Verwaltungsgericht
«Die Zukunft der Firma steht auf dem Spiel»

Die Nachbarn der von Rohr Holzbau AG sind der Ansicht, dass der Holzbaubetrieb zu viel Lärm mache. Deshalb ziehen sie vor Gericht und erzwingen die Einstellung des Lagerbetriebs. Nun steht die Zukunft des Betriebs mit 40 Beschäftigen auf dem Spiel.

Erwin von Arb
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Bruno von Rohr vor der Lagerhalle (siehe auch Bild unten), welche ab März 2019 nicht für die Lagerung von Halbfabrikaten genutzt werden darf.

Bruno von Rohr vor der Lagerhalle (siehe auch Bild unten), welche ab März 2019 nicht für die Lagerung von Halbfabrikaten genutzt werden darf.

Remo Fröhlicher

Die von Rohr Holzbau AG hat ihren Betrieb seit 98 Jahren an der Bleumattstrasse/Bahnhofstrasse in Egerkingen. Nun ist der Standort durch die Intervention der beiden Nachbarn an der Bleumattstrasse infrage gestellt. Bruno von Rohr versteht darob die Welt nicht mehr. Nach 31 Jahren darf das Familienunternehmen die westlich an den Holzbaubetrieb angegliederte Halle nicht mehr für Lagerzwecke nutzen.

Verfügt hat die Einstellung des Lagerbetriebs ab Ende März 2019 das Verwaltungsgericht, weil sich die Lagerhalle in der Wohnzone befinde. Die Lagerung der Halbfabrikate könne stattdessen im Gebiet Weiermattstrasse/Bifangstrasse erfolgen, wo die von Rohr Immobilien AG ein Landstück mit zwei Hallen besitze, befand das Gericht. Begründet wird das Urteil damit, dass die aktuelle Nutzung der Halle nicht mehr jener aus dem bewilligten Baugesuch von 1986 entspreche und eine Bewilligung für eine Umnutzung, weil nicht zonenkonform, nicht erteilt werden könne.

Die Lagerhalle darf ab März nicht mehr für die Lagerung von Halbfabrikaten genutzt werden.

Die Lagerhalle darf ab März nicht mehr für die Lagerung von Halbfabrikaten genutzt werden.

Zur Verfügung gestellt

Nachbarn gaben Einverständnis

Die 24 Meter lange, 18 Meter breite und 4,5 Meter hohe Holz-Lagerhalle konnte 1986 im Einverständnis der Nachbarn in der Wohnzone gebaut werden, um darin Schnittholz aus der Sägerei vor der Weiterbearbeitung zu lagern. Nach der Einstellung des Sägereibetriebs im Jahr 1999 wurde die Halle für die Lagerung von Holz-Halbfabrikaten sowie für die Abstellung von Firmenfahrzeugen genutzt.

Reklamationen gab es erstmals im Jahr 2014 im Rahmen der laufenden Ortsplanungsrevision. Die Nachbarn beschwerten sich bei der lokalen Behörde wegen des von der Halle ausgehenden Lärms sowie deren geänderter Nutzung. Die Baubehörde verlangte in der Folge von der von Rohr Immobilien AG als Besitzerin der Firmenliegenschaft ein Umnutzungsgesuch. Diese reichte das geforderte Gesuch inklusive Lärmgutachten und Wirtschaftlichkeitsbeurteilung ein. Dies in der Überzeugung, dass der Lagerzweck trotz der wirtschaftlich veränderten Nutzung noch der Bewilligung von 1986 entsprach.

Kanton stützte Baukommission

Auf Einsprache der Nachbarn wies die Baukommission das Umnutzungsgesuch wegen fehlender Zonenkonformität ab und verlangte, es sei der Zustand zur Zeit der Bewilligung der Halle von 1986 wiederherzustellen. Dass dies aufgrund der wirtschaftlich veränderten Lage nicht möglich sei, habe bei den Nachbarparteien ebenso wenig Gehör gefunden, wie die seitens der von Rohr Immobilien AG eingereichten Vorschläge für bauliche Lärmschutzmassnahmen, erinnert sich Bruno von Rohr.

Eine Beschwerde gegen den Entscheid der Baukommission blieb ohne Erfolg. Das Bau- und Justizdepartement (BJD) stützte die Entscheide der Vorinstanz. Sie hatte bezüglich der Halle befunden, dass eine mässige störende gewerbliche Nutzung vorliege, welche in der Wohnzone nicht zulässig sei. Die 1986 erfolgte Bewilligung sei aufzuheben respektive der damalige Nutzungszustand wieder einzurichten, so das BJD.

Das abschliessende Urteil des Verwaltungsgerichts erachtet Bruno von Rohr als unangemessen, zumal die Lagerhalle wegen ihrer Nähe zum Produktionsbetrieb aus betriebswirtschaftlicher Sicht von grosser Bedeutung sei. Mit der vom Gericht verfügten Stilllegung des Lagers werde die Existenzgrundlage des Betriebs mit aktuell 40 Beschäftigen gefährdet.

Die Auslagerung der Halbfabrikate in die bestehenden Lagerhallen im Gebiet Weiermattstrasse/Bifangstrasse sei mit hohen Kosten verbunden und unwirtschaftlich, bemerkt von Rohr. Keine besonders gute Lösung aus verkehrstechnischer Sicht sei ferner, dass der Werkverkehr zwischen dem Produktionsbetrieb und der Lagerhalle somit via Gäupark-Kreisel und Industriestrasse über eine Distanz von 1100 Meter erfolgen soll.

Dank Landkauf eine Perspektive

Bruno von Rohr stört sich vor allem daran, dass offenbar weder das Gericht noch die Nachbarn Gedanken daran verschwendet haben, dass mit der erzwungenen Schliessung der Lagerhalle die Zukunft des Betriebs nicht mehr gewährleistet sein könnte. Damit werde eine Auflösung des dieses Jahr 100 Jahre alt werdenden Familienunternehmens in Kauf genommen. «Welchen Stellenwert hat ein familiär geführtes KMU mit eigener Produktion, hochwertigen Arbeitsplätzen und Lehrlingsausbildung in unserer Gesellschaft noch?», fragt sich von Rohr konsterniert.

Dass die von Rohr Holzbau AG überhaupt noch eine Zukunftsperspektive habe, sei der weitsichtigen Planung der von Rohr Immobilien AG zuzuschreiben, bemerkt Bruno von Rohr. Diese habe 2009 an der neu erstellten Bifangstrasse ein Grundstück erworben. Dieses Areal biete die Möglichkeit, den Fabrikationsbetrieb samt Ausstellung und Büros an einem Ort zentral zu konzentrieren. Um dieses Projekt realisieren zu können, brauche es nebst grossen finanziellen Mitteln auch unternehmerische Leidenschaft. Die vierte Generation der von Rohr-Familie und ein überzeugtes Team ausgewiesener Fachleuten motiviere zu diesem möglichen Schritt, sagt von Rohr. Würde die angestrebte Verlagerung des Betriebs an den neuen Standort bis im März 2019 gelingen, wäre die Zukunft der von Rohr Holzbau AG wieder auf lange Sicht gesichert.

Mit der Auflage des Gestaltungsplans im Januar und dem folgenden Baugesuch soll nun die Realisierbarkeit des Projekts abgeklärt werden. Ein Scheitern oder zeitliche Verzögerungen hätten weitreichende Folgen. «Aufgrund des Gerichtsentscheides müssten betriebliche Umstrukturierungen vorgenommen und damit einhergehend auch Arbeitsplätze abgebaut werden», stellt Bruno von Rohr in Aussicht.

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