Pension
Diese beiden sagen der Schule Kappel adieu

Die Lehrkräfte Monica Girard und Ferruccio Bassetti verlassen die Schule Kappel und gehen nach 38 beziehungsweise 45 Jahren in die verdiente Pension.

Therese Chrétien
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Monica Girard und Ferruccio Bassetti

Monica Girard und Ferruccio Bassetti

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Monica Girard, Lehrerin für Textiles Werken, unterrichtete gut 38 Jahre in Kappel, Ferruccio Bassetti, Primarlehrer, sogar etwas mehr als deren 45. Während dieser vielen Jahre gab die Schule den Takt ihres Lebens vor. Dass es so viele Jahre wurden, ist nicht zuletzt dem guten Arbeitsklima zuzuschreiben, wozu die beiden stets ihren Teil beigetragen haben.

1975 wurde Monica Girard als Arbeitslehrerin nach Kappel berufen, zu einer Zeit, als die sogenannte Arbeisschule ausschliesslich von den Mädchen besucht und dem Stricken, Häkeln und Nähen eine zentrale Bedeutung beigemessen wurde. Zum einen das Infragestellen der Geschlechterrollen, zum anderen die Überflutung des Landes mit billigen Importtextilien führten dazu, dass der Urzweck dieses Schulfaches seit Langem schon nicht mehr verfolgt wird. Folge davon: Das «Werken 1» steckt in einer Identitätskrise und bietet immer wieder eine Angriffsfläche für Rotstiftpolitiker.

Diesen Sinneswandel hat Monica Girard hautnah miterlebt. Sie machte das Beste daraus. Dank ihrer künstlerischen Ader und einem ausgesuchten Geschmack für Formen und Farben hat sie ihrem Unterricht neue Impulse gegeben und manchem Schulprojekt ihren Stempel aufgedrückt, so vor einem Jahr, als sie sich für das Kostümbild bei der Aufführung des Musicals «Ein Pirat im Internat» verantwortlich zeichnete. Unvergesslich bleibt auch ihr Einsatz, als sie vor geraumer Zeit für die Schul- und Kindergartenkinder über 200 Till-Eulenspiegel-Narrenkappen zuschnitt, nähte und ausstopfte. Monica Girard ist eine unkomplizierte, belastbare Frau, die keinerlei Mühe scheut. Immer, wenn es galt, bei Schulanlässen die Ärmel hochzukrempeln – bestuhlen, dekorieren, abräumen –, sah man sie an vorderster Front. Man musste sie nie auffordern.

Nachdem sie 1975 ihr erstes Schulzimmer im alten Schulhaus – die heutige Gemeindeverwaltung – bezog, heisst es nun vom «Bornblick» Abschied nehmen. Die Nachfolgerin ist bestimmt, das Leben geht weiter.

1968 herrschte akuter Lehrermangel. Der Kanton teilte den Gemeinden die Junglehrerinnen und Junglehrer zu. So kam Ferruccio Bassetti, ohne sich für die Stelle bewerben zu müssen, noch nicht 20-jährig, nach Kappel. Das neue Schulhaus war ein halbes Jahr zuvor eingeweiht worden, und er hatte die gemischte fünfte/sechste. Klasse zu übernehmen.

Für die Kappeler Schülerinnen und Schüler fanden damals die Übertrittsprüfungen in die Oberstufe an drei verschiedenen Orten statt: in Olten die Gym-, in Hägendorf die Bez- und in Gunzgen die Sek-Prüfung. Vorschlagsnoten gab es keine. Allein das Prüfungsresultat zählte. Wer keine Prüfung bestand, besuchte die Oberschule in Kappel – damals gängige Verhältnisse, die heute seltsam anmuten.

1972 heiratete Ferruccio Bassetti die Vorgängerin von Monica Girard, Fräulein Pia Pfluger. Die Anrede «Fräulein» war damals für ledige Frauen Standard. 1986 stellte Ferruccio Bassetti fest, dass Toni Ulrich, damals Lehrer an der dritten/vierten Klasse, einem Wechsel an die fünfte/sechste Klasse nicht abgeneigt war. So tauschten die beiden Lehrer die Stufen.

Dieser Wechsel bekam dem pflichtbewussten Ferruccio Bassetti gut. Befreit vom Prüfungsdruck, der ihn dazu getrieben hatte, von seinen Schulkindern «auf Teufel komm’ ’raus» das Maximum herauszuholen, entwickelte er sich zu einem ausgesprochen kreativen, umsichtigen Lehrer, der seinem Unterricht eine ganz persönliche Note verlieh. Ausser dem obligatorischen Mathematik-Lehrmittel verwendete er von nun an ausschliesslich Lehr- und Arbeitsmaterial der Marke Eigenproduktion. Er gestaltete den Unterricht so, dass jedes Kind individuell arbeiten konnte. Er übernahm gerne gemischte Klassen, und es machte ihm nichts aus, zwischen den Stufen zu switchen. Das forderte, motivierte ihn immer wieder aufs Neue.

In der KAZ, der Kappeler Schulzeitung, profilierte Ferruccio Bassetti sich mit der Gestaltung der letzten Seite. In Versform schilderte er jeweils eine meist heitere Episode aus dem Kappeler Schulalltag. Der Wortakrobat bereicherte auch so manchen Moment im Alltag mit seinen Sprüchen.

1968 bezog Ferruccio Bassetti das Schulzimmer 21 und wirkte bis zu diesen Sommerferien darin. Dass es nun bald heisst, Abschied zu nehmen, wurde ihm spätestens vor zwei Jahren bewusst: Eine seiner Schülerinnen teilte ihm mit, ihr Grossvater sei schon zu ihm zur Schule gegangen.

Zwei stille Schaffer, die beileibe nicht das Rampenlicht suchen, gehen in Pension. Sie haben ihre Arbeit mit grossem Engagement im Dieste der Einwohnergemeinde Kappel geleistet und der Kappeler Schule bis zum Schluss die Stange gehalten. Für einmal standen sie anlässlich der Schulschlussfeier im Mittelpunkt.