Dreieinhalb Stunden debattierten 90 Stimmberechtigte am Montagabend in Mümliswil über zahlreiche Vorlagen. Vermeintlich heiklen Anträgen wurde überraschend wortlos zugestimmt. Die Steuererhöhung um 5 Prozentpunkte wurde nach zähem Ringen angenommen. Die Verantwortlichen zeigten sich erleichtert, denn nun kann der Bilanzfehlbetrag, wie vom Kanton gefordert, fristgerecht abgebaut werden.

Neuen Gebühren zugestimmt

Gemeindepräsident Kurt Bloch zeigte sich zu Beginn der Versammlung erfreut darüber, dass das Stimmvolk dem Neuen Finanzausgleich zugestimmt hatte. «Der NFA ist ein wichtiger Teil, um unsere Finanzen künftig ins Lot zu bringen», so Bloch. Eindrücklich zeigte er auf, welche unbeeinflussbaren Kosten in den nächsten Jahren auf die Gemeinde zukommen werden. Angefangen von den Sozialkosten bis hin zu Beiträgen an Staatsstrassen, die im Guldental mehrere Kilometer ausmachen.

Die Schlussabrechnung der Sanierung Schulanlage und Hallenbad Brühl schliesst mit 1,917 Mio. Franken ab. Gegenüber dem Kredit sind das Mehrkosten von 67 654 Franken. «Bei einem so grossen Umbau gibt es immer wieder Überraschungen. Andererseits konnten Teilprojekte günstiger ausgeführt werden», meinte Architekt Robert Sutter dazu. Berücksichtigt man die eingegangenen Beiträge, resultiert eine finanzielle Minderbelastung von rund 26 600 Franken. Die Schlussabrechnung wurde mit grossem Mehr genehmigt.

Der Bruttokredit von 600 000 Franken für die Unterhaltsarbeiten an der Brunnersbergstrasse (2015–2017) wurde ebenfalls mit grossem Mehr genehmigt. Neu will die Verwaltung für Bestattungen und für Dienstleistungen der Einwohnerkontrolle und der Gemeindekanzlei Gebühren erheben. «Solche Gebühren kennen andere Gemeinden seit Langem», erklärte Bloch. Um die laufende Rechnung zu entlasten, könne man nicht länger darauf verzichten – gerade das Bestattungswesen sei sehr kostenintensiv. Die Bestattungsgebühren wurden mit 62 zu 13 Stimmen angenommen. Die Verwaltungsgebühren fanden mit grossem Mehr Zustimmung. Ebenfalls wurde die Reduktion der Beiträge an die Schulzahnpflege mit 70 zu 3 Stimmen bewilligt.

Hart umkämpfte 5 Prozent

Anhand des Finanzplanes zeigte Finanzverwalter Stephan Fluri die Entwicklung der Gemeindefinanzen auf und warum die Steuererhöhung unerlässlich ist. Detailliert erläuterte er auch den Voranschlag 2015 und – wo überall der Rotstift angesetzt wurde. Nach anfänglich über 400 000 Franken Defizit konnte der Versammlung ein Budget mit einem Ertragsüberschuss von 69 595 Franken und Nettoinvestitionen von 608 400 Franken vorgelegt werden. Der Voranschlag wurde nach angeregter Diskussion schliesslich mit 55 zu 20 Stimmen und einigen Stimmenthaltungen genehmigt.

Hoch zu- und herging es bei der Festlegung des Steuerfusses für 2015. Der Gemeinderat beantragte bekanntlich eine Erhöhung um 5 Punkte auf 133 Prozent. Da war die Rede von «... dem Kanton zeigen, dass wir nicht alles akzeptieren; ... nochmals ein Jahr zuwarten angesichts der Annahme des NFA; ... dem Gemeindepersonal zwei Wochenstunden Lohn kürzen; ... der Kanton soll unsere Probleme lösen; ... Jahresabschluss 2014 abwarten usw.»

Nach langem Debattieren lagen zwei Gegenanträge aus der Versammlung vor, über die der Vorsitzende einzeln abstimmen liess. Mit dem Resultat zeigten sich einige Stimmbürger jedoch nicht einverstanden und beantragten erneut eine Abstimmung. Antrag 1 wollte 130 Prozent, Antrag 2 den Steuerfuss bei 128 Prozent belassen. Antrag 2 obsiegte mit 33:6 Stimmen. Jetzt stand nur noch Antrag 2 dem offiziellen Antrag (133 Prozent) gegenüber. Schliesslich entschied sich der Souverän mit 49 gegen 33 Stimmen für 133 Prozentpunkte – fast punktgenau wie bei der ersten Abstimmung.