sind vermehrt auf Mineralstoffe angewiesen, da auch die Milch mit den Nährstoffen entsprechend ausgestattet werden muss. Das ist vor allem bei der jetzt kommenden Aufzuchtzeit der Jungtiere ab Anfang Mai besonders wichtig.

Für Raubtiere wie zum Beispiel dem Fuchs gibt es diesbezüglich keine Probleme, denn seine Hauptnahrung, Fleisch und Blut, enthält Salz in hoher Konzentration.

Salzleckstein, so sieht er aus: Er hat einen Durchmesser von 16 cm und ist 14 cm lang.

Salzleckstein, so sieht er aus: Er hat einen Durchmesser von 16 cm und ist 14 cm lang.

Wenn einseitige Bewirtschaftung der land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen oder arme Böden die Artenvielfalt stark einschränken und somit Wildkräuter als natürliche Salzspender fehlen, kann die Widerstandskraft geschwächt werden. Die Wildtiere merken deshalb rasch, wenn künstliche Salzlecken vorhanden sind, und lassen sich nicht zweimal bitten, diesen leichten Zugang zu einer wichtigen Nahrungskomponente zu nutzen.

Salz zieht Rehe an die Strasse

Mark Struch, wissenschaftlicher Mitarbeiter, bei der kantonalen Fischerei- und Jagdaufsicht bestätigt, dass vor allem Schalenwild die Strassen im Winter häufig aufsuchen, um Mineralstoffe über das Strassensalz aufzunehmen. Dieses Verhalten kann gebietsweise das Fallwild auf der Strasse erhöhen. Im Kanton Solothurn fallen jährlich gut 300 Rehe dem Strassenverkehr zum Opfer. Schweizweit lassen jährlich 8000 Rehe ihr Leben auf den Strassen.

Auch im Revier Gäu ist Fallwild ein grosses Thema. Jährlich sterben in diesem Revier um 20 Rehe an den Folgen eines Autounfalles. Deshalb wird versucht, mit einer guten Positionierung der Salzlecken die Rehe von den Strassen wegzulenken. Für das Revier Gäu, das die Gemeindegebiete Boningen, Fulenbach, Gunzgen und Härkingen umfasst, ist Pächter Bruno Aerni für die Kontrolle der Salzlecken verantwortlich. Bruno Aerni erklärt: «Salzlecken müssen immer in gebührendem Abstand zur Strasse installiert werden. Denn nur so kann man versuchen, das Schalenwild an bestimmte Revierteile zu fesseln und sie von Strassen und Bahnlinien ablenken.» Angesprochen auf das Fallwild antwortet Bruno Aerni: «Wenn durch die Salzlecken auch nur ein Tier gerettet werden kann, hat sich die Arbeit bereits gelohnt.»