Auf dem Bio-Betrieb von Thomas Winistörfer in St. Wolfgang – einem Weiler von Balsthal – sind die Rhabarberfelder mit einer Gesamtfläche von 175 Aren nicht zu übersehen.

Sie sehen von oben aus wie eine stark gekräuselte, dunkelgrüne Wasseroberfläche eines Sees bei starkem Wind. Bei näherem Blick entdeckt man aber unter den grossen Blättern die rot leuchtenden Stängel. Jetzt läuft die Erntezeit für diese kantigen und fleischigen Stiele, welche von Ende April bis zum 24. Juni – dem Johannestag – geerntet werden können. Nachher beginnt für die Pflanzen die Ruhe- und Regenerationszeit. Winistörfer beschäftigt sich nebst der Milchwirtschaft seit zwanzig Jahren mit dem Anbau von Bio-Rhabarbern: eine Leidenschaft.

Erntehelfer im Einsatz

Das Ernten geschieht so: Der Arbeiter zupft den Rhabarberstängel, scheidet die Blättchen am Stängelansatz weg und entfernt das grosse Blatt am Kopf mit zwei gezielten Schnitten. Ein bisschen Grünes belässt der Erntehelfer am Stängel, damit dieser weniger austrocknet. Anschliessend werden die Stängel in grüne Harassen gelegt die sich auf dem Traktoranhänger stapeln. Die abgeschnittenen Pflanzenteile bleiben liegen und dienen als Dünger.

Für diese Erntearbeit hat Biobauer Winistörfer eine Gruppe von Erntehelfern angestellt. Diese Helfer kann er nach Bedarf aufbieten. In der Regel findet die Ernte auf den Feldern des Balsthaler Bauern morgens statt. Seine Helfer bietet Winistörfer dann auf, wenn eine Bestellung aus Kerzers von Terraviva bei ihm eingeht. Terraviva ist eine Bio-Produzentenorganisation mit über 80 aktiven Biofrüchte- und Gemüseproduzenten. Bei einem Augenschein auf den Feldern am Fusse der Ruine Neu-Falkenstein erklärt Thomas Winistörfer: «Heute liefern wir zwei Palette à 48 Harassen, was einer Menge von rund 850 Kilogramm Rhabarber entspricht.» Auf seinem Hofgut erntet er zwischen Frühling und Sommer zwei- bis dreimal pro Woche. In Kerzers werde dann die Verteilung zu den verschiedensten Abnehmern vorgenommen. Kleinere Mengen verkauft Winistörfer direkt ab Hof.

Rhabarberwähe als Leibspeise

Rhabarber sei eine ganz spezielle und sehr alte Kulturpflanze, weiss der Biobauer. Sie verlangt von Winistörfer und seinem Team sehr viel Handarbeit. Umso mehr, als er im Bio-Landbau keine synthetischen Hilfsmittel verwenden darf. Es muss vor allem sehr viel gejätet werden, damit die Pflanzen genug Platz und Licht bekommen. Übrigens sei der Rhabarber ein Gemüse – keine Frucht, sagt der Spezialist. Die empfohlene tägliche Ration Gemüse könne also auch mit Rhabarber abgedeckt werden, lacht der Bauer. Die Gemüsepflanze benötigt sehr viel Wasser. «Der Klimawandel, das heisst zunehmend lange Trockenperioden, ist in meinem Betrieb ganz stark zu spüren», sagt Winistörfer hierzu. «Gottlob» könne er immer noch Wasser aus dem nahe vorbeifliessenden Mümliswilerbach entnehmen. Dafür sei er sehr dankbar.

Nach dem Einsetzen der Stecklinge, welche aus den alten Wurzelstöcken geschnitten werden, dauert es drei Jahre, bis er die ersten Stängel ernten kann. Danach kann der Bauer sieben Jahre lang Rhabarber ernten. Erntereif für die Geschäfte sind sie, wenn die Stängel eine Länge von rund 50 Zentimetern aufweisen. Am Ende der Saison erfolgt das Abernten der sogenannten Industrie-Rhabarber für die Nahrungsmittelindustrie. Dazu spielt die Länge der Stängel keine Rolle mehr. Nach dem Düngen des Feldes mit Hof- und Biodünger lässt Winistörfer die Pflanzen ruhen, damit sie wieder zu Kräften kommen. Der Bio-Bauer blickt auf seine Rhabarberfelder und sagt: «Für mich ist der Anbau von Rhabarber eine ganz gute Sache.» Er esse die Rhabarbern noch immer sehr gerne. Am liebsten ist ihm die Rhabarberwähe.