Härkingen

Diese Notfallsanitäterin mit Fledermausflair versorgt verletzte Wildtiere

Beatrice Spielmann vor ihrem Tierrettungs-Auto, welches sie eigens dafür angeschafft hat.

Beatrice Spielmann vor ihrem Tierrettungs-Auto, welches sie eigens dafür angeschafft hat.

Beatrice Spielmann ist Tier-Notfallsanitäterin und betreibt die kantonale Pflegestelle für Fledermäuse.

«Andere bezeichnen es als Hobby», sagt Beatrice Spielmann. «Von der Tierrettung kann man nicht leben – gerade wenn man sich, wie ich, auf Wildtiere spezialisiert hat.» Spenden bekomme sie wenig. «Einmal gabs 15 Franken, als ein kleiner Vogel aus dem Nest gestürzt war. Manchmal zahlt auch jemand etwas ans Futter.»

Seit rund zwei Jahren ist die 50-Jährige unter dem Namen «Tierrettung Härkingen» unterwegs, versorgt verletzte Tiere notfallmässig und bringt sie zum Tierarzt. Der Betrieb wächst von Jahr zu Jahr – ganz in dem Tempo, in dem es ihre Finanzen zulassen. Denn Spielmann hat für ihre Einsätze zwar einen gewissen Preisansatz, doch muss sie ohne Subventionen auskommen. Das Auto mit dem Tierrettungsemblem und das benötigte Material hat sie sich auf privater Basis gekauft oder teilweise geschenkt bekommen.

Auffangstation für Fledermäuse

Beatrice Spielmann wuchs in Olten auf und hatte stets Tiere um sich. «Wir hatten Hamster, Meerschweinchen, einen Nymphensittich, Katzen und einen Hund.» Die Tierwelt habe sie schon immer fasziniert: «Alle Tiere sind auf ihre Art interessant». Nach der Schulzeit liess sich Spielmann zur Tierpflegerin ausbilden. Es folgten Einsätze im Hundeheim und Tierschutzaussendienst, eine Postlehre und diverse Weiterbildungen zu Hundeverhalten, Pflege und Aufzucht von Igeln und Fledermäusen. 2013 absolvierte Beatrice Spielmann einen Notfallkurs für Haustiere, ein Jahr später bildete sie sich in Deutschland in Tiernotfallsanität weiter. Laut Spielmann «etwas zwischen Tierpfleger und einem Tierarzt, der nicht alles darf.

In der Schweiz gibt es diese Ausbildung so nicht». Was die Tierrettung angeht, seien «die Deutschen» auf Vereinsbasis organisiert und «grösser und flächendeckender aufgestellt als in der Schweiz». In der Region gibt es zwar Tierarztpraxen mit Notfalldienst, aber ausser jener von Spielmann nach eigenen Aussagen keine Tierrettung. In Zürich und St. Gallen schon.
Bei ihren Einsätzen hat es Beatrice Spielmann meist mit Wildtieren zu tun. «Tierärzte haben keine Wildtierausbildung. Ich darf mich allerdings nur um die Notversorgung der Tiere kümmern.» Sie bietet keine Auffangstation für grosse Tiere an. «Dafür habe ich keinen Platz.»

«Tiere in Ruhe lassen»

Sie habe bisher nie ausgesetzte Tiere bekommen, sagt die Mutter von drei erwachsenen Kindern. Für diese Fälle sind Tierschutz oder Polizei die Anlaufstelle. Ansonsten pflegt sie eine Zusammenarbeit beispielsweise mit der Tierarztpraxis am Homberg in Wangen, der Oltner Vogelvolière oder der Solvet Tierärzte AG in Egerkingen. Oft erhält Beatrice Spielmann auch Fahraufträge von «Besitzern, die nicht selber mit ihrem kranken Tier zum Arzt fahren können». Mehr Anrufe zur Auskunftserteilung als zu Notfalleinsätzen erhält sie von Findern von flug- oder bewegungsunfähigen Wildtieren. Dies vor allem im Frühling oder Herbst. «Die Tiere wissen noch nicht, wohin sie gehören oder suchen einen Platz für den Winter.» Spielmann rät den Anrufern, «die Tiere in Ruhe zu lassen, bis sie ihren Platz gefunden haben».

Die Beantwortung der Frage nach besonders erinnerungsträchtigen Einsätzen fällt Beatrice Spielmann schwer. Amüsant fand sie den Fall eines Hundes, der einen Abhang hinuntergerollt war und nicht mehr nach oben kam. «Die Besitzerin war so erschrocken und dachte, er hätte sich den Rücken gebrochen oder dergleichen. Sie verstand nicht, dass der Hund sie nur an der Nase herumführte und sich sehr wohl hätte bewegen können.»

Zu den Richtpreisen: Beatrice Spielmann hat die Ansätze für ihre Dienstleistungen mit verschiedenen Ärzten und Tierheimen verglichen und angepasst. So beträgt beispielsweise die Einsatzpauschale 25 Franken, der Stundenansatz 40 Franken.

Seit «zwei, drei Jahren» arbeitet Beatrice Spielmann in einem Teilzeitpensum als Tierpflegerin im Oltner Tierpark Mühletäli. «Ab und zu» wird sie auch als Referentin für Schulvorträge oder Ferienpässe zu den Themen «Wildtiere» oder «Fledermäuse» engagiert. Würde sie finanziell gerne von der Tierrettung leben können? «Wenn es möglich wäre, ja. Das wäre aber ein weiter, sehr harter Weg.»

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