Die Aufnahme von Asylsuchenden sorgt in vielen Gemeinden für kontroverse Diskussionen und Ängste in der Bevölkerung vor Leuten aus anderen Kulturen. Nicht so in Wolfwil, wo seit bald 20 Jahren Flüchtlinge leben. Seit 2007 werden Asylsuchende in einem von der Gemeinde erworbenen Haus am Gerstenacker untergebracht.

Weil sich die mittlerweile 116 Jahre alte Liegenschaft in einem desolaten Zustand befindet und eigentlich nicht mehr bewohnbar ist, musste sich der Gemeinderat mit der Zukunft des abbruchreifen Hauses befassen. Aktuell leben dort 15 Personen.

Neubau bietet mehr Platz

Der vom Rat eingesetzte Ausschuss «Asylzentrum» kam zum Schluss, dass sich eine Sanierung nicht mehr lohne, und empfahl den kompletten Abriss des Hauses sowie den Bau eines neuen Asylzentrums am selben Standort. Die Kosten für den Neubau werden mit 887 000 Franken veranschlagt.

Im Erd- und Obergeschoss des 13,6 Meter langen und 8,35 Meter breiten Gebäudes sollen zwei baugleiche Wohneinheiten für insgesamt 20 asylsuchende Menschen eingebaut werden. Mit einer Unterkellerung soll Stauraum für Möbel sowie Lagerraum für die Einwohnergemeinde geschaffen werden, wie die zuständige Gemeinderätin Sabin Ackermann im Rat bei der Erörterung des Vorprojekts erwähnte.

Das Untergeschoss soll in Beton ausgeführt werden. Für Wände und Decken im Erd- und Obergeschoss werden Holzelemente aus in Schichten verleimten Fichtenlamellen verwendet. Diese können innen so belassen und aussen mit einer Wärmedämmung sowie einem Verputz versehen werden.

Der Treppenaufgang aus Metall ist auf der Vorderseite geplant. Ackermann betonte, dass es sich um einen einfachen und zweckmässigen Bau handelt. Dieser sei so konstruiert, dass er bei Bedarf in ein 2-Familien-Haus ungebaut werden könnte. Die Bauzeit soll maximal sechs Monate betragen.

Solide Finanzierung

Die Finanzierung soll mit dem Verkauf des Grundstücks bestritten werden, auf welchem die Asylunterkunft steht. Dafür soll das total 2670 m2 grosse Landstück in fünf Parzellen aufgeteilt und vier davon für insgesamt 656 000 Franken zum Verkauf angeboten werden.

Bei der Beratung des Geschäfts wurde erwähnt, dass bei einer Belegung mit
20 Personen mit jährlichen Einnahmen von 70 000 Franken vonseiten des Kantons gerechnet werden könne. Damit stehe die Finanzierung des Gebäudes auf insgesamt gesunden Beinen.

Der Gemeinderat genehmigte das Projekt zuhanden der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 16. März. Die Arbeiten sollen vornehmlich durch einheimische Unternehmen ausgeführt werden. Gemeindepräsident Georg Lindemann meinte, dass sich der Rat gut auf diese Versammlung vorbereiten müsse, um allfälligen Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen begegnen zu können.

Probleme mit Asylsuchenden gibt es im Dorf seit rund zehn Jahren keine mehr, wie Gemeindeschreiber Paul Jäggi auf Anfrage erklärt. Noch nicht gelöst ist die Unterbringung der jetzigen Bewohner während der sechsmonatigen Bauzeit. Der Rat ist zuversichtlich, dafür leerstehenden Wohnraum im Dorf zu finden.